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Graben

12.03.2020

Weshalb sich die Post vom Lechfeld zurückzieht

Das Paketverteilzentrum von DHL stellt seinen Betrieb ein. Nach Angaben der Post sind rund 80 Mitarbeiter von der Maßnahme betroffen.
Foto: Marcus Merk

Plus Während der Konzern wächst und mehr Dividende zahlt, stellt das Paketzentrum den Betrieb ein. Das liegt auch am Kunden Amazon.

Die Mitarbeiter sind diese Woche von der Nachricht überrascht worden: Das Paketverteilzentrum von DHL im Gewerbegebiet in Graben im Landkreis Augsburg stellt zum 1. Mai seinen Betrieb ein. Nach Angaben der Post sind rund 80 Mitarbeiter betroffen. Der Gewerkschaft Verdi zufolge befinden sich darunter 20 Beschäftigte mit befristeten Verträgen, die jetzt um ihre Stellen bangen müssten. Die anderen Mitarbeiter hätten einen Kündigungsschutz bis zum Jahr 2022. Als Grund für die Schließung nannte die Post die aktuell rückläufigen Sendungsmengen – unter anderem bedingt durch die verstärkte Eigenzustellung von Amazon in Deutschland. Der Onlineversandhändler betreibt in unmittelbarer Nähe ein etwa 15 Fußballfelder großes Logistikzentrum. Ein Teil der Amazon-Pakete wird über eine Förderbandbrücke direkt in das DHL-Zentrum weiterverfrachtet.

Amazon selbst äußerte sich nicht konkret zur Schließung. Der Versandriese teilte auf Nachfrage lediglich mit: „Die Deutsche Post DHL ist ein wichtiger Partner bei der Betreuung von Kunden in ganz Europa, und wir legen großen Wert auf das Know-how und das hochwertige Zustellnetzwerk von DHL.“ Die 7000 Quadratmeter große Halle von DHL in Graben wurde 2012 in Betrieb genommen. Wie es mit dem Paketzentrum weitergeht, ist unklar. Die Post prüft nach eigenen Angaben eine weitere Verwendungsmöglichkeit innerhalb des Konzerns, aber auch externe Verkaufsoptionen. Amazon teilte auf Anfrage mit, Gerüchte, das Unternehmen wäre an dem Gebäude interessiert, seien nicht wahr.

Post stellt Produktion des Streetscooters ein

Der US-Händler Amazon macht also mit seiner Zustellung der Post auch in unserer Region Konkurrenz. Stellt Amazon künftig immer mehr Pakete selbst zu, bedeutet dies für den gelben Riesen einen Einnahmeverlust. Das ist aber nur ein Faktor, den Post-Chef Frank Appel im Blick behalten muss. Auch an anderen Stellen gibt es Belastungen.

Rentiert sich nicht: Die Post stellt die eigene Produktion ihrer Streetscooter ein.
Foto: Klaus-Dietmar Gabbert, dpa


Erst vor wenigen Wochen hat die Post überraschend angekündigt, die Fertigung ihres Elektrotransporters Streetscooter aufgeben zu wollen. Das Fahrzeug galt lange Zeit als Vorzeigemodell der Elektromobilität. Die Einstellung in den kommenden Monaten wird nicht kostenlos sein, rund 300 Millionen bis 400 Millionen Euro sind hier veranschlagt. Dazu kommt, dass auch ein Kernbereich immer weniger Umsatz bringt – das klassische Briefgeschäft. Wegen E-Mails und Kurznachrichtendiensten werden weniger Briefe verschickt. Der Rückgang der Sendungsmenge habe sich im vergangenen Jahr fortgesetzt, berichtete die Post am Dienstag, als sie die Konzernzahlen für das vergangene Geschäftsjahr vorgestellt hat. Die Zahl der Postsendungen sei um drei Prozent gesunken. Die Portoerhöhungen zum 1. Juli 2019 hätten dies „nicht kompensieren“ können. Damals war der Preis beispielsweise für einen Standardbrief von 70 auf 80 Cent gestiegen.

Die Post legt gute Zahlen vor: Umsatz und Gewinn legen zu

Bei all dem legte Postchef Appel trotzdem gute Zahlen vor: Die Post konnte deutlich wachsen. Der Umsatz ist im Jahr 2019 um 2,9 Prozent auf 63,3 Milliarden Euro gestiegen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern legte sogar um 30,6 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro zu – dies sei „ein neuer Rekord“, teilte das Unternehmen mit. Die Aktionäre bekommen jetzt mehr Dividende. Pro Anteilsschein sollen 1,25 Euro ausgeschüttet werden, im Jahr davor waren es 1,15 Euro. Der Post hilft dabei, dass sie angesichts des boomenden Onlinehandels immer mehr Pakete ausliefert – trotz der eigenen Zustellung von Amazon. Das deutsche Paketgeschäft habe sich „dank des anhaltenden Booms im E-Commerce weiterhin sehr erfreulich entwickelt“, berichtet das Unternehmen. Für die Zukunft hat sich die Post ambitionierte Ziele gesetzt. Bis zum Jahr 2022 soll der Gewinn vor Zinsen und Steuern im Konzern auf mindestens 5,3 Milliarden Euro steigen. Das Unternehmen wolle „das Wachstum in allen profitablen Kerngeschäften forcieren“. Der Streetscooter gehört nicht mehr dazu.

Unsicherheit wegen Corona-Virus

Und ein Unsicherheitsfaktor für das laufende Geschäftsjahr kommt noch dazu: die Corona-Krise. „Selbstverständlich kann sich auch unser Unternehmen nicht von der weltwirtschaftlichen Situation entkoppeln – ganz spurlos wird diese globale Krise nicht an uns vorbeigehen. Noch ist es aber viel zu früh, um die konkreten finanziellen Auswirkungen abschätzen zu können“, sagte Post-Chef Appel.

Die Prognose eines Gewinns vor Zinsen und Steuern von fünf Milliarden Euro für das laufende Geschäftsjahr stellte die Post deshalb unter Vorbehalt.

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12.03.2020

Na super, da freut man sich als Kunde doch. Mit Hermes funktioniert es nicht wirklich und Amazon Logistics ist der letzte Schrott. Der einzige, der es auf die Reihe gekriegt hat, ist DHL. Leider ist es auch so, dass man bei Amazon, beim Bestellvorgang nicht aussuchen kann, wer liefern soll und erfährt immer erst mit der Versandmitteilung, wer liefert und dann ist es zu spät.

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