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Schwabmünchen

18.07.2020

Wie ein Mann mit kriminalistischem Spürsinn die Stadtgeschichte erforscht

Karl Heinz Zweng bearbeitet mit fast schon kriminalistischem Spürsinn alte Schwabmünchner Dokumente. Die Leidenschaft für Geschichte lässt den Rentner nicht mehr los.
Bild: Reinhold Radloff

Plus Der Schwabmünchner Karl Heinz Zweng liebt es, in alten Schriftstücken zu lesen. Besonders die Stadtschreiber haben es ihm angetan. Welche Geheimnisse er entdeckt hat.

Er hebt viele Schätze im Schwabmünchner Stadtarchiv: Karl Heinz Zweng kümmert sich mit viel Enthusiasmus, Ausdauer und Geduld um die Zeugnisse bedeutender Familien oder Gebäude der Stadt. Stunden um Stunden verbringt Zweng im Archiv.

Er sucht, recherchiert, sichtet. Und wenn er etwas gefunden hat, dann beginnt erst die eigentliche Arbeit. „Mich interessieren im Prinzip nur Texte, die in altdeutscher Schrift verfasst sind“, berichtet der Rentner, dem es vor allem die Handschriften der früheren Stadtschreiber angetan haben.

Er interessiert sich mehr für altes Papier als für Computer

„Es begeistert mich, lesen zu können, was da geschrieben steht und die Inhalte dann in Zusammenhänge zu setzen“, so Zweng, der sich nach Sichtung und Lesearbeit hinsetzt, die Schriftstücke Wort für Wort handschriftlich abschreibt. Zu Hause gibt er das Erarbeitete schließlich in die Schreibmaschine ein und heftet alles ab. Computer interessieren ihn nicht: „Mich hat schon immer Papier gereizt, je älter umso mehr.“

Der frühere MAN-Mitarbeiter kann auch aus eigenem Wissen und Erleben etwas zur Stadtgeschichte beitragen, zum Beispiel zur Käserei Burger. „Weil wir im Unteren Markt neben der Letzten Einkehr wohnten, holte ich als Kind im Sommerkeller fast täglich für meinen Vater dort Bier, im Maßkrug, immer nur eine Halbe. Weil die immer gut eingeschenkt war, gönnte ich mir auf dem Heimweg oft einen oder zwei Schluck, ohne dass es auffiel“, erinnert sich der 78-Jährige. Was das alles mit der Familie Burger zu tun hat?

Über das Burger-Grundstück hat er auch einiges herausgefunden

Ehe die Gebäude zur Käserei wurden, dienten die darunterliegenden Keller als Bierlager. Und der sogenannte Sommerkeller südlich davon, war ein beliebtes Wirtshaus mit Gassenschänke und Biergarten. Dazu gehörte natürlich auch eine Brauerei. Sie war eine von damals sieben in Schwabmünchen. Die Eser-Brauerei lag westlich des Gasthauses Krone, das abgerissen wird.

Von der Brauerei führte ein unterirdischer Gang zum Sommerkeller. Zweng weiß das sicher. Denn er war aktives Vorstandsmitglied des Trachtenvereins Alpengruß und hatte beim Bau des Heims 1970/1971 in der ehemaligen hinterhalb der Krone gelegenen Kegelbahn angepackt. „Wir haben den ganzen Schutt in den Gang verbracht und dann zugemauert. Wir waren aber nie weiter drin“, erinnert er sich.

Der gebürtige Schwabmünchner weiß auch noch, dass er in der Käserei, die dann den ehemaligen Bierkeller als Käse-Reife-Keller nutzte, viele Jahre in einer Blechkanne Milch holte. Auch Käse und Butter kaufte er dort.

Schwabmünchner glaubt, dass es früher viele unterirdische Gänge gab

Wehmütig blickt er auf die alten Zeiten der Brauerei und Käserei zurück und ärgert sich, dass der Sommerkeller einfach so abgerissen wurde: „Um die anderen total maroden Gebäude, die jetzt dem Neubau des Palais Fuggerstraße weichen mussten, war es nicht schade. Aber der wohl rund 200 Jahre alte Sommerkeller hätte unter Denkmalschutz gestellt werden müssen, ebenso wie die dabei stehende Bußkreuzkapelle, die allerdings schon in den 1980er-Jahren abgerissen wurde.“

Zweng kannte auch Aloisia Burger persönlich, die 2011 mit über 100 Jahren verstarb. „Sie hat fast bis zum Schluss noch Milch verkauft und war eine Schwabmünchner Institution“, weiß Zeng. Und er kann noch viele weitere Geschichten erzählen.

Er ist überzeugt davon, dass es viele unterirdische Gänge in Schwabmünchen gegeben hat, zum Beispiel vom Wasserturm zur Schule, von der Krone zur Kirche, von der Postbräu zum Postbräukeller, vom Fuggerschloss (jetzt Polizei) zur Krone und, und, und. „Das waren wohl häufig Nutz- oder Fluchtwege. Aber die Besatzer haben da viel zerstört.“

Welche Pläne es für ein Haus am Schrannenplatz in Schwabmünchen gibt, lesen Sie hier.

Welchen Vorschlag es zum geplanten Hallenbad gibt, lesen Sie hier.

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