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Königsbrunn

10.08.2019

Zwillinge fliegen als Botschafter Bayerns nach Afrika

Janne (links) und Gilian Sautter sind fast reisefertig. Die Zwillinge vom Gymnasium Königsbrunn treffen die letzten Vorbereitungen für den Flug nach Südafrika.
Bild: Daniel Weber

Janne und Gilian Sautter vom Gymnasium Königsbrunn reisen bald für ein Schuljahr nach Pretoria in Südafrika. Den weitesten Bogen werden sie um Nilpferde machen.

Während ihre Klassenkameraden in den kommenden Wochen wenig Gedanken an die Schule verschwenden dürften, bereiten sich Janne und Gilian Sautter bereits auf das nächste Schuljahr vor. Aber nicht aus Lerneifer oder Vorfreude auf die 10. Klasse am Gymnasium Königsbrunn – die 15-jährigen Zwillinge müssen noch viel erledigen, bis sie am 22. August nach Südafrika fliegen. Dort werden sie zehn Monate lang als Botschafter Bayerns auf die Schule gehen.

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Botschafter Bayerns, so nennen sich die 15 Stipendiaten, die das Bayerische Kultusministerium in Zusammenarbeit mit dem Youth Understanding Komittee (YFU) für ein Schuljahr nach China, Indien, Polen oder Ungarn schickt. Oder eben nach Südafrika, wie im Fall der beiden Sautters.

Die beiden Schüler lernen schon eifrig Afrikaans

„Die Landessprache ist dort Afrikaans“, erklärt Janne. „Das ist sehr nahe am Deutschen und Niederländischen.“ Die Geschwister seien bereits eifrig dabei, die Sprache zu lernen, doch das sei gar nicht so einfach: Wörterbücher lägen in den Buchläden nicht aus und auch Lernapps seien schwer zu finden. Doch Ausflüchte helfen wenig: Das YFU, das den Auslandsaufenthalt organisiert, sorgt dafür, dass die Reisenden die Landessprache sprechen müssen. „Wir kommen zwar beide in die Stadt Pretoria, die etwa 50 Kilometer nördlich von Johannesburg liegt“, sagt Gilian. „Aber wir leben bei unterschiedlichen Gastfamilien und besuchen nicht die gleiche Schule.“ Auch die anderen fünf Stipendiaten, die dieses Jahr nach Südafrika fliegen, werden sie nur selten sehen. Mit Deutsch werden sie also nicht weit kommen.

Zwillinge fliegen als Botschafter Bayerns nach Afrika

Das stört die Sautters aber nicht. Sie freuen sich schon darauf, die Sprache, Kultur und Lebensweise der Südafrikaner hautnah mitzubekommen. Einige Tipps haben sie schon eingeholt, um Fettnäpfchen zu vermeiden: „Hier ist es zum Beispiel üblich, sich bei der Begrüßung in die Augen zu sehen. In Afrika gilt genau das als unhöflich“, gibt Janne ein Beispiel. Und obwohl Dinge wie Lebensmittel oder Kleidung in Südafrika deutlich günstiger seien als hier, sollte man das besser nicht erwähnen. Sonst gelte man schnell als Angeber.

Lange Socken schützen vor der Malariamücke

Abgesehen von Höflichkeitsregeln haben die beiden auch schon einige handfeste Überlebenstipps gesammelt: Gegen die Malariamücke helfen lange Socken, sie sticht vor allem in die Beine. Und ist nachtaktiv, also fallen spätabendliche Ausflüge flach. Es wäre ohnehin keine gute Idee, um die Häuser zu ziehen, denn obwohl die Geschwister in abgezäunten Vierteln mit vorwiegend wohlhabenden Einwohnern leben, ist die Gegend gefährlich. Fernhalten werden sich die beiden auch von wilden Tieren. Die größte Gefahr geht nicht von Löwen aus, sondern von Nilpferden: „Die greifen sofort an, um ihr Revier zu verteidigen“, sagt Gilian. „Es sterben mehr Menschen durch Nilpferde als durch Löwen.“

Bevor die Sautters aber in die Nähe gefährlicher Tiere kommen, müssen sie sich erst durch den Bürokratie-Dschungel kämpfen. Die Bewerbung um das Stipendium, dann weitere Formulare und Informationen für das YFU, schließlich das Visum – sie mussten stapelweise Papier verschicken, für das Visum sogar die Zustimmung ihres Hausarztes einholen.

Auf der Schule in Südafrika werden die Königsbrunner neue Sportarten ausprobieren

Die Geschwister sind schon gespannt auf ihre neuen Schulen. „Dort gibt es viel mehr Angebote als bei uns, zum Beispiel Sportgruppen“, sagt Janne. „Ich will auf jeden Fall etwas Neues ausprobieren.“ Obwohl beide eben die neunte Klasse abgeschlossen haben, werden sie in Pretoria erst noch einmal in die gleiche Jahrgangsstufe kommen. In Südafrika beginnen die Schuljahre anders. Erst, wenn dort das neue Schuljahr beginnt, werden die Sautters Zehntklässler. Zurück in Deutschland werden sie probeweise in die elfte Klasse vorrücken. „Im ersten Halbjahr müssen wir dann in allen Fächern mindestens eine Vier schaffen“, sagt Gilian. Das müsste klappen, erwartet sein Bruder: In Pretoria sei der Stoff in den meisten Fächern sehr ähnlich wie der am Gymnasium Königsbrunn.

Ob sie wegen der weiten Reise, der fremden Sprache oder dem Land Bedenken haben? „Zuerst war ich mir nicht sicher, ob die Gastfamilie passt“, gibt Gilian zu. Doch schon der erste Kontakt über Whatsapp zerstreute die Sorgen. Inzwischen habe die Gastmutter ihm sogar beim Lernen der Sprache geholfen. Beide sind schon sehr gespannt auf das Land. Und auch die Eltern freuen sich mit den Zwillingen: „Unsere Eltern finden es super, dass wir uns das trauen, und unterstützen uns.“

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