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Lehrstellenoffensive

07.04.2017

Junge Mutter und gleichzeitig Lehrling

Ihre Ausbildung zur Kauffrau im Gesundheitswesen macht Franziska Theiß in Teilzeit. Dadurch hat sie nachmittags Zeit für ihre drei Kinder.
Bild: Ulrich Wagner

Als Jugendliche bekommt Franziska Theiß ihr erstes Kind. Eine Teilzeitausbildung ermöglicht es der heute 30-Jährigen, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen.

Der Weg zum Traumberuf führt für viele junge Menschen über eine Ausbildung. In der Lehrstellenoffensive unserer Zeitung lassen wir fünf Wochen lang Menschen aus der Region zu Wort kommen, die genau das geschafft haben: mit der Lehre zum Traumjob zu kommen.

Eigentlich hatte Franziska Theiß nach ihrem Mittelschulabschluss schon einen Ausbildungsvertrag unterschrieben. Angetreten hat sie die Stelle aber nicht. Denn mit 16 Jahren wurde Theiß Mutter. Jahrelang arbeitete sie dann mal in einem Callcenter, mal als Bedienung und bekam mit ihrem Ehemann zwei weitere Kinder.

Ausbildungsende mit 30

Heute ist Theiß 30 Jahre alt und wird ihre Ausbildung zur Kauffrau im Gesundheitswesen doch noch abschließen. Das ist deshalb möglich, weil Theiß in der Stadtklinik im Diako in Augsburg in Teilzeit arbeitet und so genug Zeit für ihre Kinder hat.

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Der Diakonieverein Mittleres Ries hat bewegte Jahre hinter sich. Im zweiten Quartal des vergangenen Jahres kam es zu deutlich geringeren Einkünften. Mittlerweile geht es dem Verein aber wieder besser.

Theiß’ Tage beginnen meist schon vor sechs Uhr morgens. In Biburg bei Augsburg lebt sie mit ihrem Mann und den gemeinsamen Kindern. Ihr ältester Sohn Leon wohnt bei seinem Vater im Nachbardorf. Nach dem Frühstück bringt sie Anna-Sophie in den Kindergarten, Ben-Luca geht in die Grundschule.

Krankenhausalltag

Um acht Uhr beginnt Theiß’ Tag im Krankenhaus. In der Diako-Stadtklinik arbeitet sie im Bereich Patientenverwaltung. „Wir nehmen Patienten auf, notieren ihre Daten, entlassen sie und machen die Abrechnungen mit den Krankenkassen“, fasst Theiß ihre Aufgaben zusammen.

In den vergangenen 14 Jahren hatte sie schon einige Jobs. „Weiter bin ich dort nicht gekommen. Ohne Ausbildung waren die Chancen, aufzusteigen, schlecht.“ Vor ein paar Jahren wurde dann Theiß’ Mann schwer krank. Spätestens da war klar, dass die Familie auch auf ihr Gehalt angewiesen ist.

Patienten, die für eine Behandlung ins Krankenhaus müssen, informieren sich besser frühzeitig über die dort üblichen Hygiene-Maßnahmen.
Bild: Britta Pedersen (dpa)

Besonders jungen Müttern legt Theiß ans Herz, eine Ausbildung zu machen und so auch im Beruf am Ball zu bleiben: „Man weiß nie, was passiert. Verpasst man den Anschluss, kann man den anderen irgendwann das Wasser nicht mehr reichen“, sagt sie. Für Theiß spielt aber auch noch etwas anderes eine Rolle: Sie wolle – soweit es möglich sei – unabhängig von staatlicher Unterstützung leben.

Bis zwei Uhr nachmittags arbeitet Theiß im Krankenhaus. Zu Hause angekommen wirft sie kurz die Waschmaschine an, macht sich aber gleich wieder auf den Weg, um ihre Tochter vom Kindergarten abzuholen. Später kommt Ben-Luca mit dem Bus nach Hause. Oft sind auch Freunde der Kinder zu Besuch.

Stressresistente Mutter

Zu viel wird all das der 30-Jährigen selten. „Auch wenn es mal stressig ist, ich bin es nicht anders gewohnt. Ohne meine Kinder wird mir langweilig“, sagt sie und lacht. Nur, wenn es um Lernen geht, wird es für Theiß zu Hause schwierig. Doch auch dafür hat sie eine Lösung gefunden. „Ich fahre oft am Wochenende zu meiner Mutter, um mich dort auf Prüfungen vorzubereiten.“

Sprachlotsen helfen Schülern, die noch nicht so gut Deutschsprechen, den Unterricht zu verfolgen.
Bild: Bernhard Weizenegger

Praktisch ist für Theiß aber zum Beispiel, dass sie zur Berufsschule in Günzburg pendeln kann. Eine Woche pro Monat besucht sie den Unterricht dort. An der Ausbildung zur Kauffrau im Gesundheitswesen gefällt ihr vor allem eines: „Dass ich zwar im Büro arbeite, meine Arbeitszeiten anpassen kann, gleichzeitig aber viel Kontakt zu Menschen habe.“

Berufliche Aussichten

30 Stunden pro Woche arbeitet Theiß in der Stadtklinik im Diako. Ihr Gehalt ist dementsprechend geringer. Als Kauffrau im Gesundheitswesen sollte man in ihren Augen gut mit Menschen umgehen können. „Oft sind Patienten nervös, wenn sie aufgenommen werden. Darauf sollte man eingehen können“, meint sie.

Nach drei Jahren Ausbildung wird Theiß im Sommer von der Stadtklinik im Diako übernommen. Dabei hatte sie anfangs noch befürchtet, keine Ausbildungsstelle zu finden. Und, dass sie sich wegen ihres Alters dabei komisch fühlen könnte. „Eigentlich ist es ein Vorteil, dass ich schon Kinder habe. Ich habe dadurch mehr Lebenserfahrung und kann das gut einbringen.“

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