Das Hochwasser vom Juni 2024 ist in Gennach immer noch stark präsent. Das zeigte sich bei der Bürgerversammlung im Musikerheim deutlich. Damals wurden etliche Keller überflutet und das Dorf stand kurz vor einer Notlage. Nun kündigte Bürgermeister Marcus Knoll an, dass als erste Maßnahme in Abstimmung mit dem Wasserwirtschaftsamt der Schwarzbach abschnittsweise geräumt und renaturiert werden soll, um Aufstauungen zu vermeiden.
Die Maßnahme wurde vorläufig freigegeben, Fördermittel für den Hochwasserschutz werden aber erst 2027 fließen. „Das Thema hat große Priorität. Der neue Gemeinderat muss darüber entscheiden, ob ein Hochwasser-Risikomanagement vorrangig für Gennach in Auftrag gegeben wird, welches etwa 100.000 Euro kosten und etwa ein Jahr dauern wird“, sagte Knoll und verwies darauf, dass für etwaige Geländemodellierungen ein Planfeststellungsverfahren mit dem Landratsamt und dem Wasserwirtschaftsamt notwendig ist. „Wir können nicht einfach Dämme aufschütten oder Gräben ziehen, ohne die Auswirkungen auf die Unterlieger zu kennen“, sagte er auf die Frage von Bernd Schwarzenbacher nach den geplanten Maßnahmen.
Die Lehren aus dem Hochwasser
Aus den Erfahrungen des Juni-Hochwassers 2024 wurden Lehren gezogen, und die Feuerwehr sei jetzt gut für Schutzmaßnahmen gerüstet, sagte der Bürgermeister. Eugen Mayer wandte ein, dass die Landwirte entschädigt werden müssen, wenn das Wasser im Süden von Gennach versickern soll und ihre Wiesen überschwemmt werden. Da stimmte ihm Knoll zu und sagte, dass dann Entschädigungsregelungen wie beim Zweckverband Hochwasserschutz Gennach-Hühnerbach getroffen werden müssen. Bei der Zuteilung von Fördermitteln könne es von Vorteil sein, dass das Gebiet von Bidingen im Ostallgäu bis nach Bobingen zur Schwammregion erklärt wurde. Hans Götz merkte an, dass das Hochwasser in der Einöde früher durch Rohre abgeleitet wurde, die aber vor Jahrzehnten entfernt wurden. Dazu sagte Knoll, dass dafür vermutlich keine wasserrechtliche Genehmigung vorgelegen habe.
Keine Keller vorgesehen
Auch bei der Erschließung des Baugebiets Kirchackerweg und dem Ausbau der Alpenblickstraße spielt der hohe Grundwasserstand im Gennacher Moos eine Rolle. Deshalb seien keine Keller vorgesehen und die Straßenentwässerung muss durch Rigolen ohne tieferen Kanal erfolgen. Die Alpenblickstraße könne aber nicht breiter als bisher ausgebaut werden und die Erneuerung der Äußeren Dorfstraße sei im Fokus, könne aber noch nicht zeitlich festgelegt werden. „Nur in Gennach wurde im vergangenen Jahr ein Baugebiet ausgewiesen und der Ausbau einer Straße beschlossen, in anderen Ortsteilen nicht“, trat Knoll vermeintlichen Benachteiligungen Gennachs entgegen.
Ein Jahr danach: Das Hochwasser 2024 in Schwaben in Bildern
Er verwies darauf, dass in den vergangenen sechs Jahren der Gennacher Kindergarten komplett saniert und beim Musikerheim mit Eigenleistung der Gennacher die Mauern trockengelegt und das Treppenhaus erneuert wurde. Hermann Fischer erkundigte sich nach dem Zustand der Brücke an der Straße nach Ettringen, bei der die Fahrbahn durch Warnbaken verengt wurde. Knoll erklärte, dass die Kappen der Brücke nicht mehr sicher sind und bei einem Anfahren durch schwere Fahrzeuge abrutschen könnten. Deshalb wurden sie abgesichert und es wird geprüft, ob eine Sanierung möglich ist oder ein Neubau nötig wird. Nico Natterer wollte wissen, ob die Grundstückskäufer im Neubaugebiet zu Straßenausbaubeiträgen für die Alpenblickstraße herangezogen werden und wann man sich für Bauplätze bewerben kann. Die erste Frage konnte der Bürgermeister verneinen und bei der zweiten sagte er, dass einige Plätze eventuell schon 2027 nach den festgelegten Richtlinien vergeben werden könnten.
Photovoltaikanlage bei der Malzfabrik vorgesehen
Auf Nachfrage von Eugen Mayer bestätigte Knoll, dass eine Photovoltaikanlage an der Bahnlinie bei der Malzfabrik mit einer Fläche von 20 Hektar geplant ist. Die Einspeisung des erzeugten Stroms ist über das Umspannwerk in Ettringen vorgesehen. Die Gemeinde werde sich daran beteiligen, wenn die Refinanzierung innerhalb von 20 Jahren gesichert ist, die Grundstückseigentümer und andere Bürger können sich ebenfalls beteiligen. Zur allgemeinen Lage der Gemeinde hatte Knoll die erfreuliche Nachricht, dass erstmals seit 2021 wieder eine positive Haushaltsentwicklung eingetreten ist. Die Zuführung von 1,5 Millionen aus dem Verwaltungs- in den Vermögenshaushalt übertrifft die Erwartung von 150.000 Euro für das Jahr 2025 bei weitem. Im laufenden Jahr ist eine Schuldentilgung von 3,7 auf 3,2 Millionen Euro eingeplant.
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