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Smartphonefreie Klasse: Schulen in Schwabmünchen planen Handyverzicht

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Gibt es bald eine smartphonefreie Klasse in Schwabmünchen?

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    Wer will sein Kind schon dabei stören? Ab zehn Jahren ist das Handy kaum noch wegzudenken. 75 Prozent haben in diesem Alter bereits ein eigenes Gerät.
    Wer will sein Kind schon dabei stören? Ab zehn Jahren ist das Handy kaum noch wegzudenken. 75 Prozent haben in diesem Alter bereits ein eigenes Gerät. Foto: Britta Schaller

    Das erste eigene Handy bekommen Kinder meist spätestens mit Beginn der fünften Klasse. Vielen Eltern ist das zu früh – und das aus gutem Grund: Die Kindheit verändert sich, sobald ein Kind ein Smartphone besitzt. Toben, klettern, lesen, malen, Rad fahren oder sich einfach einmal langweilen - das erscheint vielen Kindern weniger spannend als WhatsApp, TikTok oder YouTube. Verbringen Kinder täglich Zeit vor dem Bildschirm, verlieren sie viele Kindheitserfahrungen. Studien zeigen zudem, dass Smartphones die Entwicklung einer gesunden Identität und eines stabilen Selbstwertgefühls stören. Gerade zwischen zehn und 14 Jahren prägt sich die Identität besonders stark. Soziale Netzwerke drängen die Kinder, sich auf ihr Aussehen und darauf zu konzentrieren, wie andere sie wahrnehmen und beurteilen. Dennoch entsteht Gruppendruck: Wer kein Smartphone hat, wird schnell zum Außenseiter. Die Idee solcher Klassen: Kinder in der fünften und sechsten Jahrgangsstufe verzichten komplett auf ein Smartphone – auch außerhalb der Schule. Im Mittelpunkt steht die freiwillige Selbstverpflichtung.

    Das erste Handy schon im Grundschulalter

    Angela Wahl, Rektorin der Grundschule in Graben, berichtet von einer Umfrage unter Erst- bis Viertklässlern: Mehr als die Hälfte besitzt bereits ein Handy. „Bei denjenigen, die noch keines haben, steht dann das Versprechen der Eltern im Raum, mit dem Übertritt in die fünfte Klasse eines zu bekommen“, sagt die Pädagogin. Am Leonhard-Wagner-Gymnasium überarbeitet man mit der Realschule derzeit gemeinsam die schulinternen Smartphone-Regeln. Gleichzeitig wollen die Schulen Eltern unterstützen, sich für einen späteren Smartphone-Start zu entscheiden.

    Medienkompetenz ist ein großes Bildungsziel

    In einem Schreiben an die Eltern der künftigen Fünftklässler stellt das Gymnasium in Aussicht, eine Klassengemeinschaft zu bilden, in der Kinder in der fünften und sechsten Klasse kein Smartphone erhalten. Voraussetzung: Es finden sich genügend Teilnehmer. Bei Bedarf richtet die Schule sogar eine weitere Klasse ein. Während dieser zwei Jahre lernen die Kinder, verantwortungsvoll mit neuen Technologien umzugehen. Die Schulleitung betont, dass dies in allen fünften und sechsten Klassen geschieht. Die smartphonefreien Klassen bereiten die Kinder zudem gezielt auf einen eigenverantwortlichen Umgang vor. Bei der Anmeldung in der kommenden Woche können Eltern formlos mitteilen, ob sie diese Möglichkeit wünschen. Bis Ende Mai informiert die Schule, ob eine smartphonefreie Klasse zustande kommt.

    „Alle haben, alle dürfen“ – Eltern im Zugzwang

    Petra Knaus, Grundschullehrerin an der Laurentiusgrundschule Bobingen und Mutter zweier Kinder, steht mit dem Übertritt selbst vor dem Thema. „Alle haben, alle dürfen…..“, Eltern kennen diesen Satz, berichtet die Pädagogin. Genau da gilt es ihrer Meinung nach anzusetzen. „Wie sollen Kinder Kompetenzen aufbauen, wenn das Smartphone stets präsent ist? Als Lehrerin möchte ich den Kindern einen sinnvollen, verantwortungsbewussten Umgang vermitteln.“ Dazu gehöre selbstverständlich die Verwendung von Tablets auch bereits in der Grundschule. Mit sinnvollen Nutzungsmöglichkeiten für die jeweilige Altersstufe. Sie und ihre Familie wollen ihren Kindern mit zehn Jahren noch kein Handy erlauben. „Mit dem Übertritt ist die Umstellung für die Kinder ohnehin groß.“

    Sandra Bergmann aus Untermeitingen, Mutter einer zehnjährigen Tochter, die ab September auf das Gymnasium in Schwabmünchen wechselt, legt Wert darauf, dass ihr Kind gut in der Schule ankommt. Ihr Argument: „Als künftiges Bus-Kind möchte ich wissen, dass sie gut ankommt und auch, dass meine Tochter die Möglichkeit hat, mich anzurufen, falls sie den Bus verpassen sollte. Deshalb bekommt sie ein Handy.“ Eine smartphonefreie Klasse kommt für sie nicht infrage. Am Augsburger Holbein-Gymnasium wollen Lehrer und Eltern ebenso gemeinsam ein besseres Lernklima schaffen – ohne Handy. Dort plant man ab dem kommenden Schuljahr auch eine solche Klasse. Soziale Netzwerke bleiben in dieser Zeit für die Schülerinnen und Schüler tabu. Denn Smartphones bedeuten ständige Ablenkung und verstärken oft Konzentrationsstörungen.

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