Startseite
Icon Pfeil nach unten
Specials Redaktion
Icon Pfeil nach unten
Olympia
Icon Pfeil nach unten

Olympia 2026: Medaillentraum dramatisch geplatzt: Wieder nur Platz vier für deutsche Biathleten

Olympia 2026

Medaillentraum dramatisch geplatzt: Wieder nur Platz vier für deutsche Biathleten

  • |
  • |
  • |
  • |
    Philipp Horn (rechts) musste sich dem Franzosen Quentin Fillon Maillet geschlagen geben.
    Philipp Horn (rechts) musste sich dem Franzosen Quentin Fillon Maillet geschlagen geben. Foto: Hendrik Schmidt, dpa

    Man kennt dieses Lied aus dem Fußball. Schießt die deutsche Nationalmannschaft ein Tor, erklingt ein Song von Major Tom. Der Titel: „Völlig losgelöst“. Ein Motto, das auch bei Olympia verfolgt wird. Losgelöst von der Erde war auch am Freitagnachmittag im Biathlonstadion von Antholz zu hören. Als Philipp Horn als Dritter die letzte Runde des Biathlon-Massenstarts in Angriff nahm.

    Die Fans waren völlig losgelöst, Horn wollte es auch sein. Endlich die nächste Medaille, das war das Ziel. Horn war Bronze ganz nahe, er hatte nur einen Fehler geschossen. Hinter Horn aber machte sich der Franzose Quentin Fillon Maillet auf die Jagd. Der beste Läufer derzeit im Männer-Feld. Dass er drei Strafrunden mehr als Horn in der Summe laufen musste, geschenkt. An der Huberalm war es so weit. Jenem Stück, das schon oft Ort dramatischer Entscheidungen war. Auch diesmal.

    Fillon Maillet zog an Horn vorbei, beinahe mühelos. „Es sah so leicht bei ihm aus, während ich um mein Leben gekämpft habe“, schilderte Horn hinterher. Und: „Normalerweise ist die letzte Runde meine Stärke. Gerade wenn es um die Wurst geht, knackt man mich nicht so schnell. Ich war heute aber nicht stark genug auf der letzten Runde“, sagte der Deutsche.

    Bitterling vom nächsten vierten Platz genervt

    Oder anders formuliert: Er war nicht stark genug für Fillon Maillet. Weil seine Arme und Beine verkrampften, während der Franzose davonlief und sich noch Bronze hinter den beiden Norwegern Johannes Dale-Skjevdal und Sturla Holm Laegreid schnappte.

    Horn hatte einen überzeugenden Wettkampf geliefert, er hatte nur einen Fehler geschossen. Es war viel möglich an diesem Nachmittag. Aber irgendwie kam auch wieder das ganze Pech zusammen. Wie schon häufiger bei diesen Olympischen Spielen. „Es passt zum Verlauf der Spiele, dass Fillon Maillet hinter ihm ist, der schnellste Läufer dieser Spiele. Gerade nervt es, jetzt sind wir wieder Vierter“, sagte Sportdirektor Felix Bitterling. Die nächste Enttäuschung also. Wobei Bitterling betonte: „Was stehen bleiben sollte, ist, dass das eine Weltklasseleistung war.“

    Kurz nach dem Rennen wollte Horn davon zunächst nichts wissen. Gleich nach dem Zieldurchlauf war er seiner Frau Antonia in die Arme gefallen. Er brauchte Trost. „Momentan überwiegt die Enttäuschung“, sagte Horn. Auch weil er mit einer Medaille die deutsche Bilanz hätte aufpolieren können. So aber steht bislang nur Bronze aus der Mixed-Team-Staffel in der Bilanz. Zu wenig für eine erfolgsverwöhnte Nation. „Wir sind nicht zufrieden mit dem Abschneiden, da gibt es nichts drumherum zureden“, sagte Sportdirektor Bitterling.

    Als Philipp Horn auf die Schlussrunde ging, war ihm schnell klar, dass er auf Platz drei lag. Die nächste Information, die er von Bitterling am Rand der Strecke bekam, aber schockte ihn. Fillon Maillet sei hinter ihm. Horns Gedanken: „Warum er? Warum nicht irgendjemand anders?“ So war der Traum einer Medaille recht schnell vorbei gegen den derzeit besten Langläufer im Biathlonfeld. An der Huberalm passierte es.

    Die deutschen Trainer waren am Vortag einen ungewöhnlichen Weg gegangen. Sie hatten die Vorbereitung den Athleten selbst überlassen. Sie sollten sich Taktik und Herangehensweise selbst überlegen. Horn war in der Führungsrolle. Eine Idee, die beinahe aufging. Auch weil Horn es geschafft hatte, den Druck weitgehend abzulegen. In der Staffel sei er noch zu nervös gewesen, am Freitag hatte er versucht, wieder Spaß an seinem Sport zu finden. Beinahe wurde das mit einer Medaille belohnt.

    Deutsches Team kämpft mit Hassnachrichten

    Philipp Nawrath beendete das Rennen auf Rang sieben, eine gute Leistung, allerdings schoss er fünfmal daneben. Zu viele Fehler, mal wieder. Dennoch zog der Allgäuer ein zufriedenes Fazit. Er war bei allen sechs Wettkämpfen am Start und nimmt eine Medaille mit nach Hause.

    Neben Schießstand und Loipe müssen die deutschen Biathletinnen und Biathleten mit Hasskommentaren in den sozialen Netzwerken kämpfen. Mit Kommentaren, die heftig sind. „Diese persönlichen Beleidigungen sind unsäglich. Konstruktive Kritik ist völlig okay. Aber ob man schreiben muss, dass man kein Recht hat zu leben, glaube ich nicht. Ich hoffe, dass das irgendwann strafrechtlich verfolgt wird“, sagte Bitterling.

    Am meisten sind von solchen Beleidigungen die Biathletinnen betroffen. „Solche Hassnachrichten bringen natürlich Unruhe rein“, sagte Nawrath, der davon noch nicht persönlich betroffen war. Er würde solche Kommentare aber auch als Ansporn sehen. „Die meisten, die so etwas schreiben, sind reine Couchtrainer, die selbst unzufrieden sind mit ihrer eigenen Situation“, sagte der Allgäuer.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren