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Königsbrunn

26.03.2019

Wie der kritische Blick auf „Mein Kampf“ funktioniert

Dr. Roman Töppel (Zweiter von links) diskutierte auf Einladung von (von links) Florian Bachmayr, Michael Rehm und Fabian Wamser mit den Jusos aus der Region über "Mein Kampf".
Bild: Jusos Schwaben

Die Jusos aus dem Landkreis diskutieren zur „Anti-Nazi-Woche“ mit einem der Herausgeber der Neuauflage von Adolf Hitlers Buch.

Im Vorfeld der Anti-Nazi-Woche der Jusos Schwaben veranstalteten die Jusogruppen Augsburg-Land und Königsbrunn gemeinsam in Königsbrunn einen Vortragsabend mit Dr. Roman Töppel. Er gehört zu den Herausgebern der kritischen Edition von Adolf Hitlers „Mein Kampf“, die bereits vor ihrem Erscheinen für Furore gesorgt hatte.

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Die Frage, ob man ein solches Buch nach dem Ablauf des Urheberrechts wieder neu auflegen darf, soll oder sogar muss, war nur ein Teil dieser Diskussion. Verboten war das „Werk“ Adolf Hitlers hingegen verbreiteter Meinung nie, denn lediglich der Nachdruck war bis dato strafbar gewesen. So begann der Vortrag von Roman Töppel mit einem kurzen Abriss über die Entstehungsgeschichte des Buches. Den ersten Teil hatte Hitler während seiner Haft in Landsberg selbst geschrieben und den zweiten Teil dann nach der Freilassung diktiert.

Einordnung der Buchthesen in den Zeitgeist der Entstehungsjahre

Schnell wurde im Vortrag klar, dass man den Inhalt nicht so einfach als reines Nazigeschwätz abstempeln kann. Nimmt man eine differenziertere Betrachtung vor, stellt man fest, dass auch dieses Buch ein Medium seiner Zeit ist. Es vereint philosophische, politologische und soziologische Themen des beginnenden 20. Jahrhunderts. Genau das versucht die kommentierte Ausgabe herauszufiltern, erklärte Roman Töppel. Dadurch mache die Ausgabe zum einen manche Stellen verständlicher, indem ganz einfach manche Textstellen in ihrer Bedeutung geklärt werden. Hingegen kann in manchen Punkten ganz klar gezeigt werden, dass Hitler an dieser Stelle nur einseitige Argumente und Fakten darlegte, oder schlichtweg gelogen hat.

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Aber auch die Geschichte von „Mein Kampf“ an sich und die Editionsgeschichte während der NS-Zeit wurden dargestellt. So zum Beispiel, dass nicht jede Stadt neuverheirateten Paaren eine Hochzeitsausgabe schenken konnte, weil es den Kommunen an Geld fehlte, oder dass es sogar heute noch Bernsteinausgaben auf manchen Auktionen gibt. Auch war es interessant zu erfahren, dass Hitler mit dem zunächst nur seinen Lebensstil finanzieren wollte und es erst später aufgrund des niedrigeren Preises und der höheren Auflage zu einem fast schon Bibelersatz für die Nazis wurde.

Der zweite Teil des Vortrags befasste sich schließlich mit dem Editionsprojekt an sich. Hierbei wurde erläutert, wie das Layout der editierten Ausgabe gestaltet wurde und wie es überhaupt zu dem Projekt kam. Am Ende des Vortrages stellten die interessierten Zuhörer noch einige Fragen an den Referenten. Aber auch nach dem Vortrag unterhielten sich noch einige Gäste mit dem Referenten über die Frage, ob man in der heutigen Zeit auch auf so etwas hereinfallen würde und wie man sich davor schützen kann. (AZ)

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