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Königsbrunn

14.11.2018

Zwei Bagger zerlegen das Gebälk der Königstherme

Mit dem Seilbagger wird der knapp 30 Meter lange Binder immer wieder angehoben und gesenkt, bis sich die letzten Reste der Dachverkleidung lösen.
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Mit dem Seilbagger wird der knapp 30 Meter lange Binder immer wieder angehoben und gesenkt, bis sich die letzten Reste der Dachverkleidung lösen.
Bild: Hermann Schmid

Um einen Binder der Dachkonstruktion zu entfernen, brauchen die Abbruch-Experten zwei besondere Maschinen: eine moderne und eine, die älter ist als das Bad.

Als Spaßbad war die Königstherme schon vor einigen Jahren ziemlich am Ende, als Bauwerk ist sie es auch jetzt noch nicht. Dieser Eindruck drängt sich zumindest den Laien auf, die durch den Bauzaun hindurch eine spektakuläre Phase des Abbruchs der Thermenhalle verfolgen, fotografieren oder mit dem Handy filmen. Denn es dauert einige Zeit, bis eines der Schwergewichte der Dachkonstruktion, ein knapp 30 Meter langer, etwa 16 Tonnen schwerer Doppel-Binder, am Boden liegt.

Mit zwei schweren Baggern machen sich die Abbruch-Profis der Dasinger Firma Luff ans Werk. In den vergangenen Tagen haben sie die leichte Dachkonstruktion zwischen den Bindern entfernt (wir berichteten) und am Montag auch schon einen ersten Binder heruntergeholt. Jetzt kommt Nummer Zwei an die Reihe. Dazu wechselt Mariano Luff sein Werkzeug. Der 19-Jährige, der den Longfront-Bagger steuert, legt den „Sortiergreifer“ ab und nimmt mit dem Ende seines 30 Meter langen Auslegers die hydraulische „Betonschere“ auf. Die darf heute mal in Leimholz schneiden.

Dieser Werkzeugwechsel dauert keine zwei Minuten und läuft ab, ohne dass der Baggerfahrer aussteigen muss. Der Longfront-Bagger von Liebherr ist gerade mal fünf Jahre alt „er nutzt die modernste Hydraulik-Technik, die es gibt“, so Firmenchef Werner Luff.

Ein Bagger, den man getrost als Methusalem bezeichnen kann

Er selbst bedient für die Binder-Aktion einen Bagger, den man getrost als einen Methusalem der Branche bezeichnen kann. Der blau angestrichene Seilbagger des Herstellers Menck wurde vor 63 Jahren in Hamburg montiert. Seit 35 Jahren hat ihn Werner Luff im Einsatz. Den Zweitakt-Dieselmotor wirft er mit einer Druckluft-Startanlage an. „So wie damals im Film ,Das Boot’ den Motor des U-Boots“, erzählt er. Dann rangiert er seine Maschine seitlich zum Binder.

Mit der großen Schaufel packt er den Zwillings-Leimbinder nahe an dem Ende, mit dem dieser auf der äußeren Säule aufliegt. Er lässt gerade noch so viel Platz, dass Sohn Mariano dort mit der Betonschere das Holz zerrupfen kann. Immer wieder knirscht es lautstark. Dann ruht der Binder nur noch auf einem schmalen Stück, das schließlich nachgibt. Jetzt kann der Seilbagger dieses freie Ende auf und ab und hin und her bewegen.

Doch am anderen Ende, an der etwa 24 Meter hohen Mittelsäule der Thermenhalle, sind die Zwillingsträger gut verankert. Sie lagern auf einem 30 Zentimeter breiten Betonring und sind mit vier langen Eisenschrauben in der Säule fixiert. Langsam hebt Werner Luff mit seinem Seilbagger das freie Ende an, über die Höhe der äußeren Säule hinaus, und senkt es dann wieder zum Boden ab. Das lockert erst mal die Reste der unteren Dachverkleidung, die noch am Binder hängen. Sie brechen nach und nach los und fallen nach unten.

Es knirscht nur noch ganz leise, dann bricht der Binder los und fällt

Das lockert aber auch den Halt des Binders an der Mittelsäule. Schließlich spürt Werner Luff wohl, dass er jetzt bald am Ziel ist. Er lässt das freie Ende zum Boden ab und wartet. Es knirscht jetzt nur noch ganz leise, dann bricht der Binder los und fällt nach unten, auf die Holzreste des Daches, die schon auf dem Boden des früheren Thermenbeckens liegen. Etwas Staub fliegt auf, dann ist es vorbei.

Wie lange hat die Aktion nun gedauert? Beim gebannten Blick auf den Ablauf dieses Abbruchs hat der Reporter sein Zeitgefühl verloren. Erst der Blick auf die Daten seiner digitalen Fotos zeigen: Vom ersten Biss der Betonschere bis zum Fall des Binders sind ziemlich genau elf Minuten vergangen. Die Fotos bestätigen auch den Eindruck, den man schon vor Ort hatte: Angegriffen oder gar morsch ist diese Holzkonstruktion keinesfalls gewesen. Aber ihr Zustand war ja auch nicht der Grund, warum die Therme vor dreieinhalb Jahren vom Betreiber geschlossen wurde.

Jetzt wird es wohl zwei Tage dauern, bis das Material sortiert und weggeräumt ist. Der Binder wird zerlegt, sodass die Teile auf einen Lastwagen passen, abtransportiert und später wohl zu Hackschnitzel verarbeitet. Dann wird das Abbruchunternehmen die Verglasung im Thermendach angehen.

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