Schulprojekt

06.04.2011

Plötzlich ist alles ganz anders

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4 Bilder
Vorübungen zum Blindenfußball mit Kopfschutz und Brille: Es geht drum, sich aufeinander „blind“ zu verlassen.
Bild: Fotos: Reinhold Radloff

Mittelschüler sammeln neue Erfahrungen beim Behindertensport

Schwabmünchen „Hier!“, „Hier!“, „Hier!“, so rufen die sogenannten Caller durch die Hallen der Leonhard-Wagner-Schulen. Ansonsten ist es mucksmäuschenstill. Bis auf das Klingeln des Balles. Was ist das für eine Sportart? Blindenfußball.

„So motiviert und aufmerksam erleben wir unsere Schüler sonst nur selten“, meint Irene Zeiger-Schmid, Sportlehrerin an der Mittelschule Schwabmünchen, und beobachtet begeistert das eigenartig anmutende Treiben in der Halle. Alle Schülerinnen und Schüler der Klasse 9e tragen eine Art Kopfschutz und eine völlig abgedunkelte Skibrille.

Völlig verunsichert, machen die auf diese Art und Weise „Erblindeten“ erste äußerst unbeholfene Bewegungsversuche, wenn auch teilweise extrem amüsiert. Sofort wandern die Hände nach oben und suchen automatisch die Umgebung ab, die Schritte werden kleiner, die Bewegungen langsamer, vorsichtiger, ja ängstlich, nach einer Weile die Gesichtszüge angestrengter.

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Ganz schön schwierig und unangenehm

Und genau das soll unter anderem zunächst auch vermittelt werden bei diesem Telekom-Schulprojekt: „Ganz schön schwierig und unangenehm“, formuliert ein Schüler das Erlebnis, in völliger Dunkelheit sich zurechtfinden zu müssen.

„Wir wollen den Kindern neue Erfahrungen ermöglichen und bei ihnen soziale Kompetenzen wie Fairness und Respekt verstärken“, betont der Sportwissenschaftler Thomas Stephany, der seit 2009 von Schule zu Schule zieht und von den Schülern nur positive Rückmeldungen erhält, ob beim Selbstversuch Blindenfußball oder Rollstuhlbasketball. „Wir bauen so Berührungsängste mit Behinderten ab, erzeugen Verständnis für deren Probleme und schaffen Mut zur Hilfsbereitschaft.“

Vier „Blinde“ lassen sich auf die richtige Position auf dem Spielfeld bringen und warten, körperlich und geistig verunsichert. Jetzt kommt der laut rasselnde Ball ins Spiel. Der sehende Torwart und zwei weitere Rufer versuchen nun, ihre Spieler so zu dirigieren, dass sie den Ball ins Tor schießen. „Du musst ganz genau auf dein Gehör hören“, meint ein Schüler.

Zusammenstöße sind unvermeidbar. Erfolgserlebnisse auch, denn schon wenig Erfahrung verhilft zu großen Fortschritten im Spiel. Die Abhängigkeit von anderen bleibt aber trotzdem, sogar beim verzögerten Torjubel. Denn den „Testblinden“ muss ja gesagt werden, dass sie getroffen haben.

„Das Spiel hat viel Spaß gemacht und völlig neue Erfahrungen gebracht. Ich werde in Zukunft sicherlich offener und hilfsbereiter auf Blinde und andere Behinderte zugehen“, betont eine Schülerin, zieht ihre „Blindenbrille“ ab und tauscht sie gerne gegen die normale Sehhilfe.

Auf youtube.de gibt es Filme zum Blindenfußball.

Bilder zu dem Telekom-Schulprojekt „Neue Sporterfahrung“ gibt es im Internet unter

schwabmuenchner-allgemeine.de

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