Ein Hauch von Naturerkenntnis garniert mit Gitarrenklängen war das Mindeste, was die etwa 60 Besucher der Stadtbücherei Schwabmünchen erwarteten. Und sie wurden nicht enttäuscht.
Es begann schon außergewöhnlich mit dem gemeinsamen Singen des alten Volkslieds „O Tannenbaum“. Gefolgt von einem Quiz, bei dem der Gewinn ein Fläschchen „Tannenzäpfle“-Bier war. Gitarrist Holger Podratzky aus Krumbach und Vorleser Albert Schmid hatten Texte und Musik in feinen Zusammenhang gebracht: So begleitete zum Beispiel eine jazzige Improvisation von „Yellow Submarine“ (Beatles) eine Geschichte von Michael Köhlmeier, in der dieses U-Boot als Motiv auftauchte. Eine traditionelle japanische Melodie (Sakura Sakura) leitete einen Text der Japanerin Miki Sakamoto über Shinrinyoku, das japanische Waldbaden, ein. In ihrem Buch berichtet die Autorin auch über die Ursprünge dieser Methode in Bad Wörishofen. Zwei japanische Wissenschaftler hielten sich in den frühen 1980er-Jahren in Bad Wörishofen auf und entwickelten ihr Konzept inspiriert durch die kneippsche Lehre.
Literarisch reiche das Spektrum der vorgetragenen Texte von der Bibel (Genesis) über Goethe bis zu Friedensreich Hundertwasser. Auch deftige Erotik war den Bäumen abzugewinnen: eine Episode aus Oskar Maria Grafs „bayerischem Dekameron“. Offensichtlich ließ sich das begeisterte Publikum gerne auf Neues und Ungewohntes ein. Es dankte mit reichlich Applaus für einen harmonischen Abend. (Richard Reisch)
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