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Landkreis Augsburg

04.10.2020

Wie die Landwirtschaft im Augsburger Land dem Klimawandel trotzen will

Porträt Konrad Hörl, Landwirtschaftsschule Augsburg / Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten
Bild: Marcus Merk

Plus Wie Landwirte aus dem Kreis Augsburg mit dem Thema Klimawandel umgehen und was sich im Verhältnis von Bauern und Gesellschaft ändern muss.

Die Landwirtschaft muss viele Herausforderungen meistern. Mit Konrad Hörl, dem Behördenleiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Augsburg haben wir über den Klimawandel, Ziele im Bereich des biologischen Anbaus und das Verhältnis zur Gesellschaft gesprochen.

Obwohl das Klima dieses Jahr recht normal sei, würde der Klimawandel immer sichtbarer, sagt Hörl: "Wir werden auf der einen Seite längere Trocken- und Hitzephasen bekommen, auf der anderen Seite werden Starkregenereignisse zunehmen." Hörl sagt, die Situation sei noch nicht so kritisch wie in Franken, wo es große Probleme mit der Trockenheit gebe: „Wir haben vielfach gute Böden, die auch in Trockenphasen lange Wasser speichern können. Aber es zeichnet sich ab, dass auch wir vom Klimawandel betroffen sein werden.“ Was unternimmt die Landwirtschaft, um dem Klimawandel zu begegnen?

Das kann die Landwirtschaft gegen den Klimawandel tun

"Da gibt es einige Strategien in der Landwirtschaft", sagt Hörl. Eine sei das Züchten von Pflanzensorten, die die Hitze besser vertragen und weniger Wasser benötigen. Auch wasserschonende Anbauverfahren seien wichtig, sagt er. Ein Mittel, um wassersparend zu wirtschaften, sei die Direktsaat. Dabei bauen die Landwirte eine Zwischenfrucht an, die im Herbst wächst und im Winter kaputtgeht. In dem abgestorbenen Pflanzenmulch werden im Frühjahr neue Früchte eingesät. "Dadurch braucht man im Frühjahr nicht viel Bodenbearbeitung. Je weniger man die Böden bearbeitet, desto wasserschonender ist das."

Ein weiteres Mittel ist die Beregnung. Sie wird von Betrieben, die Sonderkulturen wie Spargel, Erdbeeren oder Feldgemüse anbauen, angewandt. Die Nutzung sei, sagt Hörl, genau wie bei der Tröpfchenbewässerung noch ausbaufähig. Dort kommt das Wasser durch einen Schlauch am Boden zu den Pflanzen.

Der Behördenleiter sieht diese Methoden im Landkreis Augsburg erst am Anfang der Entwicklung. Auch die Anbauverfahren können, so sagt er, noch weiter entwickelt werden. Damit die Böden in Hitzephasen nicht so schnell austrocknen, müsse man noch stärker auf die ganzjährige Bodenbedeckung achten. Mehr Wasser könne man auch durch vielfältigere Fruchtfolgen speichern, weil dann mehr Humus im Boden aufgebaut werden könne, sagt Hörl. "Es gibt viele Möglichkeiten, dem Klimawandel die Stirn zu bieten."

Die Landwirtschaft muss der Gesellschaft mehr erklären

Auch der ökologische Anbau wird gefördert, versichert der Behördenleiter. Bis 2030 sollen 30 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in Bayern biologisch bewirtschaftet werden. Um dieses Ziel zu erreichen, sagt Konrad Hörl, brauche man einen größeren Markt für Bio-Ware. "Wenn die Verbraucher nicht dementsprechend einkaufen, kann das nicht funktionieren.

Die Märkte müssen sich mit entwickeln, damit diese Quote erreicht wird." Hörl lobt die Bio-Förderung, sie alleine reiche aber nicht aus: "Ein Landwirt kann nicht einfach auf Bio umstellen, wenn es keinen Markt dafür gibt. Er muss auch von seinen Erträgen leben können." Momentan macht die ökologisch genutzte Landfläche ungefähr zehn Prozent aus, der Markt wachse momentan nicht stark genug nach, um die 30-Prozent-Quote zu erreichen.

Und es gibt noch weitere Baustellen: Beim Ressourcenschutz und der Form der Tierhaltung müsse sich die Landwirtschaft teilweise neu aufstellen, sagt Hörl. "In Umfragen genießt der Landwirt als Person eine hohe Wertschätzung. Wir müssen aber schauen, dass die Tierhaltung und die gesamte Landwirtschaft wieder stärker von der Gesellschaft akzeptiert wird." Hörl sieht eine gewisse Entfremdung zwischen seiner Branche und der Gesellschaft. "Die Landwirtschaft muss wieder stärker erklären, wie sie wirtschaftet und wie die Abläufe sind, damit die Gesellschaft wieder mehr nachvollziehen kann, wie sie arbeitet und produziert."

Das funktioniere nur mit besserer Kommunikation: "Die Landwirte sind gefordert, besser zu erklären und alle Kanäle zu nutzen um die Bevölkerung wieder mit ins Boot zu holen.“ Als positives Beispiel nennt Hörl junge Landwirte, die beispielsweise ihre Kühe im Stall beim Melken filmen und das in den sozialen Medien teilen.

Konrad Hörl lobt die Landwirte

Zufrieden ist Hörl mit der Ernährungssicherung. Er sieht die Landwirtschaft hier gut aufgestellt und nennt die Corona-Pandemie als Beispiel: "Es ist kaum etwas ausgegangen. Die Regale waren praktisch immer voll, die Lieferketten und die Produktion haben funktioniert." Auch wenn viele Menschen es gewohnt seien, am Sonntag alles zu kriegen, was man braucht, sei das nicht selbstverständlich.

Die Landwirte hätten bewiesen, in Krisenzeiten Ernährung sicherstellen zu können und unter anderem seien sie Profis im Dienstleistungsbereich und der Landschaftspflege. "Einige Landwirte haben sich mit dem Winterdienst und der Landschaftspflege ein zweites Standbein aufgebaut", sagt Hörl. Die Bauern seien vielfältig ausgebildet und Multitalente: "Auch als Teilzeitkraft, wenn der landwirtschaftliche Betrieb im Nebenerwerb geführt wird, sind Landwirte gefragte Arbeitnehmer."

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