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Königsbrunn

04.01.2019

Wurde FCA-Fan Simon im Klinikum schlecht behandelt?

Simon Schönle liegt in einem Krankenbett im Klinikum Augsburg. Er lächelt und alles scheint vergessen. Seine Mutter erhebt jedoch Vorwürfe.
Bild: Marion Schönle

Plus Der behinderte FCA-Fan Simon Schönle war zwei Tage im Krankenhaus. Seine Mutter berichtet von Mängeln und Fehlern in der Pflege. Was das Klinikum dazu sagt.

Handwerker bohren an Marion Schönles Wohnungstür. Die Königsbrunnerin steht daneben und erklärt: „Zehn Sekunden müsste die Türe offen stehen, das dürfte genügen.“ Mithilfe eines automatischen Öffners soll ihr Sohn hier bald ein- und ausgehen können. Oder genauer: fahren. Seit einem Verkehrsunfall im Jahr 2015 sitzt Simon Schönle im Rollstuhl. Sein Fall ist vielen bekannt: Als glühender Fußballfan stand der junge Mann oft im Fanblock des FC Augsburg – bis er auf der Heimfahrt von einem Auswärtsspiel verunglückte. Weil er in der Szene so engagiert ist, unterstützen ihn Freunde, Fans und auch der FCA. Der 22-Jährige lebt mit körperlichen und sprachlichen Handicaps. Auch sein Kurzzeitgedächtnis hat Schaden genommen. „Schädel-Hirn-Trauma, Pflegegrad fünf“, erklärt die Mutter. Ihr Sohn wohnt deshalb betreut im Königsbrunner Fritz-Felsenstein-Haus. Trotzdem stoße er in seinem Leben immer wieder auf Barrieren, sagt seine Mutter, die nun Vorwürfe gegen das Klinikum Augsburg erhebt.

Im Dezember kam Simon dort in die Notaufnahme: Blasenentzündung, Fieber, Krämpfe. Damit begannen zwei Tage und Nächte, die Marion Schönle als eine Verkettung von groben Mängeln beschreibt. Als Simon sein Zimmer im sechsten Stock bezog, sei die Behandlung nicht nach Plan verlaufen: Antibiotika seien ihm in zu kurzem Abstand verabreicht worden. Mehr noch: Durch eine Infusion habe sich eine große Schwellung an seinem Unterarm gebildet, die zunächst kein Pfleger bemerkt habe, erzählt Schönle.

Bis 13 Uhr sei ihr Sohn nicht gewaschen worden

Die Suche nach einem Roll- und einem Nachtstuhl habe sich zu lange hingezogen. „Eine Pflegerin hat mir gesagt: Rollstühle sind hier Mangelware“, erzählt Simons Mutter. Auch das Duschen sei für einen Menschen mit Simons Behinderung im kleinen Bad des Zimmers kaum möglich gewesen, ohne eine Überschwemmung zu verursachen. Bis 13 Uhr sei ihr Sohn nicht gewaschen und seine Zähne noch nicht geputzt worden.

Auch in der Nacht sei keine Ruhe eingekehrt. Simon müsse alle vier Stunden im Bett umgelagert werden, sagt Schönle. Im Klinikum geschah das aber alle ein bis zwei Stunden. „An Schlaf war für ihn nicht zu denken.“ Ihr Sohn muss nachts zudem schwere Orthesen tragen, für etwa vier Stunden. Die stützenden Schienen legte ihm die Mutter abends an – als sie ihn am nächsten Morgen um 8 Uhr besuchte, habe er sie aber immer noch getragen. Die Orthesen hätten tiefe Druckstellen an den Beinen hinterlassen.

Fieber, Krampf und Entzündung klangen aber allmählich ab. Einige Stunden habe sie auf den Schlussbefund und die Entlassung warten müssen, sagt Schönle. Den Heimtransport habe sie selbst organisiert. Schönle beklagt, dass das Klinikum nicht auf Menschen mit schwerem Handicap eingestellt sei: „Ein behinderter Mensch, der alleine dort ist, hat keine Chance.“ Sie wolle in ihrer Kritik aber eines klarstellen: „Für mich liegt die Schuld nicht beim Personal.“ Sie sieht Fehler im System: Zeitdruck in der Pflege, Sparpolitik im Gesundheitssystem und vor allem mangelnde Barrierefreiheit. „Am Klinikum gibt es sogar ein Mutter-Kind-Haus. Warum hat ein Kind mehr Rechte als ein Mensch mit Handicap?“

Das Klinikum Augsburg äußert sich zu Marion Schönles Vorwürfen

Das Klinikum zeigt sich erstaunt über die Vorwürfe und äußert sich zu den Vorfällen. „Die Mutter wurde während der gesamten Zeit des Aufenthaltes des Patienten in Pflege und Behandlung kommunikativ eingebunden“, heißt es in einer Stellungnahme. Das Klinikum versorge viele dauerhaft eingeschränkte Patienten, die Pflegekräfte seien in solchen Fällen geübt. Simon Schönle selbst habe es aber abgelehnt, von Klinikmitarbeitern gewaschen zu werden. „Mehrfach wurde Frau Schönle gefragt, ob sie Unterstützung bei der Versorgung ihres Sohnes benötige, was sie jedoch genau so oft verneinte.“ Die Mutter entgegnet: Nur ein- oder zweimal habe man ihr Hilfe angeboten. Dass ihr Sohn das Waschen abgelehnt habe, könne sie sich nicht vorstellen. Schließlich werde er täglich von Pflegern gewaschen. Zudem falle es ihm sehr schwer, sich mitzuteilen.

Einen Teil der Kritik räumt das Klinikum ein: „Richtig ist, dass Nacht- und Rollstühle aufgrund der Vielzahl an hoch pflegeintensiven Patienten im Klinikum manchmal kurzfristig knapp werden, aber wir sind bereits dabei, nachzurüsten.“ Das Klinikumsgebäude sei mehr als 35 Jahre alt und werde bei laufendem Betrieb saniert. „Natürlich ist nicht jede Toilette behindertengerecht, die Krankenzimmer sind im Wesentlichen aber barrierefrei.“

Die Stellungnahme der Klinik nimmt Simon Schönles Mutter eher ungläubig hin

Marion Schönle kritisiert, dass ihr Sohn nachts alle zwei Stunden umgelagert wurde. Im Fritz-Felsenstein-Haus seien die Ruhephasen deutlich länger. Die Klinik begründet das Vorgehen jedoch mit dem akuten Risiko, dass sich der Patient wund liegt. In einem anderen Kritikpunkt bezieht sich auch das Klinikum auf das Zentrum: „Von der Pflegeeinrichtung des Patienten wurde ein Notfallblatt mitgegeben, in dem die Orthesen jedoch nicht erwähnt wurden.“ Schönle erwidert, dass es sich nur um einen Medikamentenplan handele. Pfleger hätten sich über die Tragedauer erkundigen müssen, sagt sie.

Die Stellungnahme der Klinik nimmt Schönle eher ungläubig hin. Sie ist seit 25 Jahren Sanitäterin und betont, dass die Erlebnisse ihres Sohns kein Einzelfall seien: „Ich kritisiere das alles nicht nur wegen Simon, sondern wegen der anderen Patienten“, sagt sie. „Die dürfen nicht das Gleiche erleben.“ Sie zeigt ein Foto von Simon im Krankenhausbett. Er lächelt. „Ja regt dich denn gar nichts auf, habe ich ihn gefragt. Darauf hat er gesagt: Nein, nur wenn der FCA in der Relegation spielen muss.“

Lesen Sie hierzu auch unseren Kommentar: Barrierefreiheit muss das gemeinsame Ziel sein.

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04.01.2019

Was will die AA uns da mitteilen, das Klinikum Augsburg wird doch jetzt Universität Klinikum Augsburg da wird doch alles besser, oder? Und die Werbung für den FC Augburg passt auch in das Zeitgeschehen und wird Ansporn sein für die weitere Entwicklung.

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