Voltigieren

11.10.2018

Turnen statt reiten auf dem Pferd

Copy%20of%20IMG_2510(1).tif
2 Bilder

Eigentlich gilt der Sport als Einstieg ins Reiten, doch es werden Wettkämpfe ausgetragen. Wie sich die Noten zusammensetzen und der Auftritt bewertet wird

Lautes Klatschen, rund 350 Zuschauer, anmutige Mädchen und Jungen in bunten Kostümen und schön hergerichtete Pferde füllen die Halle des Reit- und Fahrvereins Schwabmünchen.

Beim Voltigierturnier traten sowohl Leistungs- als auch Nachwuchssportler gegeneinander in Einzelwettbewerben und Gruppenturnieren an. Am ersten Tag präsentierten 30 Gruppen, drei Doppelpaare und 23 Einzelvoltigierer ihr Können auf dem Pferd. Aufgeteilt wurden sie in A, L, M und S – die Buchstaben stehen für Anfänger, leicht, mittel, schwer. Ein Teilnehmer beziehungsweise eine Gruppe muss einige Pflichtübungen und -figuren vorführen und anschließend eine Kür, in der eigene Figuren und Gestaltung miteinfließen.

Wie wird festgelegt, welche Vorführung besonders gut war? Die Punktzahl – bestenfalls 10,0 – setzt sich aus vier Bestandteilen zusammen. Pferd, Voltigierer und Longenführer müssen eine Einheit sein, um gut abschneiden zu können. In der Pferdenote wird unter anderem mit einberechnet, wie das Pferd auf die Anweisungen und Hilfen des Longenführers reagiert und wie die Galoppade, die Art und Weise, wie das Pferd galoppiert, vom Pferd ausgeführt und vom Longenführer kontrolliert wird. Außerdem wird darauf geschaut, wie die Ausbinder, also die Zügel, gespannt sind, da die Voltigierer sie beim Turnen nicht selbst festhalten können. Beim Voltigierer selbst wird bewertet, wie der Schwierigkeitsgrad der gewählten Übungen bei der Kür ist, wie ordentlich die Figuren ausgeführt sind und wie der Auftritt gestaltet ist. Hierbei wird auf die Musikinterpretation, also wie die Bewegungen der Voltigierer auf die Musik abgestimmt sind, geachtet und ob die Kostüme zur Erscheinung passen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Die Auftritte der Einzelvoltigierer laufen nach einem bestimmten Muster ab. Pferd, Longenführer und Voltigierer laufen zusammen in die Longe. Nach der Begrüßung des Richters begibt sich der Voltigierer an den Rand, der Longenführer positioniert sich mittig. Mittels der Longe wird dem Pferd gezeigt, in welchem Radius es im Kreis laufen soll. Nach einem Handzeichen nimmt der Voltigierer Anlauf und macht einen Aufsprung auf den Pferderücken. Nun turnt er verschiedene Pflichtübungen, zum Beispiel die Fahne und die Mühle, während das Pferd im Gleichschritt weiterläuft. Danach springt der Voltigierer wieder ab. Nach einigen Runden, die das Pferd allein läuft, springt er wieder auf und führt seine individuelle Kür vor. Das Pferd ist mit speziellen Hauben, Diademen und Strümpfen geschmückt, der Voltigierer selbst mit einem farblich passenden Kostüm. Die Mädchen tragen Flechtfrisuren, oft mit eingeflochtenen Perlen, Lidschatten und Glitzer im Gesicht. So auch Charlotte Strauß, die Einzelvoltigiererin aus dem RFV Schwabmünchen. Sie belegte beim Einzelvoltgieren Junior den sechsten Platz.

Bei der Kür der Gruppen befinden sich im Gegensatz zum Einzelvoltigieren aus dem Team von rund sechs Voltigierern immer zwei bis drei auf dem Pferd. Das Team setzt sich aus Unter- und Obermännern und guten Turnern zusammen. Die Untermänner stemmen und stützen die Obermänner, die leicht sind und gute Spannung besitzen. Den Wettkampf der M-Gruppen Küren eröffnet ein reines Mädchenteam, das als Superhelden verkleidet ist. Batman, Superman, Flash – dazu läuft abenteuerliche Musik, und die Mädchen bauen immer wieder das nicht zu verkennende Faust-in-die-Höhe-Motiv ein, für das Superhelden bekannt sind. Ein gemischtes Team wählt das Mogli-Thema. Die Anzüge sind mit verschiedenen Tiermustern verziert, im Hintergrund hört man Trommeln und das typische Pfeifen von Balu, dem Bären.

Nach dem Auftritt der M-Gruppe des RFV Schwabmünchen endet der Wettbewerb. Neben dieser stellt der Verein auch noch vier weitere Voltigiergruppen, zwei in der Anfänger-Gruppe und zwei in der L-Gruppe. Alle Voltigierer aus dem Schwabmünchner Verein nahmen bei der am Samstag ausgetragenen Kreismeisterschaft von Augsburg und Aichach ebenfalls teil und erreichten gute vordere Plätze (siehe Infokasten). Charlotte Strauß schaffte es mit ihrem Auftritt im Einzelvoltigieren auf Platz zwei.

Um junge Voltigierer und Einsteiger zu fördern und an Wettbewerbe heranzuführen, fand am Sonntag, 7. Oktober, auch für Breiten- und Nachwuchssportler ein Turnier statt. Der RFV Schwabmünchen fördert seinen Nachwuchs in sechs Gruppen. Insgesamt nahmen 25 Gruppen und zwei Nachwuchseinzelvoltigierer teil. Auch an diesem Tag waren rund 350 Zuschauer da. Voltigieren gilt als sinnvoller Einstieg in den Reitsport. Ab vier Jahren können Kinder trainieren und Akrobatik, Gymnastik und den Umgang mit dem Pferd lernen.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
TorPolo.jpg
Eishockey

EHC präsentiert sich erschreckend schwach

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen