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27.06.2009

Wissen um die Krankheit hilft bei der Betreuung

Langweid "Aber ja doch, ich erinnere mich, wir hatten sogar eine große Hochzeitstorte!", ruft die alte Dame lebhaft. Dann betrachtet sie wieder nachdenklich die Fotos ihrer goldenen Hochzeit und erzählt Gertrud Holland die eine oder andere Begebenheit, an die sie sich erinnern kann. Vieles ist ihrem Gedächtnis verloren gegangen, doch die Freude an der bebilderten Vergangenheit ist ihr anzusehen. Die 86-jährige Josefa Burghardt aus Langweid bekommt wöchentlichen Besuch von der ehrenamtlichen Helferin des Projekts "Seite an Seite", einer Initiative des Pflegeteams Nord in Langweid.

Gut eineinhalb Stunden lang kochen sie zusammen Kaffee, unterhalten sich, spielen Karten oder unternehmen einen kurzen Spaziergang. Die Seniorin lebt in der eigenen Wohnung, in der sie täglich von ihrer Tochter unterstützt wird. Ein eigenständiges Leben ohne umfangreiche Hilfestellung ist ihr aufgrund ihrer Demenzerkrankung, die vor fünf Jahren begann, nicht mehr möglich.

"Meine Mutter freut sich immer sehr auf diese Abwechslung in ihrem durch die Erkrankung doch recht eintönigen Tagesablauf," erzählt Marie-Luise Kügler. "Sie ist ganz bei der Sache und spricht auch am nächsten Tag noch über das Erlebte, wird aber durch die einfühlsame Art von Frau Holland nicht in dem empfindlichen Gleichgewicht gestört, das so typisch für Demenzerkrankte ist." Neben den Anregungen für die Senioren erleichtert die regelmäßige stundenweise Betreuung vor allem den pflegenden Angehörigen das Leben. Einmal ungestört und ohne Sorge zum Friseur gehen zu können, einen Arzttermin wahrzunehmen oder in Ruhe Besorgungen zu machen, ist für viele Angehörige Demenzerkrankter Luxus.

Gertrud Holland kennt durch persönliche Erfahrungen mit den eigenen Eltern die Probleme der Angehörigen. Da sie sich im Umgang mit Senioren sehr wohl fühlt, bewarb sie sich sofort, als für den Start des Betreuungsprojekts im letzten Herbst Helfer gesucht wurden. Insgesamt 20 Bewerber wurden ausgewählt und intensiv auf ihre Aufgaben vorbereitet. Die medizinischen Hintergründe des demenziellen Syndroms werden in der Ausbildung ebenso thematisiert wie der sinnvolle Umgang mit den zu betreuenden Menschen. "Das Wissen um die Krankheit und deren Symptome macht es mir heute viel einfacher, richtig zu reagieren," betont Holland.

Wissen um die Krankheit hilft bei der Betreuung

Als ausgesprochen hilfreich und entlastend für pflegende Angehörige sieht Doris Schäffler von der Seniorenberatung des Landratsamtes Augsburg das stundenweise Betreuungsangebot, das inzwischen über einige Pflegedienste und Sozialstationen zur Verfügung steht. "Leider ist vielen Betroffenen nicht bekannt, dass sie diese Angebote über die Pflegekassen finanzieren und somit eine für sie kostenlose Hilfe in Anspruch nehmen können," erklärt Schäffler.

Genau geregeltes Verfahren

Bis zu 200 Euro im Monat werden im Rahmen des Pflegeleistungs-Ergänzungsgesetzes für so genannte niedrigschwellige Betreuungsangebote übernommen. Personen, die aufgrund Demenz, geistiger Behinderung oder psychischer Erkrankungen einen erheblichen Betreuungsbedarf haben, können einen Antrag stellen. Dabei muss der Betreute in keine Pflegestufe eingruppiert sein. Liegt aber bereits eine Pflegestufe vor, kann die Leistung auch zusätzlich zum Pflegegeld in Anspruch genommen werden. Der Medizinische Dienst der Pflegekasse prüft, ob die Voraussetzungen für die Inanspruchnahme der Betreuungsleistung bestehen. Erhebliche Einschränkungen in den Alltagskompetenzen wie unkontrolliertes Verlassen des Wohnbereichs oder auch Störungen des Tag-und-Nacht-Rhythmus spielen dabei eine Rolle.

Für Josefa Burghardt sind diese Details aber eher nebensächlich. Sie freut sich schon auf nächsten Dienstag, wenn Gertrud Holland wieder vorbeikommt.

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