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Römerstraße freigelegt in Großaitingen: Archäologie bringt Fundstücke ans Licht

Großaitingen

Ausgrabung in Großaitingen: Archäologen legen Stück einer Römerstraße frei

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    Der verfüllte Graben der Römerstraße durch Großaitingen ist deutlich an der dunklen Verfärbung zu erkennen.
    Der verfüllte Graben der Römerstraße durch Großaitingen ist deutlich an der dunklen Verfärbung zu erkennen. Foto: Sammlung Winzinger

    „Und, schon etwas gefunden?“, ruft die Spaziergängerin über einen der großen Erdhügel, die sich im Augenblick an der südöstlichen Ecke von Großaitingen auftürmen. „Vielleicht etwas aus der Steinzeit?“, fragt die Frau. Nein, die Funde stammen aus der römischen Kaiserzeit. Die Archäologen der Grabungsfirma Arch Pro Prospektion und Archäologie haben entlang der ehemaligen Straße Scherben eines Tongefäßes und ein mysteriöses Bronzestück gefunden. Es ist dicker als eine Münze, hat aber keine Prägung. Vielleicht war es ein Gewicht? Oder ein Spielstein? Oder ein Teil eines Wagens, der über die Römerstraße rumpelte?

    Dieses Bronzestück wurde bei den Ausgrabungen entdeckt.
    Dieses Bronzestück wurde bei den Ausgrabungen entdeckt. Foto: Sammlung Winzinger

    Die Funde werden noch genau untersucht und dokumentiert. Die Ausgrabung am Ortsrand von Großaitingen ist seit wenigen Tagen abgeschlossen. Rund 6500 Quadratmeter Erdboden wurden vorsichtig mit dem Bagger abgetragen. Zum Vorschein kam ein schwarzer Streifen - der ehemalige Graben der Straße. Ein zweiter Graben wurde nicht entdeckt. Der eigentliche Straßenkörper ließ sich nicht mehr nachweisen und „ist wohl in diesem Bereich bereits der Erosion beziehungsweise dem Ackerbau zum Opfer gefallen“, teilt eine Sprecherin des Landesamts für Denkmalpflege mit.

    Die Römerstraße durchschneidet das neue Baugebiet in Großaitingen

    Der Leiter der Bauverwaltung technisch, Stefan Winzinger, hat die dreiwöchigen Arbeiten in der Geschichte verfolgt. Er ist begeistert. „Die Römer waren große Baumeister. Damals muss es ja fast so etwas wie eine Straßenmeisterei gegeben haben“, sagt er. Er ist auch voll des Lobes über die Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege und der Grabungsfirma, die engagiert wurde. „Das ist alles sehr gut gelaufen. Und in Rekordzeit“, sagt er.

    Auf dem Gelände am südöstlichen Ortsrand entsteht jetzt das Baugebiet „Südwestlich Bodenseestraße“. 36 Wohnparzellen für Einfamilien- und Doppelhäuser sollen dort Platz finden. Für die Gemeinde sei es wichtig gewesen, dass die Bauplätze erst archäologisch untersucht und dann abgegeben werden. Die historische Straße durchschneidet das Baugebiet diagonal auf einer Länge von mehreren hundert Metern. Um welche Römerstraße es sich handelt, ist bekannt.

    So könnte ein römischer Reisewagen mit Kabinenaufhängung ausgesehen haben.
    So könnte ein römischer Reisewagen mit Kabinenaufhängung ausgesehen haben. Foto: Repro Czysz

    Der sehr gut befestigte Weg verband Augsburg mit Kempten und führte nach Auskunft des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege von der Ortsmitte von Großaitingen zu einem Wertach-Übergang. Für die Archäologen bedeutet das Ergebnis der Ausgrabung ein weiteres Puzzlestück: „Insgesamt erbrachte die Ausgrabung einen weiteren Baustein zur Rekonstruktion des römischen Straßennetzes im Lechtal südlich der Provinzhauptstadt Augusta Vindelicum. Hier ist neben den großen, überregional bedeutenden römischen Staatsstraßen wie der Via Claudia auch mit kleineren Verbindungsstraßen zweiter Ordnung zu rechnen, denen das nun archäologisch nachgewiesene Straßenstück zuzuordnen ist.“

    Scherben eines Tongefäßes wurden gefunden: Stammt die Töpferware aus Schwabmünchen, das damals Rapis hieß?
    Scherben eines Tongefäßes wurden gefunden: Stammt die Töpferware aus Schwabmünchen, das damals Rapis hieß? Foto: Sammlung Winzinger

    Das Straßennetz der mittleren römischen Kaiserzeit überzog die Landschaft der Provinz mit einem engmaschigen Geflecht von Verbindungslinien, die unterschiedliche Wertigkeiten hatten. Es gab ausgebaute Fernverkehrsrouten, ausgefahrene Ortsverbindungsstraßen oder auch einfache Feldwege und Pfade, die beispielsweise Gutshöfe miteinander verbanden. Die Straßen hatten in der Regel einen sehr guten Unterbau und wurden von Gräben zur Drainage begleitet. Gut erkennen ließ sich das Profil der Via Claudia Augusta bei einer Ausgrabung beim Neuhaus in Königsbrunn im Jahr 1984. In jüngster Vergangenheit wurden im Gewerbegebiet von Langerringen sowie bei der Erweiterung von Ritter im Süden von Schwabmünchen römische Funde gemacht.

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