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Landkreis Augsburg

17.11.2020

Wirte im Landkreis Augsburg stecken wegen Corona in der Zwickmühle

Die Stühle sind hochgeklappt. Wirtin Margarete Schwemm-Dessi darf im Gnadentalstüberl derzeit keine Gäste empfangen.
Bild: Piet Bosse

Plus Die Gastronomie im Augsburger Land trifft es hart: Wirtschaften müssen im November schließen, die versprochenen Corona-Hilfen haben sie noch nicht erhalten.

„Bis jetzt haben wir gar nichts. Wir wissen nicht, wie es weitergeht, und haben nicht einmal ein Formular“, sagt Hasan Üstüm, Wirt des Schützenheims in Schwabmünchen, über die geplanten Corona-Hilfen für Gastronomen. Restaurants müssen während des zweiten Lockdowns im November schließen. Um die Zeit zu überstehen, sollen sie Hilfen vom Staat bekommen. Bis zu 75 Prozent des gewöhnlichen Umsatzes im November.

Üstüm hat noch keine Corona-Hilfen für den zweiten Lockdown bekommen. Die Unterstützung im Frühjahr sei zu gering gewesen. Jetzt müsse er abwarten. „Mehr als Geduld haben, kann man nicht.“ Aufgeben will er nicht: „Wir versuchen alles, und deswegen kämpfen wir jeden Tag. Wir werden das schon schaffen.“ Momentan bietet er jeden Abend ein To-Go-Geschäft mit Speisen zum Abholen und Liefern an. Das rechne sich aber nicht, sagt Üstüm. Er sagt: „Mehr kann man nicht machen, momentan ist es schwierig.“

Nicht alle Wirte im Landkreis Augsburg verstehen Corona-Maßnahmen

Dass Restaurants schließen müssen, verstehen manche Wirte nicht. „Meine Kollegen und ich haben sämtliche Regeln eingehalten, und wir müssen zumachen. Das ist unglaublich“, sagt Maria Bayrle. Sie betreibt Resi's Jägerhaus in Königsbrunn. Margarete Schwemm-Dessi, Wirtin im Gnadentalstüberl in Großaitingen, glaubt nicht, dass Restaurants das Problem in der Pandemie seien: „Ich glaube, dass es andere Quellen gibt, die das Virus mehr verbreiten als wir in der Gastronomie.“

Ihre Prognose für die kommenden Wochen ist düster: „Weihnachtsfeiern können wir alle vergessen“, sagt Schwemm-Dessi. Viele Firmen hätten keine Feiern gebucht und wenn doch, dann sagten sie wieder ab. Familienfeiern an Weihnachten seien im Gnadentalstüberl in diesem Jahr wahrscheinlich auch nicht möglich, ebenso wenig wie an Silvester. „Wenn man an Weihnachten mit den Eltern essen gehen will und zu sechst ist, darf man nicht in drei Haushalten zusammensitzen.“

Wenn das Weihnachtsgeschäft ausfällt, dann trifft es die Wirte hart. „Der November und der Dezember waren die umsatzstärksten Monate“, sagt Bernhard Weis, der den Landgasthof zum Grünen Kranz in Großaitingen betreibt. Das Dezember-Geschäft sei schon kaputt. Schließlich können keine Weihnachtsfeiern stattfinden. Weis geht davon aus, dass es sich nicht rechnen wird, an Weihnachten zu öffnen. Und wenn doch? „Falls wir im Dezember öffnen dürfen, wird es wahrscheinlich ein Minusgeschäft.“

Landkreis Augsburg: Zukunft der Wirte wegen Corona ungewiss

Weis vermutet, dass nicht mehr viele Wirte nach den Feiertagen wieder aufmachen. Die Corona-Krise habe auch personelle Folgen für die Gastronomie. Viele Mitarbeiter würden bereits in anderen Branchen arbeiten. Entsprechend schwer sei es geworden, neues Personal zu finden. Weis sucht seit September einen Koch. „Viele, die in der Gastronomie aufhören mussten, arbeiten jetzt beim Fensterbauer oder in anderen Betrieben als Hilfsarbeiter.“ Da würden sie etwas mehr verdienen und hätten einen sichereren Job.

Auch Margarete Schwemm-Dessi macht sich Sorgen. Sie schaut bereits ins Jahr 2021: „Wenn es so weitergeht, dass du den Sommer überlebst und im Herbst wieder vor dem gleichen Theater stehst, macht das alles keinen Sinn.“ Die Regierung könne auch nicht jedes Jahr neue Milliarden aufnehmen, um Betriebe zu unterstützen. „Das Geld, das wir als Hilfen von der Regierung bekommen, müssen wir auch irgendwann wieder verdienen und zurückzahlen. Da kommt noch eine harte Zeit auf uns zu.“

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