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Königsbrunn

15.12.2018

Wie viel Papst steckt in Königsbrunn?

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Regisseur Wim Wenders stellt in „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ das Oberhaupt der katholischen Kirche und seine Lehren vor.
Bild: Andrew Medichini/dpa

Der Kinofilm „Ein Mann seines Wortes“ hat die Thesen von Papst Franziskus vorgestellt. Pfarrer Bernd Leumann sagt, wie sie in Königsbrunn umgesetzt werden.

Papst Franziskus sorgt nicht nur bei Mitgliedern der katholischen Kirche für Gesprächsstoff – im positiven, wie negativen Sinne. Die einen ärgern sich über Äußerungen, wie zuletzt, dass Homosexualität eine Modeerscheinung sei. Andere lassen sich inspirieren durch seine Aufrufe, sich für den Erhalt der Schönheit der Erde und für mehr Gerechtigkeit für alle Menschen einzusetzen, die im Film „Ein Mann seines Wortes“ transportiert werden, der kürzlich auf DVD erschienen ist. Doch wie beeinflussen die Botschaften des Papstes die Arbeit in den Gemeinden vor Ort? Wir haben mit dem Königsbrunner Pfarrer Bernd Leumann über das Gemeindeleben gesprochen und es in Zusammenhang mit den Thesen des Papstes (Fett) gestellt.

Mir ist eine „verbeulte“ Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, lieber, als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist.

„Die Kirche hat den sozialen Bereich durch die Diakonie, beziehungsweise die Caritas ein Stückweit professionalisiert“, sagt dazu Pfarrer Leumann. Es bestehe aber die Gefahr, dass dieser Bereich damit einfach abgehakt werde. Die Frage stelle sich aber natürlich, wie man die ärmeren Menschen wieder mehr erreichen kann – die meisten Gottesdienstbesucher kämen ja eher aus dem bürgerlichen Milieu, wie Umfragen bestätigen. „Punktuell können wir da sicher mehr Menschen erreichen. Eine dauerhafte Lösung habe ich aber nicht parat“, sagt Leumann. Spannende Ansätze gebe es: Eine französische Gemeinde habe zum Welt-Armentag eine gesponsorte Wallfahrt nach Rom für Menschen organisiert, die sich das sonst nie hätten leisten können. Auch werden kirchliche Räume für Essen für Arme reserviert.

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„Eines der schlimmsten Übel unserer Zeit ist die Einsamkeit und die Isolation.“

In der Pfarreiengemeinschaft Königsbrunn gibt es einen Besuchsdienst für Senioren. Freiwillige besuchen Menschen, die sonst niemanden haben, der sie regelmäßig besucht. „Für viele Menschen ist das ein Lichtpunkt im Leben, auf den sie sich die ganze Woche freuen. Und es ist eine Entlastung für Angehörige, die einfach keine Zeit in ihrem Alltag haben“, sagt Bernd Leumann. 20 Freiwillige gibt es bereits, die regelmäßig einen Vor- oder Nachmittag zur Verfügung stellen, um andere Menschen zu besuchen. Der Pfarrer hofft, dass sich das Projekt weiter herumspricht und sich noch mehr Mitstreiter finden: „Ich glaube, dass es auch in Königsbrunn noch viel Einsamkeit gibt.

„Wir dürfen das Zuhören nicht verlernen. Franziskus (von Assisi, Anmerkung der Redaktion) war ein guter Zuhörer, er hörte auf die Stimme Gottes, er hörte auf die Stimme der Armen, die Stimme der Kranken und auf die Stimme der Natur.“

Die Pfarreiengemeinschaft hat sich das Jahresmotto „Willkommenskultur“ gegeben. Der Begriff trifft in diesem Fall nicht nur auf Flüchtlinge zu, sondern auf alle Gemeindemitglieder: „Ich glaube, dass es bei uns möglich ist, sehr anonym den Gottesdienst zu besuchen.“ Während manche Menschen dies so wünschen, gebe es sicher auch Kirchgänger, die neue Kontakte suchen. Deshalb will die Gemeinde in Zukunft mehr Gelegenheiten schaffen, damit Menschen nach dem Gottesdienst miteinander in Gespräch kommen.

Die Gesprächskultur der Kirche insgesamt bedürfe in einigen Bereichen einer Überarbeitung, sagt Bernd Leumann. Er würde sich wünschen, dass freimütiger geredet werden könnte, den Priestern gegenüber, aber auch unter den Geistlichen. Nur so könnten Probleme klar angesprochen werden. Diese Fähigkeit des Zuhörens gefällt ihm am Papst: „Er hat keine Tabus und hört sich alles an – Diskussionen zu Zölibat oder dem Diakonat der Frau. Er setzt sich ehrlich damit auseinander, trifft aber keine übereilten Entscheidungen.“

„Die Erde, unser Haus, scheint sich immer mehr in eine unermessliche Mülldeponie zu verwandeln.“

Der Papst habe viele Menschen inspiriert – auch in Königsbrunn, sagt Bernd Leumann. Das eindeutige Eintreten für einen menschlichen Umgang mit den Flüchtlingen ebenso wie der Einsatz in Umweltfragen: „Es hängt sicher mit Franziskus zusammen, dass wir in der Pfarreiengemeinschaft einen Arbeitskreis Umwelt haben.“ So wurden einige Änderungen umgesetzt: das klimaneutrale Pfarrfest, fairgehandelter Kaffee, Verzicht auf Wegwerfgeschirr. Der Arbeitskreis ruhe im Moment, soll aber nach dem Wunsch des Pfarrers wieder belebt werden.

Zielgruppen-orientierte Gottesdienste und bessere Außendarstellung

Insgesamt habe er den Eindruck, dass der Papst bei Katholiken, aber auch bei Nicht-Christen durch sein authentisches Auftreten durchaus Ansehen genieße, sagt Leumann. Es gebe aber auch innerhalb der Kirche viele Befürchtungen, dass durch Neuerungen Identität verloren geht, ohne dass etwas Tragfähiges nachkommt. Leumann selbst sieht diese Gefahr nicht, weil Franziskus keine Entscheidungen übers Knie breche. So wollen auch die Königsbrunner vorgehen. In den nächsten Monaten wird es mehr zielgruppenorientierte Gottesdienste geben – für Familien ebenso, wie für Gläubige, die die traditionelle Liturgie bebvorzugen. Die Familienaktion mit einem eigenen Gottesdienstteil für die Kinder sei sehr gut angelaufen, mit etwa 40 jungen Teilnehmern. Leumann wünscht sich zudem eine bessere Außendarstellung, beispielsweise über die sozialen Netzwerke. Und er selbst möchte in die Gottesdienste mehr Anschauungsmaterial bieten, zum Beispiel Bilder via Beamer einspielen. Gleichzeitig will Leumann aber auch nicht zu viel auf einmal neu machen, um die ehrenamtlichen Helfer nicht zu überfordern.

Film „Papst Franziskus – ein Mann seines Wortes“ von Regisseur Wim Wenders ist bei Universal auf DVD und Blu-Ray erschienen und im Fachhandel erhältlich.

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