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Schwabmünchen

29.01.2019

Wie ein Stammtisch versucht, Plastikmüll zu vermeiden

Heike Uhrig (links) und Jutta Hrdina präsentieren das Logo des Schwabmünchner Stammtisches für ein plastikfreies Leben.
Bild: Christian Kruppe

Der Stammtisch in Schwabmünchen möchte nicht nur schimpfen, sondern hat bereits einiges erreicht. Was noch folgen soll, und wie das zu den strengen deutschen Hygienevorschriften passt.

Stammtische dienen oftmals dazu, Parolen „rauszuhauen“. Das ein solcher Stammtisch aber auch mehr kann, als nur laut zu poltern und zu schimpfen, das beweist der „Stammtisch für ein plastikfreies Leben“ in Schwabmünchen. Im Oktober trafen sich zum ersten Mal Bürger aus Schwabmünchen und Umgebung, um sich zu informieren, wie es sich mit weniger oder gar ohne Plastik Leben lässt. Seitdem geht es Schritt für Schritt voran. Schon beim zweiten Treffen wurde aufgezeigt, wie leicht sich Waschmittel selbst herstellen lässt.

Stammtisch in Schwabmünchen definiert Ziele

Und ein weiteres Ziel wurde definiert: Die Aktion „Brings mit“ in Schwabmünchen zu etablieren. Dabei geht es darum, dass an Frischetheken für Obst, Gemüse, Fleisch oder Backwaren dieses in mitgebrachte Behälter gepackt werden kann und nicht die üblichen Kunststofftüten. Auch der „Coffee to go“ zählt dazu. Andrea Maiwald vom „Forum plastikfreies Augsburg“ berichtet dazu von den Erfahrungen, die in der Fuggerstadt gemacht werden. Eines der Probleme dabei sind die strengen Hygienevorschriften in Deutschland. „Einfach beim Metzger die eigene Metalldose über die Theke reichen geht nicht“, weiß Maiwald. Behälter von Kunden dürfen nicht über die Theke, dazu darf das Personal die Behälter nicht berühren. „Da bleiben zwei Möglichkeiten“, so Maiwald, „meist kann der Kunde seinen Behälter auf die Theke stellen und die Verkäufer lassen die Ware reinfallen. Ein Augsburger Markt löst dies mit einem Tablett, auf dem der Kundenbehälter kommt. Dieser kann dann über die Theke“, so Andrea Maiwald weiter.

Kaffeebecher als Pfandbecher namens Recup

Etwas leichter ist es da mit dem Kaffee. „Das geht mittlerweile fast überall“, so Maiwald. Großen Anteil trägt daran das Rosenheimer Unternehmen „Recup“. Dieses bietet Pfandbecher für den schwarzen Muntermacher an, die bundesweit bei allen Teilnehmern akzeptiert werden. „Man kann sogar entscheiden, ob man einen neuen Becher will, oder ob der Alte befüllt werden soll“, erzählt Maiwald und zeigt einen türkisgrünen Becher. In Augsburg sind es schon mehr als 70 Anbieter, die mitmachen.

Heike Uhrig, Mitbegründerin der Schwabmünchen Initiative, hat da gute Nachrichten. „Es klappt bei den meisten Bäckereien hier in Schwabmünchen schon jetzt ganz gut. Bei fast allen kann man seinen mitgebrachten Becher befüllen lassen“, erklärt sie.

Um die Aktion „Brings mit“ voranzutreiben, gibt es eigene Aufkleber. „Geschäfte, die da mitmachen, können sich einen solchen in die Scheibe kleben“, so Uhrig. Um den Handel vor Ort von ihrer Idee überzeugen zu können, haben die Ideengeber eine Infoveranstaltung in Augsburg besucht und feierten danach die ersten Erfolge in Schwabmünchen. „Der Frische Laden in der Schulstraße, Lebensmittel Keck und auch die Bäckerei Müller machen mit“, berichtet Heike Uhrig. „Wir werden an dem Thema dranbleiben“, verspricht sie.

Plastik im Supermarkt vermeiden

Und gar in den großen Handelsketten kann der Kunde Plastik vermeiden. Einige bieten wiederverwendbare Netze für Obst und Gemüse an. Selbst beim Tierfutter gibt es gute Angebote. „Viele Fachgeschäfte und sogar die großen Ketten bieten Trockenfutter offen an“, weiß ein Stammtischbesucher. Die Gäste konnten auch einiges berichten. So gibt es, zum Teil im Onlinehandel, Toilettenpapier und Taschentücher, das nachhaltig hergestellt und plastikfrei verpackt wird. Wie man Frischhaltefolie ersetzt, zeigt Mitinitiatorin Jutta Hrdina. Sie stellt selbst Wachstücher aus reiner Baumwolle und Bienenwachs her. „Da kann man viel Plastik und Geld sparen“, so Hrdina. Wie sich diese Tücher herstellen lassen, soll in einem Workshop gezeigt werden. Auch ein Workshop zum Seifensieden ist geplant.

Selber machen ist auch das Thema beim nächsten Stammtisch am 20. Februar. Dann steht Kosmetik im Mittelpunkt.

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