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Baugeschichte

08.09.2016

Berühmte Augsburger zieren Bankfassade am Bahnhof

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Die Bahnhofstraße in den 1930er Jahren: Das markante Gebäude mit der Aufschrift „Staatsbank“ über dem Eingang trägt darüber noch den hohen Dachaufbau von 1899.

An der Bahnhofstraße wurde 1899 die „Königlich-Bayerische Filialbank“ eingeweiht. Über das Innenleben des historischen Gebäudeteils gingen mehrere Modernisierungswellen hinweg.

Am Sonntag findet in Augsburg die zentrale bundesweite Eröffnungsveranstaltung des deutschen Denkmaltags auf dem Elias-Holl-Platz statt. Die imposante Fassade der Rathaus-Rückseite bildet die passende historische Kulisse. Augsburg wurde von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz aus gutem Grund zur Eröffnung des in Deutschland zum 24. Mal veranstalteten Tags des offenen Denkmals ausgewählt: Augsburg besitzt eine Vielzahl von Baudenkmalen aus unterschiedlichsten Epochen.

Auf der Denkmalliste steht natürlich das 1620 fertiggestellte Renaissance-Rathaus, aber auch entschieden jüngere Bauwerke - beispielsweise an der städtebaulich noch relativ jungen Bahnhofstraße. Sie weist zehn als Baudenkmale unter Schutz stehende Gebäude auf. Ein Bau hebt sich architektonisch ab: die HypoVereinsbank, Bahnhofstraße 11. Das war schon zur Erbauungszeit 1898/99 so. Das neue Bankgebäude sollte sich von benachbarten Bauwerken unterscheiden, die Augsburger Architekten konzipiert hatten. Aus diesem Grund beauftragte die Bauherrin, die „Königliche Bank von Bayern“, den Münchner Albert Schmidt, eine „Königlich-Bayerische Filialbank“ zu errichten. Die Einweihung fand am 29. Oktober 1899 statt.

Seit 1875 verfügte die anno 1780 gegründete „Königliche Bank“ über eine Dependance in Augsburg. Sie befand sich 24 Jahre lang in der Annastraße. Die staatliche Bank sparte an ihrem Neubau nirgendwo - weder innen noch an den Fassaden. Der Bau ist architektonisch reich gegliedert und mit figuralem Zierrat versehen. Einiges vom ursprünglichen Fassadenschmuck fehlt inzwischen allerdings.

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Großteil der Fassadendekoration überlebte die Bombenangriffe

So war über dem Eingangsportal die Büste des Bauherrn, des Prinzregenten Luitpold, angebracht. Zwischen zwei Damen in wallenden Gewändern schaute er herab. Diese Gruppe verschwand bei einer Renovierung. Nur das verschlungene Monogramm Luitpolds erinnert noch an den einstigen bayerischen Regenten. Den Dachbereich über dem Eingang überragte ein Schaugiebel mit großem bayerischem Wappen und dem Baujahr MDCCCIC. Dieser Aufbau wurde im Zweiten Weltkrieg Opfer eines Bombenangriffs.

Der Großteil der üppigen plastischen Fassadendekorationen blieb erhalten. Da steckt auch viel Symbolik darin: Eine Frau hält mit der rechten Hand das bayerische Wappen, mit der linken ein Schild mit der Zirbelnuss - sie verbindet das Königreich mit Augsburg! So viele berühmte Augsburger Männer sind an keinem Gebäude in der Stadt vereint, wie ausgerechnet an der einstigen Bayerischen Staatsbank.

Als steinerne Büsten schauen ein Fugger und ein Welser auf Passanten auf der Bahnhofstraße herab. Von der Schrannenstraße aus blickt man zum Stadtwerkmeister Elias Holl (1573-1646), zum Humanisten und Diplomaten Konrad Peutinger (1465-1547), zum Maler Hans Burgkmair (1473-1531) sowie zu dem 1854 der Cholera zum Opfer gefallenen Schriftsteller und Geistlichen Christoph von Schmid hoch. Man muss auf Straßenebene den Kopf in den Nacken legen, um die Herren hoch oben identifizieren zu können.

Brunnen aus der Schalterhalle verschwand bei Modernisierung

In welch gediegenem Ambiente einst Bankkunden empfangen wurden, überliefern nur mehr Fotos. Bis zum Ende des Königreichs Bayern hatte hier die „Königlich Bayerische Filialbank“ residiert. Nachdem Bayern 1919 ein Freistaat geworden war, hieß die Bank über ein halbes Jahrhundert lang „Bayerische Staatsbank“. 1971 folgte die Fusion mit der „Bayerischen Vereinsbank“. 1998 kam der Tausch des Schriftzugs gegen „HypoVereinsbank“, der seither am einstigen königlich-bayerischen Bankpalast darauf hinweist, welcher Finanzdienstleister hier jetzt ansässig ist.

1911/12 wurde das 1899 bezogene Bankgebäude durch einen Trakt an der Bahnhofstraße verbreitert. Diese Erweiterung ist der Architektur des Urbaus angepasst. Ganz anders präsentiert sich ein Neubau entlang der Schrannenstraße, der mit einer verglasten Brücke mit dem Altbau verbunden ist: Er erstand in der glattflächigen Architektur des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Über das Innenleben des historischen Gebäudeteils gingen mehrere Modernisierungswellen hinweg. Aus der einstigen Schalterhalle verschwand bereits 1948 bei der ersten Umgestaltung nach dem Zweiten Weltkrieg ein Brunnen mit einer „Augusta“. Diese Steinplastik mit einer Zirbelnuss in der rechten Hand steht jetzt über einem Brunnenbecken am Silbermann-Areal an der Haunstetter Straße.

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