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Geldgeschichte

19.01.2017

Königreich Bayern: Einstieg in eine neue Ära der Geldwirtschaft

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1866 wurden zur Tilgung bayerischer Staatsschulden drei Millionen dieser Fünf-Gulden-Scheine gedruckt.

Als die Reichsstadt bayerisch wurde, verlor sie das Münzrecht. Könige und die Patrona Bavariae zierten die Geldstücke. Was sich von 1806 bis 1872 in Augsburg getan hat.

Ab 1. Januar 1806 hatten der bayerische König Max I. Joseph und seine Verwaltung das Sagen in Augsburg. Wie der neue oberste Landes- und Stadtherr aussah, zeigten bald Münzen mit seinem Porträt. Selbst kleine Werte wie Ein- und Sechs-Kreuzer-Stücke trugen Königsporträts. Auf der Gegenseite war immer das bayerische Wappen mit Krone abgebildet.

Prägen ließ bayerisches Geld das Königliche Münzamt in München. Alte Augsburger Münzen blieben nach 1806 zwar noch lange im Umlauf neben dem bayerischen Münzgeld, doch neues „Stadtgeld“ durfte nicht mehr hergestellt werden. Ab 1806 galt die bayerische Münzordnung – wobei „Münze“ wörtlich zu nehmen ist: Bayerisches Papiergeld gab es erst 30 Jahre später.

Vor 1806 gab es viele Währungen in Augsburg

Münzen des Kurfürstentums Bayern waren natürlich schon vor 1806 in Augsburg im Umlauf. Bezahlt wurde mit vielen Währungen, auch mit den in Günzburg geprägten Maria-Theresia-Talern. Eine Einheitswährung gab es nicht. Besonders beliebt waren auch in Augsburg die im 18. Jahrhundert in großer Zahl geprägten bayerischen „Madonnentaler“. Sie zeigten auf einer Seite die in den Wolken thronende Patrona Bavariae, auf der Gegenseite ein Kurfürstenporträt. Diese schweren bayerischen Silberlinge wurden häufig zu Anhängern an Uhrketten und als Umhängeschmuck an langer silberner Kette verarbeitet.

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Abertausende bayerische Großmünzen sind zu kiloschweren Schützenketten verbunden, kleinere Werte zieren Trachtenkleidung. Silberne Sechs- und Zehn-Kreuzer-Stücke wurden massenhaft zu Knöpfen für Männer- und Frauentrachten. In vielen Gegenden Bayerns gehören „Knöpfleswesten“, Münzknöpfe an Röcken, an Jankern und Silbermünzen als klimpernde Gehänge zum festen Bestandteil von Trachtenkleidung. Es gibt zwar preiswerte Münzimitationen als Knöpfe, doch bei Trachtlern sind nach wie vor echte historische Münzen gefragt.

1809 beantragte die Vereinigung der Augsburger Kaufmannschaft beim Königlichen Finanzministerium, wiederum Krontaler zu prägen. Das Ministerium nahm die Anregung auf und ließ von 1809 bis 1825 in etlichen Serien insgesamt acht Millionen Krontaler herstellen. Die 29,4 Gramm schweren Silbermünzen mit einem Durchmesser von 38,3 Millimeter waren ein internationales Zahlungsmittel.

Könige und Marienabbildungen auf den Münzen

Die erste Krontaler-Serie trug das Porträt des ersten bayerischen Königs Maximilian I. Joseph, nach seinem Tod 1825 kam sein Nachfolger Ludwig I. zu „Münz-Ehren“. Auf einem Zwei-Gulden-Silberling von 1855 ist der dritte bayerische König Max II. porträtiert. Doch nicht seinetwegen, sondern wegen der Schauseite verschwanden davon frisch geprägte Münzen als Sammelobjekt aus dem Umlauf: Abgebildet war Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm. Dies trug dem Zwei-Gulden-Stück die Bezeichnung „Marientaler“ ein. Er war zur Erinnerung an die Wiederherstellung der Mariensäule in München im Jahr 1855 geprägt worden.

Max I. Joseph als bayerischer König auf einem 1821 geprägten Kreuzer.
König Max II. von Bayern – er regierte von 1848 bis 1864 – auf einem Doppelgulden von 1855. Wegen der Rückseite wurde die Münze „Marientaler“ genannt.

Münzen waren viele Jahrhunderte die einzigen Barzahlungsmittel. Das erste Papiergeld in Bayern wurde im Jahre 1836 ausgegeben. Die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank bekam das königliche Privileg, Scheine auszugeben. Sie wurde zur Bayerischen Notenbank. Erfunden hatte sie das Papiergeld jedoch nicht: Die ersten Geldscheine in Europa wurden bereits anno 1484 in Spanien ausgegeben. Das Königreich Preußen hatte 1806 Fünf-Taler-Scheine in den Umlauf gebracht.

In Bayern bildeten 1836 lediglich 100000 Gulden in Banknoten zu 10 Gulden den Einstieg in eine neue Ära der Geldwirtschaft. Zur Überraschung der Politiker und Banker wurden diese Scheine rasch zu einem beliebten Zahlungsmittel, obwohl die Banknoten lediglich ein „Zahlungsversprechen ohne Materialwert“ waren. So ist es auch noch heute. Die erwartete Skepsis gegen scheinbar wertloses Papier wurde 1836 mit der Zusicherung der Bank unterlaufen, dass sie die Noten „jederzeit in bares Geld“ – also Münzen – umtausche.

Ab 1839 wurden auch bayerische 100-Gulden-Noten gedruckt. Sie blieben bis 1871 in Gebrauch. 1866 wurden als Folge des verlorenen Krieges gegen Preußen von der „Königlich-Bayerischen Staats-Schuldentilgungs-Commission“ Fünf-Gulden-Scheine im Gesamtwert von 15 Millionen Gulden ausgegeben. Fünf Jahre später war der Gulden als bayerische Währungseinheit passé. Am 4. Dezember 1871 beschloss der Deutsche Reichstag: „An die Stelle der in Deutschland geltenden Landeswährungen tritt die Reichsgoldwährung. Ihre Rechnungseinheit bildet die Mark.“

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