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Futsal

01.01.2020

Die Rückkehr der Blutgrätsche

Anhausens Benedikt Schmid war der Leidtragende bei der Rückkehr der Blutgrätsche auf das Hallenparkett. Er zog sich eine blutende Platzwunde am Kopf zu. Heimlich, still und leise wurde das Grätschverbot beim Futsal wieder aufgehoben.
Bild: Marcus Merk

Nachdem sich die an den Hallenfußball früherer Prägung gewöhnten Vereine endlich mit den neuen Regeln angefreundet haben, werden sie heimlich, still und leise wieder geändert. Was die Beteiligten dazu sagen

Fischach Mit dem TSV Bobingen wurde am Sonntag der Augsburger Landkreismeister im Hallenfußball ermittelt. Nach der Umstrukturierung auf schwäbischer Ebene ist der ganze Zeitplan durcheinandergekommen. Doch das ist nicht die einzige Tatsache, die vor der erstmals ausgetragenen Meisterschaft des Fußball-Kreises Augsburg am Montag, 6. Januar 2020, in der Friedberger TSV-Halle diskutiert wird. Auch der unterschiedliche Qualifikationsmodus und vor allem die Wiedereinführung der Grätsche ist ins Kreuzfeuer der Kritik geraten.

„Ich muss zugeben, dass ich mit dem Modus noch nicht so richtig zurande komme. Jetzt genießen wir erst mal den Landkreismeistertitel, dann wollen wir natürlich immer weiterkommen und natürlich super- gern bei der Schwäbischen spielen“, stellte Marco Di Santo, der Trainer des neuen Meisters die Sache infrage. „Der Modus ist ein bisschen komisch für mich, das verstehe ich nicht. Nächste Woche in Friedberg ist wieder ein Turnier für die Schwäbische. Also entweder man kommt als Erster weiter oder scheidet aus. Ich denke halt mal, dass es auch mit der Teilnahme der Vereine zu tun hat. Leider geht die zurück, weil immer wieder neue Dinge passieren“, meinte Burak Tok vom Finalisten SV Türkgücü Königsbrunn, der jetzt zusammen mit den beiden Viertelfinalsiegern TSV Neusäß und TSV Fischach zur Kreismeisterschaft fahren darf.

Dort wird man auf den FC Stätzling, der im Endspiel den FSV Inningen mit 2:1 besiegte sowie die Sportfreunde Friedberg und die TG Viktoria Augsburg treffen, die sich vor 196 Zuschauern in Dasing durchgesetzt haben.

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Nicht dabei ist der TSV Meitingen, der aber als letztjähriger Finalist automatisch für die schwäbische Endrunde in Günzburg qualifiziert ist. „Ich bin froh“, so TSV-Trainer Paolo Mavros. „Für mich wäre es schlecht gewesen, wenn wir am 6. Januar eigentlich für Nichts auch noch auftreten hätten müssen. Dafür habe ich die Leute nicht. In der Endrunde werden wir aber schon fast komplett auftreten.“

Ob dort auch wieder munter gegrätscht wird? „Das einzig vernünftige an den Futsalregeln wurde wieder abgeschafft“, war die einhellige Meinung aller Trainer. Nach fünf Jahren hatte man sich endlich an das körperlose Spiel gewöhnt. Vor der gemeinsamen „Landkreismeisterschaft“ des Landkreises Aichach-Friedberg mit der Stadt Augsburg sollen die beteiligten Trainer und Kapitäne die Schiedsrichter sogar darum gebeten haben, das Grätschen abzupfeifen.

In Fischach war das wohl nicht der Fall, denn im letzten Viertelfinale packte Fischachs Philipp Micheler gegen Benedikt Schmid die eigentlich schon eingemottete „Blutgrätsche“ aus, traf zwar dabei den Ball aber auch den Anhauser Spielertrainer, der im hohen Bogen mit dem Kopf auf das Parkett knallte und sich eine stark blutende Platzwunde zuzog. Während es hier nicht einmal ein Foul gab, mussten die Unparteiischen später gegen Bobingens Sebastian Jeschek, der seinen Gegenspieler bei einem taktischen Foul festhielt, zähneknirschend die Gelbe Karte zücken, da es im Futsal keine Zeitstrafe gibt. Glatt Rot wäre für dieses Vergehen zu viel gewesen.

Kein Wunder, dass sich Benedikt Schmid nach der Attacke gegen ihn echauffierte: „Das ist jetzt eine Mischung aus Hallenfußball und Futsal, es wird einfach nur noch das Grätschen gefördert. Solch eine Kombination ist für mich wirklich unsinnig. Eine etwas brutalere Grätsche wird am Ende des Tages nicht geahndet. Für uns ist es zum einen enttäuschend und zum anderen werden wir auch die Frage stellen, ob wir in Zukunft in dieser Form teilnehmen werden. Die Frustration ist natürlich wegen des Ausscheidens groß und auch wie mit der Härte auf dem Spielfeld umgegangen wird. Man möchte Halle spielen, weil es ja eine schöne Sache ist, wenn die eigentliche Runde vorbei ist. Aber wenn dann so etwas dabei herauskommt, muss man sich die Frage stellen, ob das noch Sinn macht. Der Verband sollte sich hinsichtlich der Regeln hinterfragen.“

Auch die Schiedsrichter hätten sehr grenzwertige Entscheidungen getroffen und keine einheitliche Linie gefahren. „Jeder Schiedsrichter hat irgendwie sein eigenes Ding durchgezogen. Einen Korridor darf es geben, aber dass die Entscheidungen so weit auseinandergehen, finde ich schon grenzwertig“, so Schmid.

„Wir waren selbst überrascht wegen den Regeländerungen“, wusste auch Kreisspielleiter Reinhold Mießl nicht, was er sagen sollte. „Wir können nichts machen, wenn der Verband die Regeln ändert. Es wird auf jeden Fall in den entsprechenden Sitzungen zur Sprache kommen müssen. Man hat jahrelang gekämpft, dass es einfach weniger Verletzungen gibt und die Vereine haben sich daran gewöhnt. Die waren selbst überrascht, dass es jetzt Hals über Kopf einfach geändert wurde. Ich war auf vielen Turnieren und es hat sich in Grenzen gehalten. Aber es hat halt schon einige gegeben, die wirklich vielleicht übertrieben haben und sich dachten, jetzt ist es ja wieder erlaubt.“

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