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Lagerlechfeld

22.11.2019

Wohin geht die Reise für die Lechfelder?

Moderne Technik von den Displayanzeigen bis zu den Flugunterlagen auf dem Tablet prägen das Cockpit des A400M. Am Boden muss für die Ankunft am Lechfeld noch Einiges modernisiert werden.
Bild: Pitt Schurian

Plus Die Stationierung von zehn großen Transportflugzeugen macht Vorarbeiten am Fliegerhorst und in den Gemeinden nötig. Es gibt Sorgen, Erwartungen und neue Details des Militärs zu Personal und Aufgaben.

Nach dem Demonstrationsflug eines Transportflugzeugs der Bundeswehr vom Typ A400M sieht Rudolf Schneider Handlungsbedarf bei allen Gemeinden im Umfeld des Bundeswehrstandorts Lechfeld. Der Bürgermeister von Klosterlechfeld teilt zwar optimistische Erwartungen, wonach die Stationierung von zehn solcher Maschinen gute Entwicklungschancen für die Region mit sich bringen. Doch müssten bald Weichen gestellt werden, um die Infrastruktur vom Kindergarten bis zum Wohnraum im Sinne der Kommunen zu lenken. Die Bundeswehr ist bereits mit eigenen Vorplanungen für den Umbau des Flugplatzes beschäftigt – und die Menschen am Lechfeld machen sich ihre eigenen Gedanken.

Den Fluglärm empfanden nicht alle gleich

Unterschiedlich sind die Berichte von Lesern, die am Donnerstag die vorab angekündigten Starts und Landungen nutzten, um sich einen Eindruck zu verschaffen, wie das Fluggeräusch bei ihnen daheim wahrzunehmen ist. Einige berichteten, gar nichts gehört zu haben – ob aus zeitlichen Gründen oder wegen ihres Abstands zum Flugplatz. Eine andere Leserin berichtet, die zweite Landung am Nachmittag habe sie über Klosterlechfeld überraschend laut vernommen. Die starke Bewölkung habe keine direkte Sicht erlaubt, aber das Motorengeräusch aus dem Hochnebel genauso laut wie das der alten Transall erscheinen lassen.

Die Bürgerinitiative ist skeptisch

Der Fluglärm sorgt Adelheid Hockenmaier von der Bürgerinitiative Lechfeld relativ wenig. Sie ist überzeugt, dass der Standort künftig leiser sein werde, als während des Betriebes mit Tornados oder Eurofightern. Dennoch sei die Bürgerinitiative gegen eine Verkleinerung der Lärmschutzzonen, die vorerst nur bis 2023 gelten. Und sie ist skeptisch, ob es bei zehn A400M bleiben werde. Sie fürchtet: So engagiert, wie sich Deutschland als internationaler Logistiker im Militärwesen anbiete, könnten mehr als drei Staaten dieses Angebot annehmen und diese das Lechfeld zusätzlich mit eigenen Maschinen anfliegen. Auch die personelle Entwicklung werfe Fragen auf.

Wohin geht die Reise für die Lechfelder?

Andere Bürgerstimmen am Lechfeld fragen nach der Mietpreisentwicklung, Flächenverbrauch für neue Wohnungen und allgemeinen Kostensteigerungen. Die Schaffung von 600 neuen Dienstposten samt der erwarteten Kaufkraft für die Region bringe womöglich nicht nur positive Folgen, und könne die Infrastruktur der Gemeinden überfordern.

Luftwaffe: Es kommen keine 600 Familien

Ab dem Jahr 2028 soll die neue multinationale Lufttransportgruppe voll einsatzfähig sein. Mehr als 170 Millionen Euro Investitionen sollen dann von der Bundeswehr hier getätigt sein. Die 600 neuen Dienstposten bedeuten aber laut eines Luftwaffen-Sprechers nicht, dass 600 Familien im regionalen Immobilienmarkt eine Wohnung suchen werden. Der Hintergrund: Nach der Auflösung von Verbänden in der Region während der bisherigen Bundeswehrreform seien viele Soldaten und zivile Angestellte in Erwartung eines neuen Dienstpostens auf dem Lechfeld nicht weggezogen, sondern pendeln vorübergehend zum Beispiel nach Neuburg oder Fürstenfeldbruck. Sie wohnen diesseits und jenseits des Lechs und dürften sich über neue Aufgaben am Lechfeld freuen.

Circa ein Fünftel der 600 neuen Arbeitsplätze werden laut Bundeswehr zivile Stellen sein. Zusätzlich müssen die schon vorhandenen Bereiche wie Brandschutz, Truppenküche, Sanitätsversorgung und Wetterberatung personell aufgestockt werden. Der Sprecher sagt auch: „Aufgrund der multinationalen Ausrichtung der neuen Lufttransportgruppe ist nicht ausgeschlossen, dass einige der Dienstposten mit Angehörigen befreundeter Streitkräfte besetzt werden.“ Der Bundeswehrstandort Lechfeld werde tatsächlich multinational.

Auch Luftbetankung ist geplant

Neben dem logistischen und taktischen Lufttransport könnten die A400M auch für Luftbetankungen eingesetzt werden, wurde zudem bei dem Informationstag für Mandatsträger und Medien bekannt.

Oberst Dirk Niedermeier, der als Kommandeur des Technischen Ausbildungszentrums der Luftwaffe in Kaufbeuren und als Standortältester auch für die Lechfeldkaserne zuständig ist, sagte zudem: Die geplante multinationale Lufttransportgruppe stelle ein Novum in der Organisationsstruktur der Luftwaffe dar. „Die Idee ist, dass verschiedene Partnernationen militärische Lufttransportkapazitäten bei der Bundeswehr mitnutzen können.“ Dies sei vor allem für kleinere Nationen interessant, die über keine derartigen Lufttransportkapazitäten verfügen, wie sie die zukünftig 50 Flugzeuge umfassende A400M-Flotte der Luftwaffe bietet.

Viele Bauarbeiten sind nötig

31 solcher modernen Militärmaschinen sind bereits dem Lufttransportgeschwader 62 in Wunstorf unterstellt. Mindestens 40 sollen es dort werden. Weitere Flugzeuge, für deren Kauf sich die Bundesrepublik vertraglich verpflichtet hat, sollen dem Wunstorfer Geschwader zugewiesen, aber am Lechfeld für die neue Aufgabe stationiert werden. Diese Maschinen werden erst in einigen Jahren aus der Fertigungshalle rollen. Diese Zeit wird zum Ausbau der Infrastruktur auf dem Flugplatz Lechfeld genutzt.

Es seien umfangreiche Bauarbeiten erforderlich. So müssen für den A400M Rollwege, Abstellflächen sowie Luftfahrzeughallen aus- oder neu gebaut, vorhandene flugsicherungstechnische Einrichtungen und das Tanklager modernisiert sowie das IT-Netz an die neuen Anforderungen von modernen Luftfahrzeugen angepasst werden.

Weitere Beiträge unseres Autors handeln unter anderem vom Testflug am Donnerstag, von der Absicht der Bundeswehr für diesen Tag und von der Vorentscheidung im Januar.

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