Schwabmünchen ist eine lebenswerte Stadt, das betont Bürgermeister Lorenz Müller immer wieder. Und die Saatkrähen sind ganz seiner Meinung. Sie fühlen sich in der Stadt besonders wohl. Jetzt haben sie ein neues Gebiet belegt: das Kroengelände in der Innenstadt. Sie lebten vorher in einem Gebiet, in dem aktuell Bauarbeiten stattfinden, durch die sich die Saatkrähen gestört fühlen.
Michael Band, ein Anwohner aus der Kroenstraße, beschreibt die Situation: „Vermutlich war die Aktion zur Vergrämung von Krähen in der Innenstadt an einigen Stellen erfolgreich. Aber die vergrämten Krähen haben sich nun geballt im Grünstreifen zwischen Kroen- und Ferdinand-Wagner-Straße niedergelassen. Inzwischen sind auf engstem Raum etwa zwei Dutzend Krähennester entstanden. Entsprechenden dauerhaften und nervigen ,Gesang‘ verursachen die Vögel, sodass offene Fenster oder Terrassentüren sowie ein entspannter Aufenthalt auf Balkon oder Terrasse kaum noch möglich sind.“
Krähen in Schwabmünchen: Ein nerviges Problem
Die Vögel sind für viele Anwohner und Landwirte ein tierisch nerviges Problem. Sie machen einen Heidenlärm, verschmutzen mit ihrem Kot Terrassen, Spiel- und Sportplätze. Frisch angesäte Felder fressen die Tiere ratze, putz leer. Heimisch wurden die Krähen in Schwabmünchen unter anderem bereits am Festplatz, im Luitpoldpark, im Schützenheim- und Afrawäldchen und an der Grundschule. Egal von welchem Ort die Krähen vertrieben werden, sie suchen sich ein anderes Plätzchen, um ihr Nest zu bauen und Nachwuchs großzuziehen. Grünamtsleiter Roland Schiller weiß, warum: „Die Saatkrähen sind sehr intelligent. Sie lernen schnell, ob eine echte Gefahr für sie besteht oder nicht.“
Um die Krähen im Kroengelände kann sich das Grünamt erst in der nächsten Saison kümmern, denn aktuell ist Schutzzeit. Und vor dieser Schutzzeit konzentrierte sich Stadtgärtner Thomas Bernert um die Krähen im Luitpoldpark, die sich immer mehr dem Areal am Biergarten näherten. Auch dort sind sie unerwünscht.
Um Nester von den Bäumen holen zu dürfen, ist eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung der Unteren Naturschutzbehörde nötig. Denn die Krähen stehen unter strengem Schutz und stehen auf der Roten Liste. Das Gesetz verbietet es, die Tiere zu töten, zu verletzen oder zu stören.
Der Wunsch von Anwohner Michael Band: „Es muss dringend etwas unternommen werden, um zumindest für das nächste Jahr die Krähenplage wieder zu beenden.“ Schiller beruhigt: „Wir haben das Kroengelände im Visier und versuchen im Jahr 2027 die Krähen dort am Brüten zu hindern. Wie genau, das muss man mit der Regierung von Schwaben absprechen. Aber die Bürgerinnen und Bürger dürfen uns vertrauen“
Diese Mittel sollen Krähen vertreiben
Es gibt schonende Instrumente, um die Vögel zu vertreiben. Flatterbänder, Scheinwerfer, Greifvogel- und Uhu-Attrappen, Lärm, Tonbänder mit Angstschreien, Vogelklatschen, Knallgeräte, Ultraschall und Feuerwerkskörper sind nur einige Beispiele. Bewährt hat sich andernorts auch der Einsatz eines Falkners. Außerdem können außerhalb der Schutzzeit Brutbäume und Nester entfernt werden.
Schwabmünchen ist mit dem Krähen-Problem im Landkreis nicht allein. Meitingen und Gersthofen sind unter anderem ebenfalls betroffen. Mindelheim im Nachbarlandkreis gilt gar als „Hauptstadt der Krähen“.
Die Population in Bayern steigt kontinuierlich: 1955 gab es nach Angaben des Bayerischen Landesamtes für Umwelt im Freistaat nur noch 600 Brutpaare. Aber der Bestand erhöhte sich: 2011 wurden wieder etwas mehr als 7000 Brutpaare gezählt. Mittlerweile gibt es etwa 21.000 Brutpaare in Bayern. In Schwabmünchen gibt es aktuell 217 Brutpaare, der Höchststand war im Jahr 2020 mit 379, drei Jahre zuvor waren es lediglich 129.
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