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Wehringen

10.02.2020

Zwei Wehringer kennen das Geheimrezept für guten Kaffee

Auf der Suche nach der Seele des Kaffees: Stefan Steidle (rechts) und Maximilian Schmid haben in Wehringen vor etlichen Jahren die Rösterei Bohnenschmiede aus der Taufe gehoben. Mittlerweile verarbeiten sie monatlich rund eine Tonne Rohkaffee.
Bild: Siegfried P. Rupprecht

Plus In Wehringen erzeugen Stefan Steidle und Maximilian Schmid Spitzenkaffee. Besonderen Wert legen sie auf das Röstverfahren und die Herkunft der Bohnen.

Ob der Kaffee zu ihnen oder sie zum Kaffee gekommen sind – das können die beiden Unternehmer nicht mehr genau sagen. Klar ist: Stefan Steidle und Maximilian Schmid haben sich mit ihrer kleinen Rösterei einen Traum erfüllt. Hier können sie ihre Liebe zum Genuss leben. Denn in der „Bohnenschmiede“ in Wehringen dreht sich alles um die Kunst der Kaffeeerzeugung.

Die Freude über ihre Arbeit mit der braunen Bohne steht den beiden ins Gesicht geschrieben. „Wir haben uns mit der eigenen Rösterei einen Traum erfüllt“, sagt Steidle. Aber Visionen würden nur wahr, wenn dafür etwas getan wird. An Arbeitswille und Unternehmergeist fehlte es den beiden nicht.

Begonnen hat es mit Stefan Steidle. Bereits in jungen Jahren begeistert er sich für Kaffee. „Die Vielfalt des Geschmacks und der Aromen haben mich angezogen“, sagt der 38-Jährige. Aber auch die technische Neugier, was hinter der Kunst der Kaffeeerzeugung steckt, habe ihn gepackt. Daraus sei der Wunsch nach einem eigenen Röster gewachsen – für den Maschinenbauingenieur kein Problem. Er baute sich kurzerhand eine handliche Vorrichtung, um aus Rohkaffee durch das Rösten trinkbaren Kaffee herzustellen. „Doch die Kaffeeausbeute mit dem Gerät war gering, nichts, um geschäftsmäßig einzusteigen“, erinnert sich Steidle mit einem Lachen.

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Seit 2011 gibt es einen Profiröster in Wehringen

Ende 2011 erwarb er schließlich einen Profi-Röster. Er probierte aus, testete, recherchierte, entwickelte. Drei Jahre später war aus der Leidenschaft zum Kaffee ein kleines Unternehmen erwachsen. Der Elektroniker Maximilian Schmid stieg mit ein und profitierte vom Wissen des Partners.

Heute verarbeitet die Rösterei in Wehringen jeden Monat etwa eine Tonne Rohkaffee. Das sei sehr überschaubar, meint Steidle. Potenzial hätten sie für 50 Tonnen. Geblieben sei bis heute die Suche nach der Seele des Kaffees. „Unser Ziel sind Röstungen, die man sonst nicht kaufen kann“, sagt der junge Unternehmer. Und: „Die Zubereitung ist eine Kunst, die uns fasziniert.“

Hochwertige Bohnen für den Kaffee

Grundlage für ihre Kaffeekreationen sind ausgewählte, hochwertige und erlesene Rohkaffeesorten. Sie stammen aus den besten Anbaugebieten der Welt – wie der Fazenda Lagoa, einer Kaffeefarm auf 1100 Meter Höhe in Brasilien oder von der Plantage Asociación Miguel Grau aus Peru. Andere Bohnen werden in Indien, Äthiopien, Ecuador, Indonesien oder Costa Rica gepflückt. „Wir legen großen Wert auf direkten Handel mit Kaffeebauern und beziehen den Rohkaffee über Kooperativen“, sagt Schmid.

Der 24-Jährige verdeutlicht auch, warum Kaffee nicht gleich Kaffee ist. „Bei der industriellen Röstung werden die Bohnen in der Regel zwei bis drei Minuten bei einem Heißluftstrahl von rund 500 Grad Celsius behandelt und mit Wasser gekühlt“, erklärt er. Die Wehringer Rösterei arbeite dagegen mit einer von einem Gasbrenner beheizten schonenden Trommelröstung. „Bei etwa 220 Grad Celsius dauert es bei uns zwischen 15 und 20 Minuten, bis sich die fast 1000 unterschiedlichen Aromen der Kaffeebohne voll entfalten.“ Danach werde der geröstete Kaffee schonend mit Luft gekühlt. Das mache sich im Ergebnis bemerkbar. „Für uns ist Kaffee dann Kaffee, wenn er Charakter hat und voller Lebendigkeit steckt“, sagt Steidle.

Singoldbohne als besonders edle Röstung

Eine besonders edle Röstung haben die beiden Unternehmer mit der Singoldbohne kreiert. „Die Bohne wird in El Salvador am Fuße eines Vulkans angebaut“, erklärt Steidle. „In der Tasse dominieren lang anhaltende Aromen von Milchschokolade und Karamell.“ Aber auch spezielle Kundenwünsche werden in der Wehringer Rösterei erfüllt. „Italienliebhaber haben nach einem typisch italienischen Espresso gefragt“, erinnert sich Steidle. So sei die Barmischung Siciliano mit einem 33-prozentigen Robusta-Anteil entstanden.

Nicht das einzige Zugeständnis an die Kunden: In der Rösterei ist auch die gesamte Kalkulation für ein Kilo Kaffee einsehbar. Darüber hinaus sind sieben von den insgesamt 15 Sorten Bio-Kaffeeröstungen. Die Kunden können den frisch gerösteten Kaffee vor Ort verkosten und alles über die Kunst des Kaffeeröstens erfahren.

Noch ist die Rösterei nur freitags und samstags sowie an vorher bekannt gegebenen Rösttagen geöffnet. Ein Wunsch der beiden Wehringer Unternehmer ist es, sich hauptberuflich der Rösterei zu widmen – angeschlossen vielleicht mit einem kleinen Café. Und noch etwas hoffen die beiden Kaffeeliebhaber: „Vielleicht gelingt es uns auch, die eine oder andere Plantage persönlich zu besuchen.“

Die Kaffeerösterei Bohnenschmiede in der Singoldstraße 19 in Wehringen ist freitags von 9 bis 15 Uhr, samstags von 9 bis 13 Uhr sowie an Rösttagen von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Zu erreichen ist sie unter der Nummer 08234/3720. Den Online-Shop finden Interessierte unter roesterei-bohnenschmiede.de.

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