Newsticker

Biontech und Pfizer beantragen EU-Zulassung für Corona-Impfstoff
  1. Startseite
  2. Lokales (Schwabmünchen)
  3. Wie Neugierde Kinder zu Forschern macht

Bobingen

21.11.2018

Wie Neugierde Kinder zu Forschern macht

Experimente zeigen Kindern im Haus der kleinen Forscher die Faszination der Wissenschaften.

In Bobingen lernen Pädagogen, die Faszination an Naturwissenschaften zu vermitteln. Doch auch Buben und Mädchen tüftelten hier.

Zu den so unterschiedlichen Besonderheiten, die in der Alten Mädchenschule an der Pestalozzistraße in Bobingen untergebracht sind, zählt seit Sommer 2015 das „Haus der kleinen Forscher“. Dahinter steht eine gleichnamige Stiftung mit Sitz in Berlin, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. In ihrem Auftrag bietet hier Carsten Möller rund 40 Veranstaltungen im Jahr und er kann es gar nicht genug loben: „Die Uni Bobingen wächst und gedeiht mit ihren kleinen interessierten Studenten.“

In dieser speziellen, umfassenden Form mit Angeboten sowohl für Kinder als auch für Pädagogen gebe es die Einrichtung nur in drei Städten in Deutschland, umso wichtiger seien sie für ihr ganzes Umland. Nach Bobingen kämen daher Kinder, Ehrzieher und Lehrkräfte nicht nur aus dem Augsburger Land, sondern sogar aus den Landkreisen Aichach, Dachau und Starnberg. Am geringsten sei das Interesse direkt aus Bobingen. Vor allem die heimischen Kitas vermisst er noch in dem kleinen „Experimentarium“, berichtete Möller nun dem Kulturausschuss der Stadt in einem Erfahrungsbericht.

Projekt will Kinder stark machen für die Zukunft

Der Begriff „Haus der kleinen Forscher“ steht nach eigener Aussage für „Deutschlands größte Fortbildungsinitiative für pädagogische Fach- und Lehrkräfte“. Die gemeinnützige Stiftung engagiere sich für gute frühe Bildung in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) – mit dem Ziel, Mädchen und Jungen stark für die Zukunft zu machen und zu nachhaltigem Handeln zu befähigen. Die Aktivitäten bestehen im Schwerpunkt in Fortbildungsangeboten für Personal in Kindertagesstätten und an Grundschulen. Sie sollen befähigt werden, Kindern schon in frühen Jahren praktische Erfahrungen im Umgang mit Experimenten aus den Bereichen der Naturwissenschaften zu bieten. Die spielerische Erfahrung soll dabei im Vordergrund stehen. In Bobingen geht die Arbeit über die Fachfortbildung in Workshops noch weit hinaus. Hier bekommen auch die Kinder direkt Zugang zu Experimenten und faszinierenden Themen. Dabei beobachtet Carsten Möller, dass sich gerade Kindergartenkinder durchaus zwei bis drei Stunden lang selbst mit Experimenten beschäftigen können. Spielerisch gehen sie zum Beispiel mit dem Phänomen Luft um und nähern sich dabei Themen aus dem Bereich des Umweltschutzes. Die Umweltstation Augsburg ist daher einer von mehreren Netzwerkpartnern. Auch der Landkreis Augsburg und die Stadt Bobingen zählen dazu.

Neugierde befeuert die Kleinsten

Die kleinsten Besucher des Hauses der kleinen Forscher seien sogar gegenüber älteren Schülern im Vorteil, beobachtet Möller. Ihre kindliche Neugierde treibe sie an, erzählt er unserer Zeitung. 560 Kinder und 36 pädagogische Kräfte erlebten dies alleine in diesem Jahr in Bobingen. Möller ist selbst Naturwissenschaftler, viel unterwegs, um Lehrer für das Projekt zu begeistern, und so manche kämen dann auch mit ihren Klassen oder Kita-Gruppen nach Bobingen. Andere setzen das Grundkonzept direkt an ihrer Einrichtung um. 5000 Kitas, Horte und Grundschulen haben sich in Deutschland bereits als eigenes „Haus der kleinen Forscher“ zertifiziert. Sie setzen in Experimentierecken um, was den Pädagogen zum Beispiel in Bobingen oder bei Workshops im ganzen Bundesgebiet an die Hand gegeben wurde. Das „Haus der kleinen Forscher“ verbessere Bildungschancen, fördere Interesse am MINT-Bereich und professionalisiere dafür pädagogisches Personal, sagt die Stiftung. Sie möchte allen Kita- und Grundschulkindern die alltägliche Begegnung mit Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik sowie mit Fragen der Nachhaltigkeit ermöglichen.

Informatik mit Schnürsenkel

So soll im nächsten Jahr in Bobingen das Thema Informatik neu angegangen werden. Möller kommt dabei ganz ohne Computer oder komplexe Formeln aus. Denn im Grunde gehe es bei Informatik um die Festlegung und Beschreibung einzelner Abläufe. Das könnten Kinder auch am Beispiel des Schuhebindens erfahren. Anfangs mache der Umgang mit Schnürsenkeln jedem Schwierigkeiten, mit der Zeit laufe das nahezu automatisch ab. „Auch das ist Informatik“, sagt Möller.

Im Kulturausschuss bewegte Bürgermeister Bernd Müller die Frage, warum bislang Kitas aus Bobingen das Haus der kleinen Forscher kaum nutzen. An der Gebühr von fünf Euro pro Kind und Vormittag könne es nicht liegen, meint sein Stellvertreter Klaus Förster mit Hinweis auf die für Kitas „großzügige Defizitübernahme durch die Stadt.“ Möller und Müller kamen überein, zum Kennenlernen ein eigenes Fortbildungsangebot für Erzieherinnen aus Bobingen zu machen. Werbung braucht das Haus der kleinen Forscher allerdings keine. Bei rund 40 Veranstaltungen pro Jahr sei in Bobingen die Obergrenze seiner Kapazitäten schon erreicht, sagt Möller.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren