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Klosterlefeld

17.04.2019

Wie der Kalvarienberg gerettet wurde

So schön präsentiert sich der Kalvarienberg in Klosterlechfeld heute den Besuchern. Foto: Hieronymus Schneider

Seit 300 Jahren verkündet der Kreuzweg in Klosterlechfeld das Geschehen des Karfreitags. Während dieser Zeit musste der Rundbau immer wieder saniert werden.

Der Kalvarienberg bildet mit der Wallfahrtskirche „Maria Hilf“ und der Klosteranlage ein Ensemble, das weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt ist. Er übt seit drei Jahrhunderten eine große Anziehungskraft auf Pilger aus, die nach Klosterlechfeld kommen. Den Klosterlechfeldern lag der Erhalt des Kalvarienberges stets am Herzen. So gab es in seiner Geschichte immer wieder Rettungsaktionen, um einen möglichen Abriss abzuwenden und dieses Zeugnis christlichen Glaubens bis in die heutige Zeit zu erhalten. An seinem 300. Geburtstag erstrahlt der Kalvarienberg nach der vor zwei Jahren abgeschlossenen jüngsten Renovierung in neuem Glanz.

Der Grundstein für die Kirche wurde am 7. April 1603 gelegt. Der Bau geht auf ein Gelübde von Regina von Imhof zurück, die schon ab 1606 Franziskaner aus der Provinz Straßburg nach Klosterlechfeld holte und ihnen ein erstes Klostergebäude errichtete, das rasch ausgebaut und schon 1624 zum Konvent erhoben wurde. Da die Wallfahrt immer mehr Zulauf erhielt, wurde die Kirche 1656 mit dem Anbau des Langhauses und der Erhöhung des Rundbaus sowie der Sakristei und 1690/91 mit den beiden runden Seitenkapellen erweitert.

Sammlungen in den umliegenden Landgerichten

Die Anregung für den Bau des Kalvarienberges ging 1718 von Pater Sebastian Höß aus. Der aus Schwabmünchen stammende Onkel der Heiligen Crescentia von Kaufbeuren war der Guardian (Oberster eines Konvents) des Klosters. Zur Finanzierung wurden umfangreiche Sammlungen in den umliegenden Landgerichten durchgeführt. 1719 genehmigte Fürstbischof Alexander Sigismund den Bau, der noch im selben Jahr mitsamt den Kreuzwegstationen von Weihbischof Johann Jakob Mayr eingeweiht wurde.

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Das Privileg zur Errichtung von Kreuzwegen hatten damals nur die Franziskaner und der Kalvarienberg in Klosterlechfeld war der erste im süddeutschen Raum. Er ermöglichte den Wallfahrern den symbolischen Pilgerzug zu den Leidensstätten des Herrn auf dem Hügel Golgotha bei Jerusalem. Ursprünglich bestand er aus 54 aus Ton gebrannten Statuen, die den Kreuzweg darstellten. Seit 1739 ist der Kalvarienberg Eigentum der Kirchenstiftung. Die Franziskaner trugen viel zum Erhalt bei. So wurde der Kalvarienberg am 10. November 1798 als Friedhof geweiht und von da an bis 1978 die verstorbenen Klostermitglieder um den Rundbau herum beerdigt. Aus diesem Grund wurde die Gruft in der Wallfahrtskirche seit 1798 nicht mehr benutzt.

Sieben Meter hoher Rundbau

1853 fand eine Erneuerung unter dem Guardian Eduard Linser statt. Der Rundbau hat eine Höhe von sieben Metern und an der untersten Plattform, wo eine Darstellung von Jesus im Grabe in einer künstlichen Tuffsteinkammer eingebracht ist, einen Durchmesser von neun Metern. Über die beiden Freitreppen zur ersten Etage sieht man im Inneren des Baus eine Darstellung von Christus auf dem Ölberg. Die Krönung bildet die Kreuzigungsgruppe an der obersten Plattform, deren Figuren aus Erz in der Privatgießerei des Künstlers Christian Hörner in München gegossen wurden. Sie stellt die zwölfte der insgesamt 14 Stationen dar. Zwischen den drei Kreuzen mit Jesus in der Mitte und den mit ihm gekreuzigten „Schächern“ stehen die Figuren der Maria und Magdalena.

Nachdem sich die Bausubstanz seit der Renovierung im Jahre 1880 ab 1970 in erschreckendem Maße verschlechterte, gründete sich 1974 die „Aktion Kalvarienberg“ als Zusammenschluss engagierter Klosterlechfelder Bürger mit dem Ziel, dieses Kleinod vor dem Verfall zu retten. Vor allem die lebensgroßen Figuren der Kreuzigungsgruppe waren durch Zinnfraß stark beschädigt und das gesamte Gebäude durch Wassereintritt sehr in Mitleidenschaft gezogen. Mit viel freiwilliger Arbeitsleistung konnte die Bausumme auf 320000 D-Mark gesenkt werden. Bei den umfangreichen Entrümpelungs- und Restaurierungsarbeiten mussten bis zur Fertigstellung im Jahre 1978 eine Menge schwieriger bautechnischer Einzelfragen geklärt werden. Am 16. September 1978 wurde der renovierte Kalvarienberg mit einem Dankgottesdienst mit 3000 Menschen feierlich eingeweiht.

Letzte Baumaßnahme erfolgte 2017

Die nächste Sanierung wurde 2006 in die Wege geleitet und im Sommer 2009 abgeschlossen. Die Gesamtkosten lagen bei 350 000 Euro. Der renovierte Kalvarienberg wurde am 13. September 2009 durch Pfarrer Leinauer im Beisein Hunderter Gläubiger erneut eingeweiht. Die bis heute letzte Baumaßnahme erfolgte 2017 mit der Absicherung der Anlage durch ein Geländer sowie der Ausbesserung von mehreren Putzschäden. Erst danach durfte der Kalvarienberg wieder zur Begehung geöffnet werden. „Diese Sicherheitsvorschrift haben wir erfüllt, obwohl in 300 Jahren niemand heruntergefallen ist“, sagte Pfarrer Thomas Demel.

Die Wiedereröffnung wurde beim Erntedankfest am 1. Oktober 2017 gefeiert. Seitdem können Besucher der Wallfahrtskirche die Möglichkeit nutzen, auch an den Kreuzwegstationen des Kalvarienbergs zu beten. An vielen Festtagen des Kirchenjahres wird dieser durch Andachten und die Feier von Gottesdiensten mit Leben erfüllt, so am Palmsonntag, zur Ölbergandacht am Abend des Gründonnerstag, zu den Kreuzwegfeiern am Karfreitag, an Fronleichnam oder bei der Soldaten- und Veteranenwallfahrt.

Zum 300-jährigen Bestehen des Kalvarienbergs ist vom 14. September bis 4. Oktober ein Festprogramm geplant. Am Sonntag, 15. September, feiert die katholische Kirchengemeinde Klosterlechfeld das Jubiläum „300 Jahre Kalvarienberg“ im Rahmen des diesjährigen Franziskusfestes.

Termine Gründonnerstag um 21.15 Uhr Ölbergandacht, gestaltet vom Chorensemble Graben. Karfreitag um 9 Uhr Kreuzwegandacht und um 10.30 Uhr Kreuzweg für Kinder und Familien.

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