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Verschwundene Gasthöfe

27.10.2016

Bälle und Feste im „Mohrenkopf“ am Predigerberg

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4 Bilder
Die prächtig gestaltete Speisenkarte des „Gasthofs zum Mohrenkopf“ stammt aus dem Jahre 1910. Die Abbildungen sollten Appetit auf die deftigen Gerichte machen.

Ein Berufsbildungszentrum löste das Lokal ab - die Wirtschaft wurde von Bomben zerstört. Doch eine alte Speisekarte von 1910 lässt in die Vergangenheit blicken.

An der Nordseite des Predigerbergs steht heute ein großvolumiger, kantiger Bau. Es ist ein 1962 eingeweihtes Berufsbildungszentrum. Sieben Fachschulen von der Berufsschule für Textil über die Berufsfachschule für Kinderpflege bis zur Fachakademie für Ernährungs- und Versorgungsmanagement sind dort beheimatet. Der Schulkomplex wird von Bäumen und Sträuchern zum Predigerberg abgeschirmt. Den Hintergrund bildet die Dominikanerkirche.

Bomben zerstören Mohrenkönig am Predigerberg

Bis zum mächtigen Kirchenbau reichte im Februar 1944 ein Bombenteppich, der südlich davon eine Zone der Totalzerstörung hinterließ. Entlang dem Predigerberg zwischen dem Vorderen Lech und der Kirche am Ende der Dominikanergasse standen bis dahin markante Häuser. Nach der Bombardierung war nur noch ein Gebäuderest bei der Dominikanerkirche bewohnbar. Als Totalschaden wurde der „Gasthof zum Mohrenkopf“, Predigerberg 9, eingestuft. Sein Aussehen überliefern Bildpostkarten und Fotos.

Vom „Mohrenkopf“ gibt es ein weiteres Erinnerungsstück: eine Speisekarte von 1910. Walburga Fischer aus Herbertshofen versah sie mit ihrem Namen sowie der Jahreszahl und verwahrte sie. Es war wohl im Spätherbst 1910, als sie im Mohrenkof speiste oder feierte – es stand nämlich Gänsebraten auf der Speisenkarte! Ein Sechstel kostete 60 Pfennig, ein Gansviertel 1,20 Mark. Auch Kalbsbrust, Schweinshaxe sowie Lendenschnitte vom Ochsen sind auf der vorgedruckten Speisenkarte mit Preisen versehen. Diese Gerichte waren also bestellbar, für 50 und 70 Pfennig pro Portion.

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Auch Hasenbraten (70 Pfg.), Schweinslüngerl (35 Pfg.) und Geräuchertes mit Kraut (40 Pfg.) gab es an diesem Tag. Der Kartoffelsalat dazu kostete zehn Pfennig, Röstkartoffeln dasselbe, Gurkensalat 15 Pfennig. Auf diese deftigen Schmankerln machte die aufwendig gestaltete Vorderseite der Speisenkarte mit Bildern Appetit. Der damalige Wirt Johann Wiedemann hatte sie von der renommierten Augsburger Lithographieanstalt Ringler und Sohn gestalten und drucken lassen.

Im Mohrenkopf fanden große Feiern statt

Ursprünglich war der „Mohrenkopf“-Wirt auch Besitzer des Doppelanwesens Litera A 72/73 am Predigerberg. Um 1890 war der „Mohrenkopf“ an den „Arbeiter-Fortbildungsverein“ verkauft. Einige Jahre später kam das Anwesen in den Besitz des Kaufmanns J. L. Schwarz. Er hatte im Parterre eine Eisenwarenhandlung eingerichtet und danach die aus zwei großen Gebäuden bestehende Immobilie erworben.

Den Gasthof betrieben nun Pächter. Sie warben oftmals in den Tageszeitungen. „Empfehle meine sehr hübschen und geräumigen Gesellschaftslokalitäten und Säle zur Abhaltung von Hochzeiten, Vereinsfestlichkeiten, Versammlungen etc.“ inserierte im Januar 1904 der Betreiber des Gasthofs. Die Bezeichnung „Gasthof“ besagte, dass der „Mohrenkopf“ über Fremdenzimmer verfügte. In einer „Gaststätte“ konnte man nicht übernachten.

Auf einer „Hauspostkarte“ aus dem Jahr 1900 ist der „Gasthof zum Mohrenkopf“ am Predigerberg abgebildet. Um 1890 war der „Mohrenkopf“ an den „Arbeiter-Fortbildungsverein“ verkauft.

In dem Gebäudekomplex an der Nordseite des Predigerbergs gab es 1902 neben dem Gasthof, Sälen und Fremdenzimmern acht Mietwohnungen in den oberen Stockwerken. Das Adressbuch für 1933 führt darin 25 Mietparteien auf. Das deutet darauf hin, dass Säle und Gästezimmer in Wohnungen umgewandelt worden waren. Eigentümerin war 1933 die Kaufmannswitwe Anna Schwarz. Ihr folgte bald die Stadt Augsburg als Besitzerin. Die Gastronomie betrieb eine Wirtin.

Der „Mohrenkopf“ und die Mieter wurden im Februar 1944 „ausgebombt“, wie es damals hieß. Bis auf ein bewohnbares stadteigenes Restanwesen unmittelbar an der Kirche gab es an der Nordseite des Predigerbergs nur ausgebrannte Ruinen.

Die Stadt erweiterte in diesem Bereich ihren bereits stattlichen Grundbesitz und erwarb nach der Trümmerräumung die häuserlosen Flächen. Ehedem elf Grundstücke wurden zu einem einzigen vereinigt, von zehn Hausnummern blieb nur Predigerberg 1 erhalten. Das ist die Anschrift des Berufsbildungszentrums. Es erstand von 1960 bis 1962. Die über 500 Jahre alte Dominikanerkirche überragt die Schulgebäude. „Römersteine“ am Predigerberg weisen den Weg zur Kirche, die 1966 zum Römischen Museum wurde. Es wird derzeit saniert. Die Toskanische Säulenhalle im Zeughaus dient noch einige Jahre als Interims-Römermuseum.

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