Der größte Truppenübungsplatz im Königreich Bayern war auf dem Lechfeld
Markante Geografie
Als der Flugplatz eine Tarnbezeichnung erhielt
Kurios: Kameras statt Waffen in den Bombern
Es war ein bayerischer Offizier, der das Kriegsministerium in München 1835 darauf aufmerksam machte, dass sich das landwirtschaftlich kaum brauchbare Gelände zwischen Lech und der damaligen Chaussee als Übungsgelände für das Militär eignen würde. 25 Jahre später fragte die Königliche Artillerie-Berathungs-Commission aus München beim Landgericht Schwabmünchen an, ob man dort nicht die neuen Kanonen der Bayerischen Armee testen könnte. Das war der Startschuss für das Militärgelände, das knapp 200 Jahre später Flugplatz, Kaserne und bald auch wieder Ausbildungsort für junge Soldaten und Soldatinnen sein wird.
In einer neuen Serie stellt Werner Bischler von der Militärgeschichtlichen Sammlung Lechfeld die Menschen und ihre Geschichte vor - und nimmt dabei immer auch die Geschichte ins Visier. Es geht um Triumphe und Tragödien, technische Meisterleistungen, Diebstähle und Unglücke auf dem Truppenübungsplatz und um Flugzeuge und ihre Piloten. Diese Geschichten müssen erzählt werden – sonst gehen sie für immer verloren.
Aus dem Artillerie-Schießplatz entstand in der Folge der größte Truppenübungsplatz im Königreich Bayern. Die Truppe war damals in Zelten untergebracht, ein in der Militärgeschichtlichen Sammlung ausgestellter Plan aus dem Jahr 1866 verzeichnet reservierte Zeltplätze für unterschiedliche Einheiten. Nach dem Krieg 1870/1871 wurde Lechfeld als Kriegsgefangenenlager genutzt, über 8000 Franzosen waren einquartiert und mussten beschäftigt werden, um nicht auf dumme Gedanken zu kommen. So entstand das in Nord-Süd-Richtung gelegene Lager aus 120 festen Baracken, das in allen Karten des Übungsplatzes verzeichnet ist.
In dieser Zeit starben 145 Soldaten. Die Moslems sollten weder in Schwabstadl, noch auf dem protestantischen Friedhof in Königsbrunn, sondern auf dem Übungsplatz – mit Blick nach Mekka - begraben werden. Noch heute befindet sich das Grab der beiden Turkos, so wurden die nordafrikanischen Soldaten damals bezeichnet, auf dem Gelände des Flugbetriebsbereiches des Fliegerhorstes. Keine 50 Meter entfernt von der Stelle befindet sich heute der „Taxiway“, auf dem Tornado und Eurofighter zum Start rollen.
„Zwischen den Flüssen Lech und Wertach zieht sich von Augsburg aufwärts gegen Landsberg an der ehemaligen Grenzscheide zwischen Bayern und Schwaben eine unübersehbare Ebene hin, fast 10 Stunden lang und 2 Stunden breit, das Lechfeld genannt.“ So beschrieb Kaplan Wolff von der Augsburger Dompfarrei das Lechfeld in seinem 1858 erschienenen Wallfahrtsbuch. Die Ebene hatte früher auch eine militärische Bedeutung: Auf ihr ließen sich Schlachten, die am Reißbrett geplant wurden, ausführen.
Im Ersten Weltkrieg befand sich mit der Fliegerschule 4 eine von sieben Fliegerschulen im Königsreich, Kommandeur war der gebürtige Augsburger Richard Euringer. Er erlebte, wie der diensteifrige Pionier Dickel ein gerade gelandetes Flugzeug mit seinem noch warmen Motor mit Waschbenzin reinigen wollte. Bei der mit Stoff bespannten Maschine gab es eine Verpuffung, in der Folge brannte nicht nur die gesamte Halle ab, sondern mit ihr auch weitere 14 untergestellte Flugzeuge.
Nach Ende des Ersten Weltkrieges begann in den 1920er-Jahren der geheime Aufbau der späteren Luftwaffe statt. Um diese Planungen zu verheimlichen, wurden damals Flugplätze mit Tarnbezeichnungen versehen: Reichsbahnfrachtflugzentrale oder Funkpeil-Versuchsinstitut. Das Lechfeld wurde als „Höhenflugzentrale des Deutschen Flugwetterdienstes“ bezeichnet. In der Folge entstand daraus die Bomben- und spätere Kampffliegerschule Lechfeld, eine der größten Einrichtungen in Deutschland, auf der zeitweise 72 Einheiten und Verbände stationiert waren.
Der Fliegerhorst wurde im Verlauf des Zweiten Weltkrieges mehrfach bombardiert, unter anderem weil ab 1944 die Messerschmitt-Versuchsfliegerei mit dem ersten serienmäßigen Düsenjäger der Welt - die Messerschmitt Me262 - von Haunstetten aufs Lechfeld verlegt worden war. Dies führte allerdings auch zu einem Kuriosum.
Die amerikanische Bombereinheit der USAAF (305. BG), die Lechfeld im März 1944 bombardiert hatte, war später auf diesem Flugplatz stationiert. Die B-17-Bomber wurden demilitarisiert, die Bewaffnung ausgebaut und durch Fotoapparate ersetzt. Die Amerikaner machten aus den geschossenen Fotos dann Landkarten.
Nach 1945 nutzten erst die Amerikaner den Fliegerhorst, ab 1956 übernahm die Bundesrepublik das Gelände, es kamen die Standortverwaltung, eine Flugbetriebsstaffel und die erste Ausbildungseinheit, die Technische Schule „L“. Und schließlich wurde im Juli 1958 der erste Kampfverband in Bayern aufgestellt, das Jagdbombergeschwader 32. In den drei ehemals auf dem Lechfeld vorhandenen Verbänden arbeiteten mehrere Tausend Menschen. (AZ)
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