1. Startseite
  2. Specials Redaktion
  3. Augsburger Geschichte
  4. Aus der alten Kornschranne am Moritzplatz wurde ein Spritzenhaus

Historische Feuerwehr

23.02.2017

Aus der alten Kornschranne am Moritzplatz wurde ein Spritzenhaus

Copy%20of%20Kornschranne_1.tif
4 Bilder
Die 1740 erbaute Kornschranne war eine offene Halle. Der Merkurbrunnen, das Weberhaus (rechts) und der „Goldene Erker“ am Chor der Moritzkirche (links) erleichtern die Orientierung.
Bild: Sammlung Häußler

Ab 1809 waren die Feuerwehrgeräte bei der Moritzkirche untergebracht. Bei Einsätzen mussten alle Bürger ran, die ein Pferd besaßen. Doch auch Turner spielten eine wichtige Rolle.

Das organisierte Feuerlöschwesen hat in Augsburg eine lange Tradition: Bereits das „Stadtbuch“ von anno 1276 enthält eine Feuerlöschordnung! Um die gefürchteten Flächenbrände zu verhindern, bei denen ganze Stadtviertel abbrannten, waren Leitern, Lederkübel, Feuerhaken, Pumpen und Schläuche jahrhundertelang an verschiedenen Stellen gelagert. Die Männer der Lösch- und Rettungstrupps sollten bei Feueralarm mit den nötigen Gerätschaften möglichst schnell am Brandort sein.

Alle Bürger mit Pferden mussten bei Feueralarm ausrücken

Eine amtliche Veröffentlichung vom 7. Februar 1809 dokumentiert die Zentralisierung von Löschgeräten im Stadtzentrum: „Ab heute sind die Löschrequisiten in das zum neuen Feuerlösch-Requisitenhaus hergerichtete Schrannenhaus nächst der Moritzkirche transportiert worden. Sämtlichen mit Pferden versehenen Bürgern wird daher zur Pflicht gemacht, dass sie mit selben bei Feuerlärmen sogleich diesem zueilen“, heißt es in der Anweisung von 1809.

Bis dahin waren die Spritzen sowie andere Löschgeräte im ehemaligen „Jesuiten-Komödienstadel“ an der Jesuitengasse aufbewahrt worden. Dieses Gebäude gegenüber dem Kleinen Goldenen Saal benutzte ab 1809 das Militär als Reithalle. Später war darin das Leihhaus untergebracht, 1944 zerstörten Bomben das Gebäude.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Für die Kernstadt war ein zentrales Feuerwehrhaus unverzichtbar. Dafür bot sich das Schrannengebäude entlang der Moritzkirche an. In dieser Halle war jahrhundertelang der Kornhandel abgewickelt worden. 1807 war der Kornmarkt auf den Ulrichsplatz verlegt worden. Das 1754 errichtete Schrannengebäude bei St. Moritz bot sich als idealer, zentral gelegener Aufbewahrungsort für die „Feuerlösch-Requisiten“ an. Nach einem Umbau war das nunmehrige Feuerwehr-Zentralgebäude im Februar 1809 betriebsbereit.

Die Schranne bekam 1809 bei der Umwandlung zum Löschgeräte-Depot Tore, hinter denen die abfahrfertig bestückten Einsatzfahrzeuge bereit standen.
Bild: Sammlung Häußler

Turner gründeten Feuerwehrverein in Augsburg

Es dauerte danach noch 40 Jahre, ehe das Löschwesen in Augsburg auf eine neue Basis gestellt wurde. Die Initiative dazu ging nicht von städtischen Gremien, sondern von Turnern aus. Im Januar 1849 konstituierte sich ein „Rettungs-Verein bei Feuersgefahr“. Die sportlich trainierten Turner verpflichteten sich, Mensch, Tier und Besitz bei Bränden zu retten. Noch im selben Jahr wurde ein „Löschverein bei Feuersgefahr“ ins Leben gerufen, dem die Brandbekämpfung obliegen sollte. Man vereinte sich zum „Augsburger Rettungs- und Löschverein bei Feuersgefahr“. 1859 wurde der Name in „Augsburger Feuerwehr“ abgeändert.

Eine straffe Organisation machte die Feuerwehr schlagkräftig. An aktiven Mitgliedern herrschte kein Mangel: Ende 1849 waren es bereits 654. Man rechnete es sich zur Ehre an dazugehören, für den Ernstfall zu trainieren und als Erster am Brandplatz zu sein. Augsburg wurde zum Vorbild für die Gründung von Feuerwehren im Lande. Das „Requisitenhaus“ am Moritzplatz wurde zum zentralen „Feuerhaus“. Hier hatten sich bei Feueralarm sofort jene Männer der Löschmannschaften einzufinden, die für den Gerätetransport eingeteilt waren. Im Feuerhaus standen auf zweirädrige Handkarren gepackte Löschutensilien bereit. Hierher eilten Brauer, Droschkenkutscher und andere Pferdebesitzer mit ihren Rössern, um sie vor die größeren Fahrzeuge zu spannen. Für die Schnellsten waren Prämien ausgesetzt.

90 Jahre lang diente die ehemalige Kornschranne als Feuerhaus. Die Weiterentwicklung der Technik und größere Fahrzeuge zwangen in den 1890er Jahren zur Umschau nach einem geräumigeren, ebenfalls zentral gelegenen Gebäude. 1895 bot sich der Kauf des vom Militär geräumten Zeughauses durch die Stadt an. Es wurde bis 1899 zur Feuerwehrzentrale mit elektrischem Alarmierungssystem umgebaut. Gleichzeitig erfolgte die Gründung einer Berufsfeuerwehr, die den Wachdienst und eine Fahrbereitschaft mit sechs Pferden rund um die Uhr gewährleistete. Der freiwilligen Feuerwehr gehörten 1902 insgesamt 986 Mann an. Zwei „Filialfeuerhäuser“ in der Jakobervorstadt und in der Wertachvorstadt dienten als dezentrale Depots für Leitern und Spritzen.

1899 hatte also das einstige Schrannengebäude entlang der Moritzkirche als Feuerhaus ausgedient. Um diese Zeit gab es bereits Planungen für eine Durchbruchstraße, die Bürgermeister-Fischer-Straße. Dieser stand die 1754 errichtete, oftmals umgebaute Schranne im Wege: Im November 1906 wurde sie abgetragen. Die Nordseite der Moritzkirche blieb über sieben Jahrzehnte unverbaut. Erst 1979/80 wurde die heutige „Moritz-Schranne“ mit einer Ladenzeile und offenen Arkaden erstellt.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20Wassertechnik_1.tif
Augsburger Geschichte

Adam und Eva pumpten Trinkwasser

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen