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Verkehrsschau

05.08.2014

Wohin mit den Radfahrern?

An der Blumenallee gibt es alle denkbaren Fahrradwege: Mal teilen sich Radfahrer und Fußgänger den Bürgersteig an einer anderen Stelle müssen die Radfahrer den Fußweg verlassen, wie hier, um auf der Straße weiterzufahren. Die Polizei favorisiert diese Radwege auf der Straße wegen der höheren Sicherheit.
Bild: Marion Kehlenbach

Weniger Vorfälle mit Geisterradlern. Kreisverkehre sind überraschenderweise ein Unfallschwerpunkt

Die beiden innerstädtischen Kreisverkehre gehören zu den Unfallschwerpunkten mit Fahrradfahrern. Dies wurde jetzt bei der Vorstellung der Radverkehrsschau bekannt – doch das überrascht den Fachmann. Die Polizei spricht von einer Unfallhäufung, wenn es an einer Stelle innerhalb von drei Jahren zu fünf oder mehr Unfällen mit verletzten Verkehrsteilnehmern kommt.

Sowohl am Kreisverkehr St. Ulrich als auch am Kreisverkehr Blumenallee gab es von 2011 bis 2013 jeweils sechs Fahrradunfälle mit verletzten Personen (siehe Info). „Das habe ich noch nie gehört, dass Kreisverkehre Unfallschwerpunkte sind“, zeigte sich Verkehrsplaner Andreas Bergmann verwundert. Im Gegenteil, wenn es Unfallschwerpunkte in anderen Städten gab, konnte man diese durch Kreisverkehre entschärfen. Der Geograf des Planungsbüros Stadt-Land-Verkehr diskutierte gemeinsam mit Polizei, Stadtverwaltung, Stadträten und Bürgermeister Franz Feigl die aktuelle Fahrrad-Unfallstatistik. Die Unfallstatistik sei wesentlicher Bestandteil des neues Radwegekonzeptes, erläuterte Josef Marko, Sachbearbeiter Verkehr im Rathaus. Ein zweiter Baustein des Radwegekonzeptes ist die Bürgerumfrage zur Mobilität, die bis zum 14. Juli gemacht wurde (wir berichteten). Die Polizeihauptkommissare Armin Beck und Manfred Zeiselmair, beide Sachbearbeiter Verkehr für den Landkreis Augsburg im Polizeipräsidium, stellten die Radfahrunfallstatistik vor. Erfreulich sei der Rückgang der Verkehrsunfälle mit sogenannten Geisterradlern. Hier habe sich die Zahl zum vorherigen Zeitraum von 2008 bis 2010 mehr als halbiert. Zeiselmair führt das unter anderem auf die erfolgreiche Aktion „Achtung Geisterradler“ mit Warnschildern und Polizeikontrollen zurück. Die Aktion hätte Autofahrer und Radfahrer für diese Problematik sensibilisiert.

Ein großes Problem sei immer noch die Erkennbarkeit von Fahrradfahrern, so Zeiselmair. Fahrradfahrer würden zu spät erkannt, teils durch deren dunkle Kleidung, aber auch, weil sie hinter parkenden Autos oder Büschen verdeckt seien. Die Polizei favorisiere deshalb einen Fahrradstreifen auf der Straße anstelle der bisher üblichen Fahrradstreifen auf dem Fußweg. Auf der Straße würden die Autofahrer die Radler besser sehen und Geisterradler gäbe es auf solchen Fahrstreifen so gut wie gar nicht. Der Vorteil für den Radfahrer liege in meist sauberen Fahrwegen – auch im Winter – und weniger Hindernissen, als auf dem Bürgersteig.

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Jürgen Raab, Referent für Verkehr, hält diesen Vorschlag für falsch, wie er ausführte. „Radfahrer fahren meistens nicht nach der StVO und bei einem Unfall bin ich als Autofahrer der Depp“, so Raab. Grünen-Stadträtin Doris Lurz verwahrte sich gegen die Generalverdächtigung, wie sie sagte. Sie favorisiert eine Variante, nach der Radfahrer die Wahlmöglichkeit zwischen der Straße und dem Radweg auf dem Bürgersteig hätten.

Auch Bürgermeister Feigl wollte die Radfahrer nicht auf die Straße „zwingen“. Für sportliche Radler mag es eine Alternative sein, so Feigl, aber älteren Fahrradfahrern würde es Angst machen. Florian Kubsch (SPD) brachte die Verkehrsphilosophie „Shared Space“, auf deutsch „geteilter Raum“, in die Diskussion ein. Bei Shared Space teilen sich alle Verkehrsteilnehmer den öffentlichen Straßenraum. „Erst gibt es ein Gefühl der Unsicherheit“, sagte Kubsch, „aber dann wird man vorsichtiger“.

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