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Mittelneufnach

09.10.2017

„Wo der Pfennig aufschlagt, da gilt er nix“

Luise Kinseher macht sich in ihrem neuen Programm "Ruhe bewahren" Gedanken über die hektische Zeit.
Bild: Marcus Angele

Kurz vor dem Auftritt in Mittelneufnach hat unser Mitarbeiter beim „Familientreffen“ von Luise Kinseher und ihrem Cousin und Kulturschmiede-Chef Karl Scheid ein Interview führen.

Frau Kinseher, hat Ihnen Ihr Cousin ein bisschen was von den Stauden oder Mittelneufnach zeigen können?

Kinseher: Nein, so eine richtige Tour haben wir jetzt nicht gemacht. Aber ich war ja schon öfters da und daher kenn ich die Gegend schon. Ist eine schöne Gegend – des passt schon.

Herr Scheid, gibt es bei euch auch große Familientreffen, wo die berühmte Cousine Luise von ihren Erlebnissen erzählt?

Scheid: Ach, wir treffen uns schon manchmal, gell Luise. Aber so Erlebnisse nein, wir ratschen da lieber. Es gibt doch immer viel zu bereden. Kinseher: Ja mei, was man halt so in der Familie redet. Da sind die beruflichen Dinge gar nicht so wichtig. Da richten wir schon lieber die Verwandtschaft aus, gell Karl (lacht).

Frau Kinseher, darf man mit einem eigenen Programm etwas schärfer mit Promis und Politikern umgehen als auf dem Nockherberg?

Kinseher: Also da hoffe ich jetzt, dass keiner enttäuscht ist. Mein Programm ist nicht besonders politisch, sondern eher selbstironisch und philosophisch. Es geht um Zeit, wie wir mit Zeit umgehen und wie wir durchs Leben hetzen und nie zur Ruhe kommen. Am Rand kommt a bisserl Politik vor, aber der Nockherberg ist eine ganz eigenständige Arbeit von mir und das hat eigentlich mit meinen normalen Kabarettprogrammen gar nichts zu tun.

In den vergangenen Jahren war es ja auf dem Nockherberg etwas schwierig für Sie: 2016 galten sie als zu hart, 2017 zu soft. Sind da die Politiker oder eher die Produzenten die Bremser?

Kinseher: Nein, da gibt es keine Bremse. Die einzige Bremse ist vielleicht der Zuhörer, wenn er nicht gescheit hinhört. 2016, wo die Frau Stamm so beleidigt war, da war eigentlich nichts im Text, wo man beleidigt hätte sein müssen. Die Rede von damals hatte vielleicht mit dem Flüchtlingsthema eine moralische Ebene, aber ich bin eigentlich immer gleich scharf, beziehungsweise gleich nicht scharf. Die Kritik ist oft zwischen den Zeilen verpackt und man muss einfach mal länger zuhören und nicht nur ein Flachs, eine Watschn und fertig. So ist es bei der Mama Bavaria einfach.

Im Fernsehen sind Sie ja sehr präsent, wie zum Beispiel in „München 7“ oder ganz aktuell in „Das Pubertier“. Ist das Schauspielern eine größere Leidenschaft oder sind Sie mehr auf der Bühne zuhause?

Kinseher: Zuhause bin ich auf der Bühne. Aber wenn irgendwelche Fernsehrollen daher kommen, dann freu ich mich.

Lieben Sie es, wie hier in Mittelneufnach hautnah am Publikum zu spielen? Kommen Stars wie Sie gerne zu – wie Karl es nennt – Wohnzimmerkonzerten auf´s Dorf?

Kinseher: Absolut! Das ist doch unser Lebenselixier. Diese Warmherzigkeit und das Engagement von Kulturvereinen auf dem Land ist unvergleichlich. Umso schlimmer finde ich es, wenn so ein Kulturverein wie hier aufhört, weil die Bedingungen so schlecht sind und die Unterstützung von der Gemeinde oder vom Ort fehlt. Es ist doch irgendwie schade für die örtlichen Veranstalter, wenn sich das Publikum hauptsächlich aus der Umgebung rekrutiert und im Ort fast keinen Anklang findet. Aber vielleicht gilt da auch der alte Spruch: Wo der Pfennig aufschlagt, da gilt er nix.

Herr Scheid, sind Sie etwas traurig, dass die Kulturschmiede aufhört? Wenn man sich so umhört, findet es das Publikum ja unglaublich schade, da hier die Atmosphäre inklusive den ausgewählten Künstlern schon immer etwas Besonderes war?

Scheid: Mei, es ist immer irgendwie ein Abschied, wenn man mit Dingen aufhört. Andererseits eröffnen sich dann auch wieder neue Chancen, wo man sagt, das will ich auch noch machen. Was ich aber von diesen tollen sechs Jahren mitnehme, ist dieses Kennenlernen von Menschen, das so sonst nicht stattgefunden hätte. Das gilt insbesondere auch für das ganze Team, dass hier mitgearbeitet hat. Es war einfach wunderbar und hat auch weiterhin Bestand.

Gibt es eine Frage, die Sie schon immer gern beantwortet hätten, aber noch nie jemand gefragt hat?

Kinseher: Ja, das ist doch mal eine tolle Frage (lacht und denkt nach). Nein, ganz ehrlich schleppe ich grad keine Frage mit mir herum, die ich gerne beantworten würde.

Scheid: Ich find’s manchmal ganz gut, wenn Fragen offen bleiben. Kinseher: Und viele Fragen ergeben sich nur, weil man oft vorschnell was erwartet und sich dies scheinbar nicht einlöst. Einige Fragen würden sich erübrigen, wenn die Leute viel mehr zuhören würden.

Interview: Marcus Angele

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