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Kanusport: Lehrerin aus Graben träumt von WM

Kanusport

Zwischen Klassenzimmer und Eiskanal: Wie eine Lehrerin aus Graben Sport und Schule vereint

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    Carolin Schaller aus Graben fährt für Italien Kanu, trainiert aber oft am Augsburger Eiskanal.
    Carolin Schaller aus Graben fährt für Italien Kanu, trainiert aber oft am Augsburger Eiskanal. Foto: Sebastian Richly

    Erst Unterricht, dann ab ins Kajak, danach werden Arbeiten korrigiert und die nächste Stunde vorbereitet, ehe es wieder in den Augsburger Eiskanal geht. Viel Freizeit bleibt Carolin Schaller nicht. Am Abend steht dann oft noch ein Besuch im Kraftraum an. Für die 28-jährige Kanutin lohnt sich der Aufwand, auch wenn sie wohl nie bei Olympischen Spielen um Medaillen kämpfen wird. Einen großen Traum hat die Lehrerin aus Graben dennoch. Alles fing mit einem toten Pony an.

    Vom Reitsport zur Kanutin: Das ist Carolin Schaller

    Erst spät, mit zwölf Jahren, kam Carolin Schaller zum Kanusport. Ihre Mutter meldete sie für einen Ferienkurs an. „Ich musste in den Sommerferien untergebracht werden“, erinnert sich die Gräbingerin. Das Paddeln machte ihr Spaß und war ein guter Ausgleich. An erster Stelle stand allerdings immer das Dressurreiten, das Schaller schon deutlich länger betrieb. Ein Schicksalsschlag veränderte dann alles. Als Carolin Schaller 16 Jahre alt war, starb ihr Pony. „Ich konnte dann nicht mehr Reiten. Es ging einfach nicht mehr.“ Und so intensivierte sie ihre Bemühungen im Kanusport. „Eigentlich war ich schon viel zu alt. Alle anderen waren im Kader und ich bin immer auf mich allein gestellt gewesen.“

    Die Lehrerin verbringt beinahe jede freie Minute im Kajak.
    Die Lehrerin verbringt beinahe jede freie Minute im Kajak. Foto: Sebastian Richly

    Dennoch trainierte Schaller wie verrückt und holte durch Fleiß viel auf. „Talent hatte ich schon immer und auch ein gutes Gespür für das Wasser, aber ich habe den Sport eben viele Jahre nur als Hobby betrieben und deutlich weniger trainiert als die anderen“, so die 28-Jährige, die aber immer besser wurde. Lohn waren zwei deutsche Meistertitel mit der Mannschaft und Platz drei im Europacup. Ihr großer Traum ist eine WM-Teilnahme. In den kommenden Wochen will sich die Lehrerin qualifizieren, und zwar für Italien, für dessen Verband sie antritt.

    Kanusport: Lehrerin aus Graben fährt für Italien

    Alles fing mit einem Rennen in Meran an. „Ich war dort ganz gut und wurde angesprochen, ob ich nicht für den Verein dort starten möchte.“ Aber diesen großen Schritt traute sie sich damals nicht zu. „Ich konnte die Sprache nicht und es wäre einfach nicht gegangen, allein schon beruflich.“ Damals studierte sie noch Grundschul-Lehramt an der Universität Augsburg. 2022 machte sie ihr Staatsexamen. Dabei spielte ihr die Corona-Pandemie in die Karten. „Wir konnten nur auf dem Lech trainieren und ich hatte viel Zeit zum Lernen.“ Also fokussierte sich Schaller auf ihre Abschlussprüfung. An ihrem Kajak brachte sie Lernzettel an und hörte nebenbei Podcasts, um sich vorzubereiten.

    Der große Traum der 28-Jährigen sind die Weltmeisterschaften.
    Der große Traum der 28-Jährigen sind die Weltmeisterschaften. Foto: Sebastian Richly

    Mit Erfolg: Mittlerweile unterrichtet sie an der Grundschule Süd in Königsbrunn. Eine Zeit lang konnte sie ihr Hobby geheim halten, doch irgendwann fiel den Schülern das große Kajak auf dem Dach ihres Autos auf. „Ich wollte das eigentlich nicht an die große Glocke hängen, aber die Schüler haben natürlich gefragt, was das ist und seitdem wollen alle das Kajak anfassen“, berichtet Schaller, die aber auch viel Unterstützung bekommt. „Die Schule und mein Kollegium unterstützen mich, sonst würde das gar nicht gehen.“ Die 28-Jährige arbeitet halbtags, meist an den ersten drei Tagen der Woche, weil es Donnerstag oder Freitag oft schon auf einen Wettkampf geht.

    Sportporträt: Carolin Schaller lebt in zwei Ländern

    Geld bekommt Schaller übrigens für den Kanusport nicht, sie muss alles selbst finanzieren. „Das ist schon viel Geld und viel Zeit, die da draufgeht. Das kann man nicht ewig machen, aber ich liebe es einfach und deshalb nehme ich diese Strapazen auf mich“, sagt die Gräbingerin, der neben Sport und Schule nicht allzu viel Freizeit bleibt. Täglich trainiert sie. Etwa einmal im Monat geht es nach Italien, wo sie dann in ihrer zweiten Heimat beim SC Meran trainiert. „Mittlerweile habe ich mich dort super integriert, alle sind voll nett und ich freue mich immer, wenn ich in den Süden fahre.“

    Dass sie quasi in zwei Ländern lebt, gefällt ihr besonders gut. „Ich habe hier neue Leute kennengelernt. Es ist eine andere Mentalität, alles ist viel lockerer und nicht so durchgetaktet.“ Nur die fehlende Organisation bringe sie ab und an auf die Palme. „Die Bedingungen sind nicht so gut wie in Deutschland, aber es macht mir sehr viel Spaß.“ Das gilt auch für den Kanusport. „Das Wasser ist nie gleich, jeder Tag und jeder Lauf ist anders. Am schönsten ist es, wenn man das Gefühl hat, über das Wasser zu fliegen, weil dann alles perfekt läuft.“

    Trotz der vielen Verpflichtungen absolviert die 28-Jährige ein Psychologie-Fernstudium. Auch wenn das heißt, dass nach einem harten Trainingstag abends noch für die Uni gelernt wird, ehe am nächsten Morgen wieder das Kajak aufs Autodach geschnallt wird und es ab in die Schule geht. Erst dann darf Carolin Schaller in ihr Element abtauchen. Sollte sie ihr Kajak einmal an den Nagel hängen, weiß die Gräbingerin schon, was sie mit ihrer freien Zeit machen will. „Ich wollte schon immer einmal nach Australien, habe aber nicht die Zeit.“

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