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Bildung

26.03.2020

„Wörter pauken und Grammatik büffeln geht nicht mehr“

Lehrer Werner Kieweg Universitätsangestellter, Schulpädagoge und vieles mehr.
Bild: Reinhold Radloff

Der ehemalige Lehrer und Hochschuldozent Werner Kieweg aus Schwabmünchen ist auch mit 78 Jahren noch aktiv

Wie kann Schule und Unterricht möglichst effektiv für Lernende gestaltet werden? Dieser Aufgabe widmete sich Dr. Werner Kieweg aus Schwabmünchen ein Schul- und Universitätsleben lang. Dabei ging es ihm immer darum, die Lehrkräfte möglichst umfangreich auf dem neuesten Stand der Sprachwissenschaft zu halten, um einen interessanten und nachhaltigen Fremdsprachenunterricht zu bieten. Selbst im Ruhestand arbeitet er daran weiter täglich.

Höchstes Lob zollte die Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung Dillingen Dr. Werner Kieweg für seine über 40-jährige Mitarbeit. „Er verstand es in idealer Weise, Wissenschaft und Praxis des Englischunterrichts zu verbinden“, betonte der dortige Oberstudiendirektor Gerhard Finster.

Werner Kieweg war nie einer, der im Englischunterricht stur an den herkömmlichen Vermittlungsmethoden hing. „Der Gebrauchswert eines reinen Schulenglisch sei einfach zu gering“, so der 78-Jährige, der sich immer für einen anwendungs- und handlungsorientierten Unterricht aussprach. „Jeder Schüler muss im Unterricht möglichst viel interaktive Sprechzeit erhalten, also wesentlich mehr als die bisher durchschnittlichen 16 Sekunden. Freies Sprechen ist wichtiger als Fragen zu vorgegebenen Texten zu beantworten oder Lückensätze ergänzen. Das kann zum Beispiel durch partnerorientiertes Lernen erreicht werden“, so Kieweg.

„Wörter pauken und Grammatik büffeln geht nicht mehr“

Er halte das schriftliche Abfragen des sprachlichen Könnens mithilfe von Schulaufgaben für nicht sehr zielführend, da dies oftmals nur auf kurzfristig abgespeichertes Lernen ausgelegt ist. In diesem Zusammenhang prangert er insbesondere das sogenannte Bulimie-Lernen an, bei dem sich die Lernenden am letzten Tag vor einer Lernzielkontrolle große Mengen an Unterrichtsstoff „reinstopfen“, um diese später wieder sehr rasch zu vergessen.

Für eine anwendungsorientierte und alltagstaugliche Sprachkompetenz müssen aktuelle Themen und altersstufengerechte Texte schülerorientiert angeboten werden, betont der ehemalige Lehrer und Dozent an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dazu müssen moderne Medienangebote das traditionelle Schulbuch ergänzen und zeitgemäße Lernmethoden praktiziert werden.

„Auf Englisch oder Französisch kommunizieren zu können ist das kompetenzorientierte Ziel eines modernen Fremdsprachenunterrichts. Dieses wird bereits in der Grundschule durch adäquate altersstufengerechte Vermittlungsmethoden angestrebt. Die dazu nötigen Unterrichtsprinzipien sind umfangreich erforscht, bestens dokumentiert und müssen sorgfältig umgesetzt werden. Lernende, die nach dem Übertritt in die 5. Klasse einer weiterführenden Schule wenig Erfolg verspüren, sind schnell frustriert und kaum noch lernbereit. Wörter pauken und Grammatik büffeln geht nicht mehr“, erklärt Kieweg.

Einen möglichst perfekten Englischunterricht machte sich der Schwabmünchner zur Lebensaufgabe, unterrichtete in mehreren Schularten, forschte, bildete Lehrer aus und fort, schrieb und schreibt Bücher, Lexika, Grammatiken, Lehr- und Unterrichtshefte, veröffentlicht Aufsätze in Fachzeitschriften und vieles mehr.

Er ist in allen Bundesländern unterwegs, seit der Maueröffnung verstärkt in den östlichen, und hält fachdidaktische und neurowissenschaftlich ausgerichtete Referate, auch noch im Ruhestand. „Ich bin noch fast täglich für die englische Sprache in Kontakt. Auch nach über 60 Jahren läuft bei mir fast jeden Tag BBC Radio 4, um meine Sprechkompetenz zu halten und zu verbessern. Wer eine Sprache nicht täglich hört und spricht, der vergisst. Use it or lose it – sagt man so schön.“

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