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Festzüge

25.08.2016

Millionen Blumen für einen prächtigen Korso durch die Innenstadt

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3 Bilder
Kleiner Bilderbogen vom Festzug der Kleingärtner vor 50 Jahren, am 3. September 1966. „Märchen und Sagen“ lautete das Generalmotto. Mit vielen tausend Blüten waren die Wagen gestaltet, die das Rathaus passierten. Beifall begleitete den Zug auf der gesamten Strecke. Fotos: Sammlung Häußler

Augsburgs Kleingärtner begeisterten die Zuschauer 1966 mit fantasievoll geschmückten Wagen. Warum die Naturliebhaber zehn Jahre zuvor Blumenzwiebeln statt Kartoffeln pflanzten.

2015 feierte der Stadtverband Augsburg der Kleingärtner sein 100-jähriges Bestehen mit einer Jubiläumsschrift und einem Fest auf der Kleingartenanlage Hirblinger Straße. Die Öffentlichkeit nahm diese 100-Jahr-Feier nicht in dem Maße wahr, wie das ein halbes Jahrhundert zuvor beim 50. Jubiläum der Fall war. Am 4. September 1966 gab es einen großartigen Blumenkorso durch die Innenstadt. Tausende säumten die Strecke, Tausende Farbaufnahmen dokumentieren die prächtigen Wagen. Eine solche Dia-Serie liefert die Illustrierung des heutigen Augsburg-Albums.

Kleingärtner wollten sich der Öffentlichkeit präsentieren

Das 50. Stadtverbands-Jubiläum war zwar bereits 1965, doch ein Jahr später war die Tagung des Landesverbandes Bayerischer Kleingärtner in Augsburg angesetzt. Bei dieser Gelegenheit wollten sich die Kleingärtner öffentlichkeitswirksam präsentieren. Dies gelang mit einem Blumenkorso bei schönstem Festzugwetter.

Bereits von 60 Jahren, vom 24. bis 26. August 1956, fanden ein bayerischer Verbandstag der Kleingärtner und der erste Nachkriegs-Blumenkorso in Augsburg statt. Die 1950er-Jahre gelten als eine besondere Epoche. Man lebte bereits in der sogenannten „Wirtschaftswunderzeit“. Die Nachkriegs-Notjahre waren zu Ende. Die Kleingärtner genossen es, statt Kartoffeln wieder Blumenzwiebeln pflanzen zu können. Das war 1956 nötig, denn für die Gestaltung der Festwagen war ein Bedarf von rund einer Million Blüten veranschlagt. Der Stadtverband hatte 22000 Gladiolenzwiebeln bestellt, die Kleingärtner besorgten die Aufzucht.

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Die in den Kleingärten gewachsenen Blumen reichten aus, Ende August 1956 Festwagen in üppiger Blütenpracht zu präsentieren. Der Festzug bewegte sich zwar noch zwischen etlichen vom Bombenkrieg verursachten Baulücken, zog aber auch an Neubauten wie dem Hotel Drei Mohren und an der neuen Fassade der Fuggerhäuser in der Maximilianstraße vorbei. 1956 feierte man den 200. Geburtstag von Wolfgang Amadeus Mozart mit einem Mozart-Jahr. Aus diesem Grund waren etliche der 42 Blumenwagen fantasievoll mit Motiven zu Mozart und zur Stadtgeschichte gestaltet.

Zehn Jahre später lautete zwar das Generalmotto „Märchen und Sagen“, doch man nahm es 1966 nicht so genau mit dieser Vorgabe. So fuhren die „Schwäbische Eisenbahn“, ein „Germanischer Götterwagen“ und das Turamichele im Festzug mit – bestaunt und beklatscht von Tausenden an der Strecke des Blumenkorsos. Aufstellungsbereich war die Johannes-Haag-Straße. Dort formierte sich der Zug. Durch das Jakobertor kam er auf die Jakoberstraße und die Pilgerhausstraße.

Blumenkorso vor 60 Jahren, im August 1956. 42 Blumenwagen zogen im Mozart-Jahr 1956 durch Augsburg. Die fantasievollen Motivwagen reichten vom Fliegen bis zu Szenen aus Mozart-Opern. Der Fotograf hatte sich gegenüber der neuen, geometrisch gegliederten Fassade der Fuggerhäuser an der Maximilianstraße platziert.

Nach dem Leonhardsberg schwenkten die teils von Pferden gezogenen, teils motorisierten Wagen sowie die Fußgruppen in die Karolinenstraße Richtung Maximilianstraße ab. Wendepunkt war der Ulrichsplatz. Am Moritzplatz bog der Zug zum Königsplatz ab. Er endete in der Heilig-Kreuz-Straße.

Gärten waren lange wichtig, um Familien zu ernähren

In der Festschrift zur 100-Jahr-Feier des Stadtverbands der Kleingärtner im Jahr 2015 sind Geschichte und Gegenwart aufbereitet. Die Frühgeschichte steht unter dem Titel „Aus der Not geboren“. Bereits im 19. Jahrhundert stellten Textilfabriken ihren Arbeitern Kleingrundstücke zur Versorgung ihrer oftmals kinderreichen Familien zur Verfügung. Ein Stadtratsbeschluss vom Januar 1914 forcierte die Ausweisung von sogenannten Mietgärten.

1915 kam es zum Zusammenschluss der Gartenanlagen im „Gartenbau-Verein e. V. Augsburg“. Bald nach Beginn des Ersten Weltkriegs begann die Rationierung von Lebensmitteln. Nun war die Selbstversorgung eine Notwendigkeit, um nicht hungern zu müssen.

Das war auch so nach dem Ersten Weltkrieg, in der Inflationszeit der 1920er-Jahre und in der Arbeitslosenzeit der 1930er-Jahre. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg half wiederum ein Kleingarten beim Überleben der Städter, die ansonsten nur auf die magere Zuteilung auf Marken angewiesen waren.

Die Notwendigkeiten und die Denkweisen haben sich gewandelt. In unserer Zeit stehen die Erholung und die sinnvolle Freizeitbeschäftigung, der Ökogedanke und die Freude an der Eigenerzeugung von Lebensmitteln im Vordergrund. Dazu besteht in Augsburg in 52 Kleingartenanlagen des Stadtverbandes die Möglichkeit. Sie reichen von der flächenmäßig kleinsten Anlage „Berliner Allee“ (1991 Quadratmeter) mit elf Parzellen bis zur Anlage „Herrenbach“, wo 282 Kleingärten ein Areal von 83186 Quadratmetern einnehmen.

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