Einer der prägendsten Termine meiner Zeit bei der Lokalzeit führte mich nach Obersdorf am Lech und zu Josef Schäfstoß. Im Gespräch, das ich anlässlich des 80. Jahrestags der Befreiung vom Nationalsozialismus mit ihm geführt habe, erzählte er vom Krieg, von Angst und Alltag in den letzten Tagen und vom Moment, als die Amerikaner in den Ort kamen.
Aus diesem Termin ist eines meiner Lieblingsstücke entstanden, weil es exemplarisch zeigt, was Lokaljournalismus besonders stark macht: Er bewahrt Erinnerung dort, wo Geschichte passiert ist – im konkreten Ort, in Familienbiografien und in Details, die in großen Gesamtdarstellungen oft verschwinden. Das Stück macht deutlich, dass die letzten Kriegstage nicht „weit weg“ waren, sondern mitten in der Region stattgefunden haben und bis heute nachwirken.
Zeit läuft ab: Zeitzeugenberichte werden immer rarer
Gerade in Deutschland besteht dabei eine besondere Verantwortung. Die NS-Zeit und der Zweite Weltkrieg prägen die Erinnerungskultur bis heute. Zeitzeugenberichte sind eine Quelle, die bald nicht mehr verfügbar ist. Gerade deshalb ist es wichtig, diese Stimmen einzufangen, solange es noch möglich ist – nicht nur als Faktenlieferanten, sondern als Träger von Erfahrung, Emotion und moralischer Einordnung. Für mich als Historikerin, die an der Universität zu den Forschungsschwerpunkten NS- und Nachkriegsgeschichte geforscht hat, war der Termin doppelt bedeutsam.
Mehr Informationen über den Tag des Lokaljournalismus gibt es hier.
Mehr über die journalistische Ausbildung an der Günter Holland Journalistenschule und was das Volontariat alles beinhaltet, erfahren Sie hier.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren