1. Startseite
  2. Specials Redaktion
  3. Augsburger Geschichte
  4. Vor dem Schmelzofen gerettete Kupfer-Schätze

Weltkriege

04.08.2016

Vor dem Schmelzofen gerettete Kupfer-Schätze

Copy%20of%20Kupfer_3b.tif
3 Bilder
Kannen unterschiedlichster Art und Größe waren aufgereiht. Vor 100 Jahren gebräuchliche, ineinander stapelbare Gewichtssätze standen auf Tischen. Diese Gegenstände waren während des Ersten Weltkriegs vor dem Einschmelzen bewahrt worden.

Eine späte Spurensuche nach Exponaten der Augsburger Sammlung, die 1940 verschwunden sind. Den Ersten Weltkrieg hatten viele Kupferteile überstanden.

Der Wollmarkt (Anschrift: Am Rabenbad 5) war ursprünglich ein Dominikanerinnenkloster. Die 1521 erbauten historischen Gebäude gingen in den Besitz der Paritätischen Hospitalstiftung über. Die Bezeichnung „Wollmarkt“ tragen sie zu Recht: 60 Jahre lang, von 1855 bis 1914, fand in den Räumen, unter den Arkaden und im Freien alljährlich im Juni der jeweils viertägige Augsburger Schafwollmarkt statt. Zwischen 2000 und 4000 Zentner wurden umgesetzt. Dass auf dem selben Areal ab 1855 ein paar Jahrzehnte lang auch der Hopfenmarkt stattfand, schlug sich in keinem Namen nieder.

Augsburg hatte ein Museum für Kupfersammlung

Vom Wollmarkthof aus beeindrucken die Arkaden mit Kreuzgratgewölben und gemauerten Säulen, im Inneren der einstige Kapitelsaal mit hohen Gewölben. Der gefühlvoll restaurierte, fast 500 Jahre alte stilvolle Raum dient als Veranstaltungshalle. Auch die angrenzende einstige gewölbte Klosterküche und Nebenräume sind restauriert und nutzungsgerecht ausgestattet.

Im Hauptraum der um 1920 eingerichteten Kupfersammlung war eine Vielzahl metallener Haushaltsgegenstände zu sehen. Sie waren von „Metallspenden“ während des Ersten Weltkriegs abgezweigt worden.

Eine in den 1930er-Jahren entstandene Fotoserie dokumentiert ihren damaligen Verwendungszweck als Museum: Hier befand sich die Augsburger Kupfersammlung! 24 Aufnahmen zeigen an den Wänden hängende Backformen, aufgereihte Kannen und Eimer mit und ohne Deckel, Handmörser auf Fenstergesimsen und Schränken. Auf Tischen sind Serien ineinander stapelbarer Gewichte zu sehen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Teller und Krüge aus Metall stehen auf Borden. Gefäße jeglicher Art aus Kupfer, Zinn oder Eisen, wie sie einst in Haushalten, Gaststätten, Bäckereien oder in Geschäften im Gebrauch waren, werden in den weiß getünchten Räumen gezeigt. Die Fotos zeugen von einem Augsburger Museum, das in Vergessenheit geraten ist.

Bei Recherchen im Jahr 1981 gab es noch Zeitzeugen, die sich an das Museum erinnern konnten. Sogar über die Herkunft der ausgestellten Gegenstände konnte eine Augsburgerin Auskunft geben: „Während des Ersten Weltkriegs sammelte man Metalle aller Art zur Herstellung von Waffen und Munition. Aus den abgelieferten Gegenständen sortierte jemand eine Unmenge wertvollen alten Haushaltsgeräts aus und ließ es verschwinden.“ Mit diesen aus Privatbesitz abgegebenen, jedoch von der Sammelstelle nicht zum Einschmelzen abgelieferten Beständen soll um 1920 das Museum eingerichtet worden sein.

Was im Zweiten Weltkrieg übrig blieb, landete im Maximilians-Museum

Diese mündliche Überlieferung bestätigt teilweise ein 1927 gedruckter Stadtführer. Darin heißt es bei der Beschreibung des Wollmarktgebäudes: „Ebendort befindet sich die sogenannte Kupfersammlung, eine in der ehemaligen Klosterküche in mehreren Räumen eingerichtete stimmungsvolle Sammlung von Gegenständen des täglichen Bedarfs, zum Teil aus der Metallbeschlagnahme.“ Öffnungszeiten: an den Werktagen vormittags und nachmittags jeweils zwei Stunden. Einritt: 30 Pfennig. Das „Kupfermuseum im Heilig-Geist-Spital“ wird letztmals im Adressbuch für 1941 unter „Sammlungen und Museen“ aufgeführt. Danach reißen die Nachrichten über die Sammlung und ihren Verbleib ab. Das dürfte eine Folge der Metall-Ablieferungsaktionen im Zweiten Weltkrieg gewesen sein. Im März 1940 war die Bevölkerung zur ersten Metallsammlung aufgerufen worden. Weitere sogenannte „Metallspenden des Volkes“ folgten.

Es ist anzunehmen, dass die Bestände des Kupfermuseums davon nicht völlig verschont blieben. Es unterstand dem Maximilianmuseum. Das bestätigte bei Recherchen nach dem Verbleib 1981 dessen langjährige Leiterin, Dr. Hannelore Müller. Ob von den Beständen noch etwas erhalten sei, fragten damals Zeitungsleser. „Was vor einer Altmaterialsammlung während des Zweiten Weltkriegs gerettet werden konnte, befindet sich in Depots des Maximilianmuseums“, konnte Hannelore Müller feststellen. Die schönsten Stücke gebe es noch. Sogar die Inventarliste des Kupfermuseums konnte ausfindig gemacht werden.

Die Augsburger Allgemeine berichtete im Dezember 1981 über die Ergebnisse der Nachforschungen unter der Überschrift „Altes Kupfer liegt im Museums-Depot“.

Das Maximilianmuseum verfügt über reichhaltige Bestände unterschiedlichster Art zur Stadtgeschichte, aus denen der jetzige Museumsleiter, Dr. Christoph Emmendörffer, alljährlich Sonderausstellungen bestückt. Vielleicht werden auch mal Exponate aus dem einstigen Kupfermuseum im Wollmarkt gezeigt, um die in Vergessenheit geratene Geschichte dieser einstigen sehr speziellen Sammlung wieder in Erinnerung zu bringen.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20Max_4.tif
Augsburger Geschichte

Kaiser Maximilian verabschiedet sich 1518

ad__starterpaket@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Die schnellsten Lokalnachrichten - live,aktuell und multimedial.
Alle Online-Inhalte auf allen Endgeräten zu jeder Zeit, mtl. kündbar.
Damit sind Sie daheim und im Büro immer auf dem Laufenden.

Zum Web & Mobil Starterpaket