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Reichsstadt Augsburg

01.03.2017

Das Siegelhaus von Elias Holl war ein Zollamt für Wein und Salz

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3 Bilder
Der Herkulesbrunnen und das Schaezlerpalais (rechts) ermöglichen die Orientierung für dieses Bild: Das Siegelhaus stand bis 1809 in der Mitte der heutigen breiten Maximilianstraße.

Mit dem Anschluss an Bayern wurde das Haus überflüssig - der Bronzeadler des Giebels überlebte. Was das Gebäude mit einem Loch in der Maximilianstraße zu tun hat.

Die Maximilianstraße zwischen dem Herkulesbrunnen und den Ulrichskirchen ist ein breiter Boulevard. So sieht dieser Abschnitt der „Kaisermeile“ seit gut 200 Jahren aus. Dass dieser Straßenzug einmal „verbaut“ war, ist kaum noch vorstellbar. Doch viele Bilder belegen, dass hier das reichsstädtische Siegelhaus und daran anschließend gegen St. Ulrich die Wein- und Salzstadel standen. Im Dezember 2015 wurden die Augsburger an diese Tatsache erinnert. „Tiefes Loch in der Maxstraße“ lautete damals eine Titelzeile in der Augsburger Allgemeinen. Auf einer Fläche von etwa sechs Quadratmetern war die Straßendecke weggesackt.

Die Erklärung für dieses Loch war für Insider nicht schwierig: Darunter liegt das Restgemäuer des Siegelhauses. 1809 war alles Oberirdische abgetragen, Keller und Grundmauern aber im Boden belassen worden. In der Verfüllung entstanden Hohlräume, in die Anfang Dezember 2015 die darüber verlaufende Straße einbrach. Historische Abbildungen dokumentieren die Situation vor 1809: Am Herkulesbrunnen blickte man südwärts auf einen mächtigen Giebel mit einem großen Bronzeadler. Dieser im Jahr 1606 vom Bronzeplastiker Hans Reichle gestaltete, fast zwei Meter hohe Adler ist das einzige Relikt von diesem Gebäude. Der seine Flügel öffnende Adler ist im Viermetzhof des Maximilianmuseums aus nächster Nähe zu betrachten.

Elias Holl baute das Siegelhaus in Augsburg

Das Siegelhaus sowie die daran anschließenden Wein- und Salzstadel bildeten eine lange Bautenzeile zwischen der Heilig-Grab-Gasse und dem Ulrichsplatz. An einer Seite davon verlief die Hallgasse und an der anderen die Stockgasse. Die städtischen Wein- und Salzlager waren Handelsplätze mit immens hohen Umsätzen. Das damit verbundene Siegelhaus hieß so, weil darin nach Entrichtung des „Ungeldes“ (Steuer) die „Bezahlt“-Siegel für die Freigabe zum Verkauf erteilt wurden. Hier war das „Ungeldamt“ untergebracht.

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Alle in die Stadt kommenden Fuhrwerke mit Weinfässern mussten das Siegelhaus und die daran anschließenden Weinstadel zur Besteuerung und Lagerung ansteuern.

„Zu den wichtigsten Einnahmen der Stadt gehört das Ungeld von schwankender Ware, das ist von Bier, Wein, Branntwein, Honig, Essig etc.“, erklärt Paul von Stetten 1788. Vor allem zum Versteuern „schwankender Ware“ hatte Stadtwerkmeister Elias Holl 1604 das Siegelhaus erbaut. Reichsstädtische Bedienstete wie Fasszieher, Visierer und Fasseicher waren mit der Abwicklung des Weinhandels betraut. Große Gewölbe hinter dem Siegelhaus dienten als Zwischenlager.

So wichtig wie der Wein war das Salz für die Steuereinnahmen. Alle Salzfuhrwerke, die in die Stadt kamen, mussten unverzüglich den Weg zu den Salzstadeln nehmen. Hier wurde die Ladung geprüft, registriert und im Siegelhaus versteuert. Erst danach durften die Augsburger „Salzfertiger“ – so hießen die Salzhändler – das in Scheiben angekommene Salz in Empfang nehmen. Sie zerstießen die harten Scheiben zu Feinsalz und verkauften es in Kleinmengen weiter.

Zollstelle wurde überflüssig, als Augsburg zu Bayern kam

Bereits in den 1770er-Jahren war die Beseitigung des Siegelhauses sowie der Wein- und Salzstadel von der Reichsstadt ins Auge gefasst worden. Finanznot verhinderte den Abbruch zu diesem Zeitpunkt. 1806 verlor Augsburg seine Selbstständigkeit als Reichsstadt und wurde Bayern einverleibt. Zölle und Steuern kassierte jetzt das Königreich. Zur Abwicklung des Imports und Exports von Waren ließ die bayerische Regierung 1808 in der Nähe des Siegelhauses eine riesige Zollhalle errichten. Ein großer Zollhof lag davor. Über diesen Hof verläuft jetzt die Hallstraße. Das Zollgebäude ist zum Schulhaus umfunktioniert und Teil des Holbein-Gymnasiums.

1809 wurden das Siegelhaus sowie die Wein- und Salzstadel abgetragen. Nun bekam der Südteil der Maximilianstraße jene beeindruckende Breite, wie wir sie kennen. Die Ulrichskirchen bilden den Abschluss. 1813 besuchte der Dresdener Johann Gottlob von Quandt Augsburg. Er schildert in seinem Reisetagebuch eine Phase, die als Episode in der Geschichte der „Kaisermeile“ gilt. Er bewunderte „die prächtige Maximilianstraße, welche durch das Einreißen mehrerer Gebäude an Größe ungemein gewonnen hat. Die Bäume, womit diese Straße bepflanzt ist, geben jetzt noch wenig Schatten, benehmen aber auch noch nicht den jeden in Erstaunen setzenden Anblick von Größe.“

Kornmarkt auf dem Straßenpflaster von den St.-Ulrichs-Kirchen anno 1819. An dieser Stelle standen bis 1809 die Salzstadel.
Bild: Sammlung Häußler

Die 1813 beschriebene Situation überliefert ein Bild. Die Grünanlage verschwand bald wieder. Sie erwies sich als unpraktisch, denn sie behinderte die Abwicklung des Kornhandels auf dem „Maximiliansplatz“. So hieß der Ulrichsplatz ab 1806. Den Getreidemarkt auf dem Straßenpflaster vor St. Ulrich dokumentiert ein Stich von 1819. Der Kornmarkt fand dort unter freiem Himmel bis zum Bau einer Schrannenhalle an der Halderstraße im Jahre 1873 statt.

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