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Innenstadt

15.12.2016

Problemhaus am Leonhardsberg: Ein Baukoloss mit wechselvoller Geschichte

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3 Bilder
Das Foto vom 22. Oktober 1953 überliefert die Entstehungsgeschichte des Leonhardsbergs. Im Vordergrund verläuft der Mittlere Graben, rechts im Hintergrund der Schmiedberg. Die Straßenbahntrasse verläuft durch die Großbaustelle.

Der Gebäudekomplex zwischen Schmiedberg und Leonhardsberg beherbergte schon einmal ein Hotel. Jetzt soll er eine gediegene Adresse für Geschäfte und Wohnungen werden

Der Baukoloss zwischen Schmiedberg und Leonhardsberg wirkt derzeit wie ein Rohbau oder ein Abbruchgebäude. Doch genau das Gegenteil geschieht: Die Total-Entkernung ist die Vorbereitung für einen „neuen“ Bau mit dem Gerippe des Altbaus. Es ist allerdings ein relativ junger „Altbau“, der neu belebt werden soll. Das Gebäude in typischer Nachkriegs-Bauweise wurde erst im Frühsommer 1959 vollendet.

Stadtgeschichtlich jung ist auch der Leonhardsberg. Er ist seit Dezember 1954 befahrbar. Die sacht steigende Rampe bildet das nach dem Zweiten Weltkrieg neu geschaffene Teilstück der 2,5 Kilometer langen Ost-West-Verkehrsachse zwischen Jakobertor und Stadttheater. Die Straßentrasse hatten Bomben 1944 durch eine Zone der Totalzerstörung geschlagen. Stadtplaner nutzten die Möglichkeit für eine wichtige Verkehrserschließung, für die es schon 1931 Konzepte gab.

Leonhardsberg entstand erst in der Nachkriegszeit

Der Leonhardsberg ist eine Straßenrampe, die den Höhenunterschied zwischen der Jakobervorstadt und der zwei Stockwerke höher beginnenden Karlstraße überwindet. Hier verlief zuvor lediglich das schmale Saugäßchen. Die 1952 von Stadtbaurat Walther Schmidt vorgelegten Pläne sahen nicht nur einen neuen Straßenzug, sondern entlang dieser Achse Neubauten vor, die städtebauliche Akzente setzen sollten. Die Bebauung am neuen Leonhardsberg solle „großstädtischen Charakter“ erhalten.

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Das Bekleidungshaus „Mages“ und gegenüber der Neubau der Brauereiwirtschaft „Goldene Gans“ bildeten an der Karolinenstraße den markanten oberen Abschluss des Leonhardsbergs. Als diese Gebäude 1954 standen, lag bergabwärts noch ein großes, von Ruinen geräumtes Grundstück. Für dessen Bebauung fand sich ein überregionaler Investor. Er ließ mehrere Varianten für die Bebauung ausarbeiten.

Das Konzept des Architekten Raimund von Doblhoff gefiel. Der Österreicher hatte sich in Augsburg als Nachkriegs-Baumeister der Fugger einen Namen gemacht. Sein Entwurf zeigt auf dem dreieckigen Grundstück ein großvolumiges Geschäfts- und Wohnhaus mit Schaufenstern sowie Balkonen an der Südseite. 1957 begann der Bau eines Apartmenthauses mit einem 40-Zimmer-Hotel in den beiden obersten Geschossen. Läden im Erdgeschossbereich wurden in der Höhe der Hangsituation angepasst und sind teilweise zweistöckig. Auf dem Flachdach gab es ein Restaurant sowie drei Terrassenwohnungen. 1959 war das Fertigstellungsjahr.

Gebäude am Schmiedberg steht schon lange leer

Bereits 20 Jahre nach dem Bezug kam der erste Umbau: 1979 wurden aus den Hotelzimmern Büros. 2003 erwarb ein Schweizer Investor den Baukomplex. Er habe vor, daraus ein Hotel mit 125 Apartments machen, hieß es damals. Diese Pläne wurden nicht verwirklicht. 2007 gab es eine neue Baugenehmigung für den Umbau zu einem Wohn- und Geschäftshaus. Auch daraus wurde nichts. Das von den Mietern verlassene Gebäude stand leer.

Als sich im Juli 2008 die städtische Bauverwaltung mit einem Investor darauf einigte, den sichtlich heruntergekommenen Komplex zu einem Studentenwohnheim umzubauen, schien endlich eine passende Neunutzung gefunden. Doch es geschah jahrelang nichts. Vandalismus machte sich breit, Schaufenster mussten notdürftig verbrettert werden. Ansonsten tat sich weder innen noch außen etwas, was auf einen in Gang gekommenen Umbau hingedeutet hätte. 2011 wechselte die Problem-Immobilie in den Besitz eines Investors in Dubai. In seinem Auftrag folgten Planungen und Kostenberechnungen für ein Hotel im Vier-Sterne-Bereich. Die Stadt stimmte auch dieser Variante zu.

Problemimmobilie soll von Außen so bleiben

Als Anfang 2015 im Inneren Abbrucharbeiten in Gang kamen, schien das der Anfang für den Umbau zum Hotel. Doch ein Beauftragter des arabischen Besitzers verneinte. Das Hotelprojekt sei an zu hohen Kosten gescheitert. Der Eigentümer hätte die Immobilie gerne wieder veräußert, doch habe sich dafür kein Käufer gefunden, also behielt er sie. Es gebe jetzt ein Konzept für eine Neunutzung: Der 2015/16 erfolgten totalen Entkernung werde die Aufteilung in zwei Bereiche folgen: unten Ladengeschäfte, oben Wohnungen. Leonhardsberg 6 soll eine gediegene Wohnadresse werden! Denkmalschutz und Stadtheimatpflege legen Wert darauf, die äußere Architektur der 1950er Jahre zu erhalten. Das Gebäude ist als städtebaulich prägendes Bauwerk dieser Epoche eingestuft.

Dieses Haus am Schmiedberg macht der Stadt Sorgen: Ein Investor aus den Vereinigten Arabischen Emiraten wollte es sanieren und zum Hotel umbauen. Diese Pläne sind inzwischen gescheitert. Gemeinsam mit der Stadt will der Investor aber an der Umsetzung eines neuen Konzepts arbeiten.
Bild: Anne Wall

Der Häuserbereich westlich davon zwischen Schmiedberg und Leonhardsberg sowie zwischen Karolinenstraße und Belzmühlgäßchen – er umfasst das einstige Mages-Haus, die vormalige Handwerkskammer und weitere Gebäude – ist derzeit ebenfalls im Umbau. Das gesamte gewaltige Bautenkonglomerat mit zum Teil historischer Bausubstanz ist im Besitz einer Augsburger Familie. Als künftiger Mieter großer Flächen steht der Bezirk Schwaben fest. Er wird hier mehrere Referate unterbringen.

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