1. Startseite
  2. Specials Redaktion
  3. Augsburger Geschichte
  4. Währungsreform 1871: Mark und Pfennig statt Gulden und Kreuzer

Geldgeschichte

26.01.2017

Währungsreform 1871: Mark und Pfennig statt Gulden und Kreuzer

Banknoten über 20, 50, 100 und 1000 Mark, ausgegeben zwischen 1906 und 1910. Diese Scheine hatten damals einen sehr hohen Einkaufswert. Fotos: Franz Häußler

1871 wurde eine einheitliche deutsche Währung beschlossen. Münzen aus Bayern durften Königsporträts tragen. Doch der Reichsadler spielte eine ganz besondere Rolle.

Am 18. Januar 1871 wurde das Deutsche Kaiserreich ausgerufen, am 4. Dezember 1871 beschloss der Reichstag: „An die Stelle der in Deutschland geltenden Landeswährungen tritt die Reichsgoldwährung. Ihre Rechnungseinheit bildet die Mark.“ Erstmals sollte es eine deutsche Einheitswährung geben: die Mark. Eine Mark entsprach 0,358423 Gramm Feingold. Das 1869 eingeführte Dezimalsystem bei Maßen und Gewichten schlug sich 1871 auch in der neuen Mark-Währung nieder: Eine Mark war in 100 Pfennige zu unterteilen.

Die Mark war im Münzwesen ein altbekannter Begriff. „Eine feine Marck“ ist schon eine 1764 geprägte Augsburger 24er-Münze (20 Kreuzer) beschriftet. 1760 hatte man sich in einer der vielen Münzkonventionen darauf geeinigt, dass zehn der im gesamten Römisch-Deutschen Reich gültigen, auch in Augsburg geprägten „Conventionstaler“ das europaweit anerkannte Münzgewicht „Eine Kölnische Mark Silber“ (233,855 Gramm) besitzen mussten.

1871 kam die einheitliche Währung für Deutschland

Dem Reichstagsbeschluss von 1871 zufolge lösten Mark und Pfennig in allen deutschen Königreichen, Fürstentümern, Herzogtümern, Markgrafschaften und den Freien Städten Bremen, Hamburg und Lübeck Dukaten, Taler, Gulden, Kreuzer, Schillinge, Heller, Groschen und Silbergroschen ab. Das war eine Radikalmaßnahme zur Einführung eines einheitlichen Zahlungsmittels im gesamten, aus vielen Bundesstaaten gebildeten Deutschen Kaiserreich.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Diese Währungsumstellung war nicht an einem Tag wie die Währungsreform von 1948 möglich. Sie dauerte viele Jahre. Parallel zur Mark blieben Altwährungen gültig. Ursprünglich sollten bis zum Inkrafttreten der Reichs-Goldwährung im Reichsgebiet am 1. Januar 1876 alle nicht auf Mark lautenden Scheine aus dem Verkehr gezogen sein. Das erwies sich als nicht durchführbar. Noch im Jahr 1887 wurden Umrechnungs- und Vergleichstabellen für alte Banknoten und Münzen veröffentlicht. Es dauerte rund 20 Jahre, ehe im Deutschen Reich ausschließlich Mark-Banknoten und -Münzen in Umlauf waren. Das zweite Reichsmünzgesetz vom 9. Juli 1873 legte fest, aus welchen Metallen die neuen Münzen bestehen und wie die Aufschriften lauten mussten: Ein-, Zwei- und Drei-Pfennig-Münzen waren in Kupfer zu prägen, Fünf- und Zehn-Pfennig-Stücke in Nickel, 20- und 50-Pfennig-Münzen in Silber, genauso Eine-Mark- und Zwei-Mark-Münzen.

Fünf-Mark-Stücke durften anfangs aus Gold und Silber gemünzt werden. Der 1,99 Gramm leichte Gold-Fünfer erwies sich jedoch in der Praxis als zu klein.

Er kam nur 1877 und 1878 zur Ausgabe, denn die Bevölkerung bevorzugte den Silber-Fünfer. Er wog 13,88 Gramm und bestand zu 90 Prozent aus Silber. 10- und 20-Mark-Münzen blieben „Goldfüchse“. Sie wurden in riesigen Stückzahlen geprägt: Ende August 1873 gab es bereits 725 Millionen 20-Mark- und 127 Millionen 10-Mark-Münzen.

Der Reichsadler war wichtiger als der Landesherr

Die deutsche Mark-Währung war bis zum Ersten Weltkrieg zu einem Drittel mit Gold gedeckt. Die „Goldmark“-Scheine hießen offiziell „Reichsbanknoten“. Von den grünen Fünfzigern, blauen Hundertern und braunen Tausendern wurden zahlreiche Auflagen ausgegeben. Münzen von einem Pfennig bis zu einer Mark sahen im gesamten Reichsgebiet auf Vorder- und Rückseite einheitlich aus. Ab zwei Mark musste eine Seite stets den Reichsadler zeigen, die Gegenseite durfte bis 1918 das Porträt des Landesherrn des ausgebenden Bundesstaates oder bei Freien Städten deren Hoheitszeichen schmücken.

Bayern nutzte dieses Recht zur Münzprägung zur Darstellung bayerischer Regenten: 1877/1878 kamen 770000 Gold-Fünfer mit dem Konterfei von König Ludwig II. zur Ausgabe. Auch sein Bruder Otto, Prinzregent Luitpold und Bayerns letzter König Ludwig III. sind auf Edelmetall-Münzen abgebildet. Sie waren deutschlandweit im Umlauf - ebenso wie Regenten auf Geldstücken anderer deutscher Länder.

Schon zur Römerzeit nutzten Kaiser die Möglichkeit, sich durch ihr Porträt auf Münzen im gesamten riesigen Römischen Reich bekannt zu machen. Von fast allen Kaiser-Münzen wurden Exemplare in Augsburg geborgen. Bislang kamen hier rund 15000 Römermünzen an Tageslicht. Deutsche Kaiser sind ab 1519 auf Münzen überliefert, die in Augsburg geprägt wurden.

Lesen Sie auch: Stadtmünz prägte den letzten echten Augsburger "Pfenning"

Königreich Bayern: Einstieg in eine neue Ära der Geldwirtschaft

Reichsmark: Als Billionen-Scheine Zahlungsmittel waren  

Die D-Mark ersetzte 1948 die Reichsmark  

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Angströhre 1
Verkehrsgeschichte

Augsburg und seine unbeliebten Fußgängertunnel

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden