In der Ausstellung „Aus Wort mach’ Kunst“ im Schwabmünchner Museum dreht sich alles um das geschriebene Wort. Besucherinnen und Besucher können unter anderem entdecken, wie die Schrift entstand, wie sie sich bis heute immer weiterentwickelte und was sie mit der Kunst verbindet.
Auch in Schwabmünchen wurde in der Vergangenheit viel geschrieben und gedruckt. In den Räumen des Museums wird die allgemeine Entwicklung der Schrift deshalb auch mit der Geschichte Schwabmünchens verwoben. So treffen Besucher etwa auf den Schwabmünchner Kalligrafen Leonhard Wagner (1453-1522), können das aktuelle Design Schwabmünchner Straßenschilder und Firmenlogos bewundern und begegnen beim Rundgang sogar einem ganz besonderen Teil Schwabmünchner Druckgeschichte: den Schränken und Maschinen des Verlags Oberländer. Vor der Gründung der Schwabmünchner Allgemeinen gab dieser Verlag in der Mitte des 20. Jahrhunderts die Amtsblätter und Zeitungen für Schwabmünchen heraus – und druckte sie auch direkt in Schwabmünchen.
Vom Handsatz zur schnellen Druckmaschine
Sechs Druckereischränke aus den 1930er-Jahren, voller Setzkästen, die wiederum mit vielen kleinen bis großen Druckbuchstaben aus Blei und Holz gefüllt sind, sind derzeit im Museum ausgestellt. Sie bilden ein heute fast vergessenes Handwerk ab: Das Drucken per Hand, mittels der einst von Johannes Gutenberg (1400-1468) erfundenen beweglichen Lettern. Spätestens seit dem 19. Jahrhundert gab es Bestrebungen, den aufwändigen Handsatz für das schnelllebige Zeitungsgeschäft zu vereinfachen. Erfindungen für den Maschinensatz, wie die ebenfalls im Museum ausgestellte Zeilengießmaschine „Typograph“, konnten den Handsatz jedoch nie komplett ersetzen. Das über 500 Jahre alte Druckerhandwerk abzulösen, gelang Ende des 20. Jahrhunderts erst dem modernen Computerdruck.
Umbruch im Druckwesen erlebt
Diese Umbruchszeit erlebte wiederum der Buchdrucker Heinz Barisch ab 1947, während seiner Ausbildung beim Verlag Oberländer und seiner weiteren Karriere beim Kalenderwerk Zettler in Schwabmünchen, hautnah mit. Im Museum kann man derzeit zwei Video-Interviews mit Heinz Barisch sehen, in denen er über seine Erfahrungen im Schwabmünchner Druckwesen berichtet. Die Schränke, Maschinen und Druckutensilien des Verlags Oberländer illustrieren dabei einen Teil der Erinnerungen und Erzählungen des in Bobingen lebenden Buchdruckers.

Die in „Aus Wort mach’ Kunst“ gezeigte Druckerei-Ausstattung des Verlags Oberländer ist auch deshalb so besonders, weil es sich dabei um die einzigen unversehrten Gegenstände handelt, die nach dem verheerenden Bombenangriff auf Schwabmünchen am 4. März 1945 aus den Trümmern des Verlagsgebäudes in der Bahnhofstraße geborgen werden konnten. Die Schränke, der Typograph und noch einige weitere, nicht gezeigte Maschinen befinden sich bereits seit über 30 Jahren als Dauerleihgaben im Museum. Warum sie seit den 1990er-Jahren nicht mehr ausgestellt wurden, deutet ein Zeitungsartikel innerhalb der Sonderausstellung an: Die frühere Museumsleiterin Barbara Michal beabsichtigte, die Druckerei-Ausstattung mit in die Dauerausstellung des Museums aufzunehmen, um damit das Thema der Industrialisierung im ländlichen Raum verdeutlichen zu können. Dieses Konzept wurde jedoch nicht umgesetzt.
Leihgaben gehen zurück an die Eigentümer
In den vergangenen Jahren hat sich im Museum hinter den Kulissen ebenfalls einiges zum Thema „Neuplanung der Dauerausstellung“ getan. Wäre das nicht die optimale Gelegenheit, die Leihgaben des ehemaligen Schwabmünchner Verlags endlich in die Dauerausstellung zu integrieren? Nein, sagen die derzeitigen „Museumsmacherinnen“ Alina Krüger und Dr. Doris Hafner. Stattdessen werden die Druckereischränke und Maschinen nach der Sonderausstellung „Aus Wort mach’ Kunst“ an die Eigentümer zurückgegeben. Die historischen Objekte werden Schwabmünchen also verlassen und vermutlich nie wieder so im Museum zu sehen sein. Doris Hafner erklärt: „Natürlich haben wir Überlegungen angestellt, die Druckerei-Ausstattung in unsere Dauerausstellung aufzunehmen. Leider ist dies jedoch wegen der Statik des Museumsgebäudes nicht umsetzbar. Ein einziger Schrank voller Bleilettern wiegt über 200 Kilo. Sechsfach gerechnet, und dann noch zusammen mit den ebenso schweren Druckmaschinen, ist das ein Gewicht, das die Decken in den oberen Geschossen nicht auf Dauer tragen können.“ Das Erdgeschoss des Museums soll Sonderausstellungen vorbehalten bleiben. Das neue Depotkonzept sehe vor, die Lagerräume zu verkleinern, um Platz und Kosten zu sparen. „Deshalb haben wir einfach keine Möglichkeit, diese Leihgaben weiterhin bei uns unterzubringen und müssen sie schweren Herzens zurückgeben“, so Hafner
Ausstellung noch bis Ende April zu sehen
Bis zum 27. April können die Druckereischränke und der Typograph des Verlags Oberländer ein letztes Mal im Museum besichtigt werden. Ein Besuch der Schriftkunst-Ausstellung kann dabei auch gut mit der Teilnahme an einem Workshop verbunden werden: Bis zum Ende der Ausstellung bieten Museum, Bücherei und Schreibwerkstatt der Stadt Schwabmünchen noch ein großes Rahmenprogramm für Kinder an, zum Beispiel einige Sprühkreide- und Zeichenkurse im Museum sowie einen spaßigen Reim-Workshop mit dem Osterhasen (23. April, ab 10 Uhr in der Bücherei). Zu Ostern findet im Museum die Osterrallye in zwei Schwierigkeitsstufen statt. Über die Veranstaltungen in Museum und Bücherei kann man sich auf dem Kulturportal der Stadt Schwabmünchen oder auf Facebook und Instagram genauer informieren. Für alle Veranstaltungen ist eine Anmeldung per E-Mail an museum@schwabmuenchen.de erforderlich. (AZ)
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
Registrieren sie sichSie haben ein Konto? Hier anmelden