Dafür, dass Produktion und Verkauf von eigenem Strom sich finanziell lohnen, gebe es keine Garantie. Das sagte Königsbrunns Bürgermeister Franz Feigl in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses: „Es ist zu befürchten, dass die Einspeisungen aus Photovoltaikanlagen künftig mit Negativkosten belegt sind.“ Dennoch hält er es, genauso wie die anderen Mitglieder des Bauausschusses, für sinnvoll, auf kommunalen Gebäuden Solarmodule anzubringen.
Johann Rager, Vorsitzender des vor etwas mehr als einem Jahr gegründeten Regionalwerks Lech-Wertach-Stauden, erwiderte auf Feigls Befürchtung: „Es ist trotzdem noch rentabel.“ Das Regionalwerk soll für 17 Landkreis-Kommunen und mehr 100.000 Einwohner das Erzeugen von Energie in die Hand nehmen. Dazu gehören Windkraft, Wasserkraft, Biomasse, Geothermie - und eben PV-Anlagen. Solarstrom werde in Königsbrunn aktuell vor allem auf privaten Dächern produziert, so Rager. Doch auf den Dächern der städtischen Gebäude sieht er enormes Potenzial. Infrage kommen laut Rager aktuell die Grundschulen Nord und Süd, die Kinderkrippe am Ilsesee, die Jugendfreizeitstätte Matrix, das Umkleidegebäude des Sportparks West und der Infopavillon 955.
Königsbrunn darf selbstproduzierten Strom zu 20 Prozent selbst nutzen
Bereits im November hatte der Stadtrat beschlossen, dass die Finanzierung und Realisierung der PV-Anlagen durch das Regionalwerk weiterverfolgt wird. Dafür stehen im Haushalt 925.000 Euro zur Verfügung. Im Bauausschuss zeigte Rager anhand eines Diagramms: Diese Investition könnte nach rund siebeneinhalb Jahren amortisiert sein. „Ab dem achten Jahr wirft es ab“, so der Vorsitzende des Regionalwerks. Nach 20 Jahren könne der Überschuss knapp zwei Millionen Euro eingebracht haben, die Stadt hätte also etwas mehr als eine Million mit dem Solarstrom verdient.
Dazu kommt in Königsbrunn eine Besonderheit. Bis zu 20 Prozent des Jahresbedarfs darf die Stadt selbst erzeugen. Das hat sie sich in der Stromausschreibung vorbehalten. Laut Rager in der Region eine einmalige Situation.
Königsbrunn kommt PV-Anlagen auf Stadtgebäuden einen Schritt näher
Stadtrat Helmut Schuler (Freie Wähler) wollte wissen, ob bei den finanziellen Prognosen Kosten für einen Stromspeicher berücksichtigt seien. „Nein“, antwortete Rager, aber ein Zentralspeicher könne sinnvoll sein. Schuler: „Ich denke, dass das die Effizienz der Gesamtanlage verbessert.“ Stadtrat Alexander Leupolz (CSU) interessierte vor allem, ob bei der Untersuchung der Gebäude die Dächer genau geprüft wurden. Bleiben sie 20 Jahre dicht und stabil? „Wir können also davon ausgehen, dass die Anlagen, einmal aufgebaut, 20 Jahre auf dem Dach stehen bleiben können?“ Garantieren konnte Rager das nicht, sagte aber, dass er davon ausgehe, dass die zuständigen Ingenieure die Statik überprüft haben.
Stadtrat Alwin Jung (Grüne) betonte, dass im nächsten Schritt Parkplätze mit Photovoltaikanlagen überdacht werden sollten. Das sei eine „Win-win-Situation“, bringe neben Strom auch Schutz und Schatten für Autos. Einstimmig beschloss der Bauausschuss, dass das Regionalwerk Lech-Wertach-Stauden mit der Ausschreibung der PV-Anlagen auf kommunalen Dächern beginnen soll.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren