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Klosterlechfeld

09.10.2020

Zirkus William fürchtet in Klosterlechfeld einen zweiten Lockdown

Familie William mit Tieren auf dem Festplatz in Klosterlechfeld.
Bild: Justin Lautenbach

Plus Sechs Monate gab es keine Vorstellungen. Jetzt gastiert der Zirkus William in Klosterlechfeld. Die Artisten haben aber weiter Existenzängste.

„Wir sind froh, dass wir wieder Vorstellungen geben dürfen“, sagt Kimberley William vom Zirkus Alfons William. Ein halbes Jahr lang waren sie in Buchloe gestrandet. Der Lockdown im März hat die Schaustellerfamilie schwer getroffen. „Da war die besucherstärkste Zeit schon vorbei und jetzt wird auch das Wetter schlechter“, sagt William. Sie ist trotzdem froh, dass es endlich weitergehen kann. Sie sagt: „Wir kommen langsam voran.“

In sechster Generation führt sie mit ihrer Familie den Betrieb. Ihre Zelte schlägt sie regelmäßig in Österreich und Bayern auf. Zum ersten mal nach vier Jahren gastieren sie auf dem Festplatz in Klosterlechfeld. Seit Donnerstag können die Vorstellungen wieder besucht werden. Auf dem Programm stehen Luftnummern auf dem Seil, Tierdressuren, Clowns und Feuerspuken.

Ein zweiter Lockdown kann die Existenz des Zirkus gefährden

Der Stillstand in Buchloe hat ein finanzielles Loch bei der Schaustellerfamilie hinterlassen. Sie hätten Zuschüsse vom Schaustellerbund beantragt, sagt William. Bis heute sei nichts bei ihr angekommen. Die Fixkosten für den Unterhalt der Tiere liefen währenddessen weiter. „Wir waren sechs Monate auf Spenden angewiesen. Die Leute aus Buchloe haben uns Futter für die Tiere und Lebensmittel für uns gebracht. So haben wir uns und die Tiere versorgen können“, sagt sie.

Eine mögliche zweite Corona-Welle könnte William in Schwierigkeiten bringen: „Wir haben es einmal geschafft, uns während eines Lockdowns über Wasser zu halten. Ein zweiter Lockdown wäre aber schwierig für uns. Wir leben von den täglichen Einnahmen der Eintrittskarten.“

Derzeit kämen die Besucher, ohne Angst vor einer Ansteckung im Zirkus zu haben. „Wir halten uns an die Corona-Vorschriften. Im Zelt werden die Abstände eingehalten und es herrscht Maskenpflicht. Wir sind mit der momentanen Situation sehr zufrieden. Die Besucher kommen gerne“, sagt sie. Einige Besucher würden sich sogar bedanken, dass es wieder Vorstellungen gibt. William: "Die Leute freuen sich sehr, dass wir hier sind." Damit widerspricht sie auch der Kritik von Tierschützern.

Tierschützer kritisieren die gewaltvolle Dressur

Yvonne Würz von Peta Deutschland sieht die Begeisterung für tierische Vorstellungen in Zirkussen kritisch: "Tierdressuren im Zirkus sind immer von Gewalt geprägt. Die Tiere haben kaum Auslauf. Das führt oftmals zu Verhaltensstörungen und sie sterben früh."

Familie William mit Tieren auf dem Festplatz in Klosterlechfeld.
Bild: Justin Lautenbach

William zeigt sich offen für Kritik: „Wenn jemand Zweifel hat, dass es den Tieren gut geht, darf er gerne kommen und sich umschauen." Außerdem komme jede Woche ein Tierarzt, der die Tiere untersucht. Würde er feststellen, dass die Tiere leiden, dürfte die Familie keine Vorstellungen mehr anbieten, sagt sie und verweist auf das Zirkusmotto: „Ein Zirkus ohne Tiere ist wie ein Himmel ohne Sterne.“

Würz widerspricht dem: "Die Richtlinien der Veterinärämter sind 20 Jahre alt und waren schon damals unzureichend. Wir fordern ein vollumfängliches Tierverbot in Zirkussen wie Frankreich es jetzt angekündigt hat", sagt sie. Der Bundesrat habe schon mehrmals Anträge für ein Tierverbot im Zirkus gestellt, werde aber von der Bundesregierung blockiert, sagt die Tierschützerin.

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