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Luftfahrtstadt

13.10.2016

Hüllen für Luftschiffe kommen auch heute noch aus Augsburg

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Seit 2015 kreist dieses mit 6700 Kubikmeter Heliumgas gefüllte 60-Meter-Luftschiff über deutschen Städten. Die riesige Hülle fertigte Ballonbau Wörner in Augsburg.
Bild: WDL

Die Firma Ballonbau Wörner ist Spezialist für Riesenballone und Luftschiff-Hüllen. Sie belieferte unter anderem die Olympischen Spiele in Rio und das Disneyland Paris.

Ein Zeppelin auf Rundfahrt über dem Bodensee gehört zum gewohnten Anblick für Urlauber am „Schwäbischen Meer“. In Friedrichshafen wurde er gebaut und dort hebt er auch ab. In langsamer Fahrt gleitet das weiße Luftgefährt mit zwölf Passagieren in mäßiger Höhe über den Bodensee. In Friedrichshafen ließ 1901 Graf Zeppelin sein erstes Riesenluftschiff fertigen. Aus Augsburg kam dazu die Hülle. Die 1897 gegründete Ballonfabrik Riedinger lieferte sie.

Stoff für Ballone und Zeppeline kommt immer noch aus Augsburg

Auch August Riedinger konstruierte und baute Luftschiffe. Während Zeppeline ein „Korsett“ aus Leichtmetall besitzen, bestand die Gashülle von Riedingers „Parseval“-Luftschiffen aus trägerlosem Stoff. Lediglich ein Netz umhüllte den nach dem Ballonprinzip gefertigten Tragekörper. Daran hingen Gondel und Motoren. Solche Luftschiffhüllen entstehen immer noch in Augsburg. Das in Fachkreisen in aller Welt bekannte Unternehmen Ballonbau Wörner im Oberhauser Industriegebiet ist Spezialist für Gasballone und für Luftschiffhüllen.

Im Mai 2015 konnte die „Haut“ für eine 59,75 Meter lange, 19,30 Meter hohe „Riesenzigarre“ an die WDL Luftschiffgesellschaft in Mülheim an der Ruhr ausgeliefert werden. Das Luftschiff kreiste inzwischen viele Stunden als Werbeträger und mit Passagieren an Bord über deutschen Städten. Acht Personen haben in der Kabine Platz. Über ihr halten 6700 Kubikmeter Heliumgas die Hülle des Prallluftschiffs straff. Von innen beleuchtet, wirkt es nachts trotz seiner gewaltigen Ausmaße filigran. Dann sehen die Schweißnähte der Hülle wie ein zartes Gerippe oder Spinnennetz aus. Zwei Motoren treiben das Luftschiff an.

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Die Augsburger Ballonbauer stehen in direkter Nachfolge zur berühmten Ballonfabrik Riedinger. Dort war Leonhard Stuttgart rund 25 Jahre tätig, ehe er sich 1963 selbstständig machte, um Gasballone und Gasspeicher zu fertigen. Seit 1988 heißt das Unternehmen „Ballonbau Wörner GmbH“. Es zählt weltweit zu den Marktführern im Gasballonbau. Dort bestellt „Rosie O’ Grandy’s Flying Circus“ in Orlando/Florida ebenso wie deutsche und ausländische Ballonfahrtvereine.

Augsburger Hersteller liefert in die ganze Welt

Sie schätzen die netzlosen Freiballone aus Augsburg. Diese bestehen aus extrem leichtem synthetischem Hüllengewebe und werden in Standardgrößen von 380 bis 1000 Kubikmeter geliefert. Die aktuelle Fertigungsnummer ist 110 – die meisten sind noch im Einsatz. Die Highlights von Ballonbau Wörner sind jedoch Fesselballone vom Typ „Aero 30“ mit rund 6000 Kubikmeter Fassungsvermögen. Jährlich entstehen auf den langen Tischen bis zu vier solcher Riesenkugeln. Das ist der größte Fesselballon „made in Augsburg“. Derzeit sind weltweit 20 gefüllt, davon in Frankreich und in den USA je sechs, einer sogar in China.

Diese Großballone werden als „Lifte“ eingesetzt. Dank der Füllung mit dem nicht entflammbaren, farblosen Naturgas Helium sind sie von innen wirkungsvoll zu beleuchten. Einer der jüngsten war am 5. August in Rio de Janeiro zum Beginn der Olympischen Spiele einsatzbereit. Geschäftsführer Sebastian Matt war selbst zur sachgerechten Aufrüstung der mit 6100 Kubikmeter Helium gefüllten Kugel mit 22,68 Meter Durchmesser in Brasilien. Er genoss als einer der Ersten den fantastischen Ausblick, ehe bei jedem Aufstieg bis zu 30 Gäste in der Gondel aus 150 Meter Höhe den Blick auf die Olympiastätten und die Stadt erleben durften. Das Prinzip dieser schwebenden „Aussichtskanzeln“: Dünne Stahlseile halten die Passagiergondel und den gefüllten Ballon. Die Passagiere nehmen in der Gondel Platz, die einige Meter unter dem mit einem Netz überzogenen Ballon hängt. Dann geben Winden langsam Seil frei und der Ballon „liftet“ die Passagiere nach oben. Der Ballon steigt trotz daran hängender tonnenschwerer Last, denn ein Kubikmeter des Edelgases Helium hebt 1,11 Kilogramm.

Über 22 Meter Durchmesser besitzt der zu den Olympischen Spielen in Brasilien gelieferte Großballon. Bei jedem Aufstieg ermöglichte er 30 Passagieren den Blick auf die Stadt und die Wettkampfstätten aus 150 Metern Höhe.
Bild: WDL

Diese Tragekraft macht sich auch Disneyland bei Paris zunutze. Ballonbau Wörner lieferte dorthin 2004 den ersten Großballon, 2012 wurde er durch einen neuen ersetzt. Da das Oberteil der aggressiven Bestrahlung mit ultraviolettem Licht besonders stark ausgesetzt ist, wurde es 2016 erneuert. Von den Besuchern begehrt sind dort die nächtlichen Aufstiege. Ungezählte spektakuläre Erinnerungsfotos vom Vergnügungspark in buntem Lichterglanz entstehen jeden Abend aus 150 Meter Höhe.

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