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Königsbrunn

30.01.2021

Wie läuft die Polizeiausbildung in Königsbrunn in Corona-Zeiten?

Die Polizeischüler bei der Bereitschaftspolizei müssen Einschränkungen bei ihrer Ausbildung hinnehmen.
Foto: Marcus Merk (Archiv)

Plus Kann Unterricht wie Selbstverteidigung bei der Bereitschaftspolizei Königsbrunn in Zeiten von Kontaktbeschränkungen überhaupt stattfinden? Wir fragten nach.

Die Corona-Pandemie stellt auch die Bereitschaftspolizei in Königsbrunn vor besondere Aufgaben. Sind in der Ausbildung Übungen wie eine Festnahme oder Selbstverteidigungstraining überhaupt noch möglich? Und sind die Einsatz-Hundertschaften noch einsatzbereit? Wir sprachen darüber mit Stefan Knieler, dem Verantwortlichen für Öffentlichkeitsarbeit bei der Bereitschaftspolizei Königsbrunn.

Wie sind grundsätzlich die Vorgaben zum Infektionsschutz für die Bereitschaftspolizei?

Stefan Knieler: Grundsätzlich haben die Vorgaben zum Infektionsschutz auch für den Dienstbetrieb in der Bereitschaftspolizei Königsbrunn Gültigkeit und werden dementsprechend von uns berücksichtigt. Um den geltenden Vorgaben gerecht zu werden, wird das seit März 2020 bestehende Hygienekonzept der Bereitschaftspolizei Königsbrunn ständig novelliert und den erlassenen Vorgaben angepasst.

Wie viele Menschen sind derzeit noch regelmäßig am Standort?

Stefan Knieler: Eigentlich haben wir 1100 Mitarbeiter, aber mehr als die Hälfte sind eigentlich nie da. Wo immer möglich, werden Präsenzdienste reduziert, um Kontakte zu minimieren. Für den Ausbildungsbetrieb bedeutet das einen Wechsel zwischen Präsenz- und Online-Unterricht, sodass nicht mehr als die Hälfte der Beamten in Ausbildung zeitgleich Dienst verrichten. In allen sonstigen Organisationseinheiten der Bereitschaftspolizei Königsbrunn gibt es zur Entzerrung Schichtmodelle, um Infektionsketten möglichst kurz zu halten. Darüber hinaus wird, wo immer es möglich ist, seitens der Dienststelle aktiv Homeoffice angestrebt.

Gibt es regelmäßige vorgeschriebene Coronatests oder bleibt es den Mitarbeitern selbst überlassen, ob und wie oft sie sich testen lassen?

Stefan Knieler: Grundsätzlich gibt es keine regelmäßigen Corona-Tests beziehungsweise eine Verpflichtung dazu. Aus gegebenem Anlass, wie beispielsweise nach der Rückkehr aus dem Berufspraktikum, werden allerdings Tests durchgeführt. Ebenso erfolgt eine Testung von Beschäftigten, wenn diese Krankheitssymptome aufweisen oder als Kontaktperson 1 benannt werden.

Wie läuft der Wechselunterricht: Gibt es eine Lernplattform mit abrufbaren Videos oder müssen die Schüler bei Streams vor dem Rechner sitzen?

Stefan Knieler: Im Rahmen ihres Online-Unterrichts erhalten die betroffenen Beamten in Ausbildung vorab einen Dienstplan für diesen Zeitraum. Neben Arbeitsaufträgen erfolgt die Unterrichtung weitestgehend über die Lernplattform "Ilias“, einer frei zugänglichen Lernplattform im Internet. Um eine Interaktion zwischen Beamten in Ausbildung und Ausbildungspersonal zu ermöglichen, kommt darüber hinaus das Videokonferenzsystem "Jitsi-Meet“ zum Einsatz. Ähnlich wie Microsoft-Teams oder Zoom ist hier eine Videokonferenz ermöglicht.

Ein Teil der Ausbildung findet weiterhin vor Ort in der Bereitschaftspolizei Königsbrunn statt

Bekommen die Schüler Dienstgeräte gestellt oder laufen die Heimunterrichtsphasen über private Endgeräte?

Stefan Knieler: Für die Online-Phase nutzen die Beamten in Ausbildung private Endgeräte.

Welche Teile der Ausbildung finden am Standort derzeit statt?

Stefan Knieler: Derzeit finden am Standort nur praxisorientierte Ausbildungsinhalte unter Beachtung des bestehenden Hygienekonzepts statt, die online nicht entsprechend vermittelt werden können.

Kann man unter den derzeitigen Regeln denn beispielsweise eine Festnahme trainieren?

Stefan Knieler: Ausbildungsinhalte wie das Trainieren einer Festnahme, bei der der Mindestabstand gezwungenermaßen nicht eingehalten werden kann, finden nur innerhalb der Lerngruppen mit maximal fünf Schülern und mit einer FFP2-Maske statt. Ein derartiges Training findet nur in Räumen statt, die über entsprechende Lüftungsmöglichkeiten verfügen.

Wie sieht es mit dem Sportprogramm aus?

Stefan Knieler: Bei den Dienstplänen für den Online-Unterricht finden auch Sportstunden Berücksichtigung, das heißt, die Beamten müssen sich zu vorgegebenen Zeiten sportlich nach Vorgabe des Ausbilders betätigen.

Die Polizeischüler trainieren weiterhin Selbstverteidigung - mit Abstand

Die Selbstverteidigungseinheiten dürften ja kaum möglich sein.: Gibt es Online-Fitnesseinheiten oder bekommen die Schüler Trainingspläne, die sie selbst abarbeiten müssen?

Stefan Knieler: Während der Präsenzphase findet auch Selbstverteidigung statt. Oberstes Gebot ist dabei die Einhaltung der Mindestabstandsregelung von 1,5 Metern zwischen Personen, was sowohl im In- als auch im Outdoorbereich gilt. Jegliche Mannschaftssportarten sind derzeit untersagt. Im Indoorbereich sind die Trainingseinheiten auf 60 Minuten beschränkt. Im Anschluss daran folgt eine Pausenzeit, damit ein vollständiger Frischluftaustausch stattfinden kann. Außerhalb der regulären Dienstzeit bleiben die Sportstätten der Bereitschaftspolizei Königsbrunn derzeit geschlossen.

Wie viel Stoff bleibt bei dieser umgestellten Ausbildung auf der Strecke und lässt er sich bei Lockerungen im Frühjahr nachholen?

Stefan Knieler: Grundsätzlich werden alle vorgeschriebenen Ausbildungsinhalte vermittelt, um auch zu Zeiten von Corona und den damit einhergehenden Einschränkungen den hohen Ausbildungsstandard bei der bayerischen Bereitschaftspolizei aufrechtzuerhalten.

Bei den Abiturprüfungen berücksichtigt man die besonderen Umstände bei Benotung und Ausgestaltung der Prüfungen. Passiert das bei den Polizeiprüfungen auch? Und werden diese am Standort geschrieben?

Stefan Knieler: Der Ablauf der schriftlichen Prüfungen wurde organisatorisch an die bestehenden Hygienekonzepte angepasst und sie wurden in jüngster Vergangenheit am Standort geschrieben. Auch die praktische mündliche Prüfung wird, wenn auch mit entsprechenden Hygienemaßnahmen, ohne nennenswerte Änderungen abgehalten.

Wie hält man die Einsatzhundertschaft einsatzbereit?

Stefan Knieler: Die Einsatzhundertschaft ist bis dato zu jedem Zeitpunkt einsatzbereit. Wie in allen Bereichen der Bereitschaftspolizei Königsbrunn werden die Kontakte auch innerhalb der Einsatzhundertschaft mit ihren drei Einsatzzügen größtmöglich reduziert. Die Einsatzzüge verrichten weitestgehend unabhängig voneinander Dienst.

Wie sieht das Fazit der Bereitschaftspolizei nach einem Jahr Corona-Krise aus?

Stefan Knieler: Unser Hygienekonzept Bereitschaftspolizeiabteilung hat sich bewährt und dazu geführt, dass die Dienststelle stets handlungsfähig blieb, die Ausbildung erfolgreich fortgeführt werden konnte und die Hundertschaft stets einsatzfähig blieb. Bei über 1000 Beschäftigten haben wir derzeit nur einen infizierten Kollegen zu beklagen.

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