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Königsbrunn

17.06.2019

Wo Badegästen Gefahren und Bußgelder drohen 

Stundenlang suchte ein Großaufgebot von Rettern nach einem 30-jährigen Mann im Lautersee bei Königsbrunn.
Bild: Wasserwacht

Rücksichtsloses Parken erschwert den Rettern am Lautersee die Arbeit. Das Phänomen gibt es nicht nur an dem Königsbrunner Gewässer. Worauf die Retter hoffen.

Das Ende war gut, doch die Suchaktion am vergangenen Wochenende am Lautersee bei Königsbrunn wirft noch einige Fragen auf. Wie berichtet hatte ein Großaufgebot aus Wasserwacht, DLRG und weiteren Rettungskräften nach einem Mann gesucht, dessen Kleidung und Mobiltelefon am Ufer gefunden wurden. Letztlich stellte sich heraus, dass der Mann wohlbehalten bei einem Bekannten in Kaufbeuren weilte. Die Retter freuen sich einerseits, dass man nicht den vierten Toten der noch jungen Badesaison in der Region bergen musste. Andererseits hat der Einsatz wieder einmal bedenkliche Verhaltensweisen mancher Badegäste in den Fokus gerückt.

Denn die Retter taten sich schwer, mit ihren Einsatzfahrzeugen überhaupt an den See zu kommen, sagt Martin Gschwilm, der Vorsitzende der Kreis-Wasserwacht: „Es gibt am Lautersee nur eine Stelle an der Südseite, wo man Boote ins Wasser lassen kann. Um dort hinzukommen mussten wir aber einige Fahrzeuge zur Seite schieben, weil die Zufahrt zugeparkt war.“ Gut 50 Ehrenamtler von Wasserwacht und DLRG seien im Einsatz gewesen, darunter ein spezielles Drohnenteam, dazu kamen sechs Mann von der Augsburger Berufsfeuerwehr, bis zu zehn Mitarbeiter von Rettungsdiensten und die Polizei.

Königsbrunner ließ Kleidung und Telefon einfach zurück

Da nur zurückgelassene Kleidung und ein Telefon am Ufer an der Seite der Angerstraße gefunden worden waren, wurde vermutet, dass der Besitzer untergegangen sein könnte. Mit dem Einsatz habe man alle Möglichkeiten ausgeschöpft, sagt Gschwilm. Erst nach einiger Zeit stellte sich heraus, dass der 30-Jährige keinen Unfall gehabt hatte. Über persönliche Gegenstände fand die Polizei den Namen des Vermissten heraus und telefonierte dann Verwandte und Bekannte ab. Letztlich stellte sich heraus, dass der Mann von einem Bekannten abgeholt worden war und seine Habseligkeiten einfach zurückgelassen hatte. Konsequenzen muss er nicht fürchten: „Er hat den Einsatz nicht vorsätzlich provoziert und nicht den Notruf missbraucht. Daher wird nicht gegen ihn ermittelt“, sagte Michael Jakob von der Pressestelle des Augsburger Polizeipräsidiums. Auch die Einsatzkosten muss er nicht tragen.

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Die Retter wollen sich dafür einsetzen, dass wieder stärker kontrolliert wird, ob die Rettungswege freigehalten werden. Gerade an Seen, die nicht offiziell als Badeseen freigegeben sind, erleben sie es oft, dass man im Ernstfall kaum zu Verletzten durchkommt. Martin Gschwilm nennt als Beispiel neben dem Lautersee auch den Auensee bei Oberottmarshausen: „Dort gab es vor einiger Zeit einen Fahrradsturz und der Rettungswagen kam nicht durch.“ Der Gedanke, dass man im schlimmsten Fall selbst der Leidtragende sein könnte, wenn Rettungskräfte nicht durchkommen, komme manchen Zeitgenossen einfach nicht. Die Retter selbst dürfen aber keine Bußgelder aussprechen und müssen auf Unterstützung von Polizei und Ordnungsamt hoffen.

Wasserwacht warnt weiter vor der Wucht der Flüsse

Die Wasserretter stellen in diesem Jahr eine extrem hohe Zahl an Einsätzen fest: „Unser Einsatzleiter in Königsbrunn sagte, so viele habe er in 30 Jahren noch nicht erlebt.“ Während die Suchaktion in Königsbrunn lief, waren die Retter auch bei der Pferdebergung an der Wertach im Einsatz und bei einem weiteren Notfall am Lech. Martin Gschwilm warnt eindringlich davor, Fließgewässer zu meiden. Der schmelzende Schnee bringe Flüssen wie Lech und Wertach weiterhin hohe Wasserstände und damit verstärkte Phänomene wie Wasserwalzen und Strudel, die gerade unerfahrenen Schwimmern und Wassersportlern gefährlich werden können.

In unserem Podcast erzählt ein Retter der Wasserwacht von seinem harten Job – und wie er dramatische Einsätze verarbeitet.

Mehr Infos dazu finden Sie hier.

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