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Landkreis Augsburg

06.07.2020

Wie Sportvereine durch die Corona-Krise kommen

Eigens ein Zelt für Sport im Freien hat der TSV Schwabmünchen auf dem Sportgelände in der Riedstraße aufgestellt.
Bild: Reinhold Radloff

Plus Punktspiele, Kurse und Feste müssen ausfallen, was für die Sportvereine finanzielle Verluste mit sich bringt. Viele Vereine zeigen sich kreativ.

Wie sind eigentlich die großen Sportvereine im südlichen Landkreis durch die Corona-Zeit gekommen? Welche Konsequenzen ziehen sie daraus? Wir haben bei den Vereinen nachgefragt.

Der Schock saß tief: Corona wirbelte bei den Vereinen alles durcheinander, brachte den Sport zeitweise total zum Erliegen, verursachte viele Sorgen und Nöte.

Anfangs gab es bei den Vereinen böse Anrufe von Mitgliedern

Da gab es anfangs böse Anrufe von Mitgliedern, allerdings nur sehr vereinzelt. Da kamen auch Ideen auf wie: Ich zahle keinen oder einen reduzierten Beitrag oder möchte nach Corona ein zusätzliches Angebot oder das bisherige nachgeholt haben, weil über Monate geringere Leistungen erbracht wurden. Die rechtliche Situation nach Informationen des größten Vereins im südlichen Landkreis ist eindeutig. „Die Rückzahlung von Beiträgen widerspricht dem Gesetz und der Satzung eines gemeinnützigen Vereins und gefährdet die Gemeinnützigkeit“, heißt es beim TSV Schwabmünchen (über 3000 Mitglieder). Und dessen Vorsitzender Reinhold Weiher ergänzt: „Da wir als Verein eine Solidargemeinschaft sind, bitten wir unsere Mitglieder, von Rückforderungen des Beitrags abzusehen. Hier ist zu bedenken, dass wir als gemeinnützige Organisation keine Gewinne erwirtschaften, sondern stets in die Zukunft des Vereins investieren.“

Trotzdem standen die Telefone bei den Vereinen zeitweise nicht still: Es musste viel Informationsarbeit geleistet werden.

Isabella Uhl ist Vorsitzende des SV Untermeitingen.
Bild: Susanne Raffler

Beispielsweise berichtet Isabella Uhl, die Vorsitzende des SV Untermeitingen (1950 Mitglieder): „Manche zeigten Unverständnis für die geforderten Hygienekonzepte und Abstandsregeln oder gar den Ausfall der Stunden.“ So oder so ähnlich erging es auch dem kommissarischen Vorsitzenden des TSV Königsbrunn (2000 Mitglieder), Wilfried Semmlinger. Er betonte aber: „Bei uns verlief die Corona-Zeit von Mitgliederseite erstaunlich ruhig. Fast alle akzeptierten die entstandenen Probleme klaglos.“ Ähnlich äußerte sich auch der Vorsitzende des TSV Bobingen (1800 Mitglieder), Erwin Treischl: „Ärger und Schwierigkeiten hielten sich in Grenzen.“

Sportvereine haben finanzielle Einbußen

Ärgerlich war für alle natürlich, dass Punktspiele, Turniere, Kurse, Zusammenkünfte und Feste ausfielen und dadurch beträchtliche Einnahmen verloren gingen. Dazu kam, dass es vereinzelt Vereinsaustritte gab und keine neuen Mitglieder generiert werden konnten. Wie hoch die finanziellen Verluste durch Corona bei den Vereinen sind, lässt sich nicht beziffern. Erfreulich ist aus Sicht der Vereine, dass der Landkreis zusagte, die Sportförderung durch die Vereinspauschale zu verdoppeln.

Eine erstaunliche Geste erfuhr der TSV Schwabmünchen: Der FC Bayern unterstützt die hiesige Fußball-Bayernliga-Mannschaft – wie alle anderen in dieser Liga auch – mit 10.000 Euro. „Das finde ich einen sehr feinen Zug“, so Weiher, der im Verein versuchte, die laufenden Kosten so weit wie möglich zu reduzieren: „Wir konnten Mietkosten reduzieren, Übungsleiterbezüge auf Null oder auf sehr geringe Beträge senken und erfuhren dabei sehr große Solidarität.“

Reinhold Weiher ist Vorsitzender des TSV Schwabmünchen, der eine erstaunliche Geste erfuhr.
Bild: Norbert Staub

Die Vereine nutzten alle Möglichkeiten, den Sport aus den vorübergehend geschlossenen Hallen ins Freie zu verlegen, natürlich unter Corona-Bedingungen, was bei Kampf- und Kontaktsportarten schwierig ist. Shorinji Kempo hält sich beim TSV Bobingen beispielsweise noch stark zurück.

Was beim TSV Königsbrunn noch immer komplett ausfällt, sind das Schwimmtraining, die Kurse im Gymnasiums-Hallenbad sowie Herzsport. „Viele trainieren eben für sich“, so Semmlinger. Das bestätigen auch die Vorsitzenden in anderen Vereinen.

Um die Mitglieder möglichst gut zufriedenzustellen, ließ der TSV Schwabmünchen ein 180 Quadratmeter großes Zelt aufstellen, das vorerst bis Ende der Sommerferien auf dem Gelände in der Riedstraße stehen bleiben wird. „Vor allem die Turnabteilung nimmt es sehr gut an“, so Weiher, der für August ein umfangreicheres Sportangebot ankündigt, als bisher in diesem Monat.

"Müssen schneller und flexibler werden"

Was die Vereine aus Corona-Zeiten gelernt haben? „Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir in Zukunft schneller und flexibler reagieren müssen“, darin ist sich Uhl mit anderen Vorsitzenden einig.

Einig sind sich alle auch darin, dass in Zukunft der Outdoorsport mehr an Gewicht gewinnen wird. Und Reinhold Weiher meint: „Wir verfolgen zwar das Konzept Sportwelt – eventuell etwas abgeändert – weiter, planen aufgrund von Corona aber in Teilabschnitten. Auf jeden Fall werden wir die geplante Freilufthalle möglichst schnell errichten.“

Inzwischen dürfen wieder die meisten Hallen genutzt werden. Weitere Probleme und viel Arbeitsaufwand bereiten allerdings die laufend anzupassenden Corona-Regeln.

Bei allen zu bewältigenden Schwierigkeiten – die Vereine haben die Pandemie bisher überstanden, „auch wenn die Sportförderung in der Öffentlichkeit erst spät in die Diskussion kam“, so Weiher.

Semmlinger meint: „Wenn keine zweite Welle kommt und uns noch mehr Ärger droht, dann sind wir mit einem blauen Auge davongekommen.“ Und Treischl ergänzt: „Wir werden uns noch viele Gedanken machen müssen. Aber momentan schauen wir darauf, was machbar ist.“

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