Newsticker
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Impfung mit AstraZeneca erhalten
  1. Startseite
  2. Lokales (Schwabmünchen)
  3. Wie Trickbetrüger die große Liebe vorgaukeln

Bürgerversammlung

18.11.2019

Wie Trickbetrüger die große Liebe vorgaukeln

Manche Betrüger wollen per Telefon Menschen dazu bringen, ihnen Geld oder Wertsachen zu übergeben, indem sie sich als Polizisten ausgeben.

Der stellvertretende Leiter der Bobinger Polizei warnt vor Abzockern am Telefon und im Internet. Die Statistik zeigt: In Königsbrunn lebt es sich insgesamt sehr sicher. Wie sich die Stadt vor Hackern schützt

In Königsbrunn lässt es sich immer noch vergleichsweise sicher leben. Zu diesem Schluss kam Markus Graf, der stellvertretende Leiter der Bobinger Polizeiinspektion, bei seinem Vortrag zum Thema Sicherheit bei der Königsbrunner Bürgerversammlung. Besonders warnte er vor modernen Betrugsmethoden, vor denen sich auch die Stadtverwaltung immer mehr schützen muss.

Wie bei allen Bürgerversammlungen beruhte der Vortrag auf den aktuellsten vorliegenden Zahlen – in diesem Fall denen des Jahres 2018. Die Statistik des laufenden Jahres gibt es erst im Frühjahr 2020. Hier zeigte sich ein leichter Anstieg der Fallzahlen in Königsbrunn: 1065 Gesetzesverstöße registrierte die Polizei 2018 im Vergleich zu 999 in 2017. Die größte Zunahme habe man bei den Ladendiebstählen zu verzeichnen, sagte Graf: „Geklaut wird immer wieder. Die Frage ist, wie die Geschäfte ihre Mitarbeiter schulen oder Ladendetektive beauftragen.“ Zusätzliche Detektive würden zu mehr entdeckten Dieben und damit zu höheren Fallzahlen führen. 362 Diebstähle wurden 2018 der Polizei gemeldet (2017: 297). Ähnlich sieht es bei den Drogendelikten aus. Deren Zahl sank von 94 auf 74. Allerdings könne dies mit einer Verlagerung der Szene zu tun haben, sagte Graf: „Im einen Jahr kontrolliert man bestimmte Örtlichkeiten häufiger und wird fündig, sodass sich die Leute andere Orte suchen.“

Einen erfreulichen Trend machte Graf bei den Fahrraddiebstählen aus: Ihre Zahl sank von 96 auf 76. Er appellierte an alle Besitzer, ihre Räder gut abzusichern und dabei nicht auf die billigsten Schlösser zu setzen: „Sie sollten die Räder auch in der heimischen Garage absperren. Wir hatten schon Fälle, wo die Diebe über den Zaun gesprungen sind und die Räder vom Grundstück geschoben haben.“

Bei den Wohnungseinbrüchen hat die Eigensicherung schon einen großen Erfolg gebracht. Die Zahl der Delikte stieg 2018 zwar auf 20 im Vergleich zu 16 im Vorjahr, sagte Graf: „Von diesen blieben aber 15 im Versuchsstadium.“ Die Einbrecher sind also entweder an stabileren Türen und Fenstern gescheitert oder wurden gestört. Aufmerksame Nachbarn seien eine gute Sache im Kampf gegen Einbrecher. Er wies auch darauf hin, ungewöhnliche Bewegungen oder unbekannte und verdächtige Autos im Wohnviertel der Polizei zu melden.

Die größten Sorgen machen der Polizei derzeit verschiedene Betrugsmaschen, die immer wieder in Wellen auftreten, sagte Graf: „Wenn etwas kommt, sind es meist zehn bis 15 Bürger binnen kurzer Zeit, die solche Anrufe melden.“ Die Dunkelziffer dürfte noch weit höher liegen, weil sich nicht jeder melde. Die Anrufer erzählen von angeblichen Gewinnen für die zuerst hohe Bearbeitungsgebühren gezahlt werden müssen oder geben sich als Polizisten aus und bieten an, Wertsachen vor angeblichen Einbrechern in Sicherheit zu bringen. Er riet, grundsätzlich keinem Fremdem Geld oder Wertsachen zu übergeben und die Polizei zu verständigen – im Fall der falschen Polizeianrufe natürlich nicht über die Rückruftaste.

„Beliebt“ seien auch angebliche Microsoft-Mitarbeiter, die versuchen, die Angerufenen zu überreden, ihnen Zugriff auf ihren PC zu geben, sagte Graf: „Wenn Sie denen Zutritt gewähren, haben sie ein Problem. Gerade wer Online-Banking betreibt, ist danach viel Geld los.“

Mit den Gefühlen ihrer Opfer spielen sogenannte Romance-Scammer, die sich mit falschen Profilen auf Partnerbörsen im Internet anmelden und ihren Chatpartnern die große Liebe vorgaukeln. „Irgendwann passiert aber etwas Tragisches und sie brauchen dringend Geld und fragen ihre neue große Liebe“, sagte Graf. Auch so würden oft Tausende Euro ergaunert.

Mit betrügerischen Romeos und Julias hat man im Königsbrunner Rathaus weniger zu kämpfen. Dafür hat IT-Chef Manfred Birling zahlreiche Angriffsversuche von Hackern und Schadsoftware-Programmen auf dem Schirm: „Im Grunde ist mein Vortrag die Fortsetzung von dem von Herrn Graf.“ Dazu legte er eine recht eindrucksvolle Statistik vor: In anderthalb Tagen gehen bei der Stadt Königsbrunn etwa 28000 Emails ein, davon landen etwa 26000 direkt im Spamfilter. Daher hat die Stadt die Sicherung für die vielen gespeicherten sensiblen Daten der Bürger auch verstärkt.

Verschiedene Überwachungswerkzeuge sorgen dafür, dass Angriffe aus dem Internet nicht zum Erfolg führen. 100000 Euro investiert die Stadt alleine dafür pro Jahr. Neben dem Hauptrechner im Rathaus hat die Stadt noch eine Sicherungskopie, die einspringen kann, falls doch einmal ein Angriff das eigene Rechenzentrum lahmlegt. Und im kommenden Jahr investiert man 120000 Euro in neue, sicherere Server.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren