Felix Loch braucht diesen Trubel nicht mehr. Der 36-Jährige hat das Leben im Olympischen Dorf oft genug erlebt. Loch nimmt zum fünften Mal an Winterspielen teil, er hat alles erlebt. Diesmal sind dem deutschen Erfolgsrodler auch kurze Wege wichtiger.
Loch hätte sich im Olympischen Dorf in der Nähe von Cortina d‘Ampezzo einquartieren können. Wie sein Teamkollege Max Langenhan. Loch aber entschied sich für einen Schlafplatz in einem Außenquartier nahe der Eisrinne. „Das habe ich aber bewusst so gewählt, weil ich das schon oft genug erlebt habe und ich weiß ja generell, wie es im Dorf ist. Dieses Mal habe ich mich dagegen entschieden, und ich denke, dass es ganz gut läuft. Wir haben eine nette WG, das passt“, sagte der dreimalige Olympiasieger aus Berchtesgaden. Vor allem sind die Wege zur neu gebauten Bob- und Rodelbahn kürzer.
Für Loch wird es gleich am ersten Wochenende der Winterspiele in Norditalien ernst. Am Samstag steht ab 17 Uhr der erste von vier Läufen an. Am Sonntagabend weiß die Sportwelt, ob Loch ein weiteres Mal Olympiasieger ist. Oder ob sein österreichischer Rivale Jonas Müller triumphiert. Oder womöglich Langenhan, der am Freitag im letzten Trainingslauf Bestzeit gefahren ist. Loch landete auf Rang vier.
Georg Hackl ist zu den Österreichern gewechselt
Die deutschen Rodler sind Medaillengaranten. Wie ihre Kollegen im Bob. Geht es in den Eiskanal, kann die Nation auf Erfolge hoffen. Weil das schon immer so war. Und wohl auch bleiben wird. Allerdings hat die Konkurrenz zugenommen. Österreich hat sich zu einer starken Rodel-Nation entwickelt – dank deutscher Hilfe.
2022 hatte sich Georg Hackl entschieden, dem Nachbarland sportlich zu helfen. Hackl ist mit drei Gold- und zwei Silbermedaillen der erfolgreichste Rodler Olympias. Hackl hat einen Erfahrungsschatz, von dem Österreich jetzt profitiert. Und damit auch Müller, der einst mit seiner Familie von Eschborn nach Bludenz gezogen ist. „Die Materialentwicklung ist bei uns in den letzten Jahren so viel besser geworden. Die Deutschen waren uns da viele Jahre voraus. Da hat Österreich nun aufgeschlossen“, sagte der 27-Jährige, der erstmals bei Olympia am Start ist.
Hackls Wechsel hatte für Missstimmung gesorgt. Auch bei Felix Loch. „Die ersten zwei Jahre waren ein bisschen, eisig ist verkehrt, ein bisschen weniger, ist ja verständlich“, erzählte Loch. Mittlerweile aber hat sich die Situation wieder beruhigt, die Normalität ist zurück. Man trinke zusammen auch wieder mal ein Bier, so Loch. Dennoch ist klar, dass Hackl bei den Österreichern mitfiebern wird.
Es braucht perfekte Läufe, um Loch zu besiegen
Wer aber wird am Sonntagabend triumphieren? Loch hat schon mehrfach gezeigt, dass er bei Großereignissen zur Stelle ist. Dass immer mit ihm zu rechnen ist. Müller weiß das. Er sagte: „Der Felix ist am Start eben schnell und dazu noch einer der besten Rodler.“ Und: „Man braucht nahezu perfekte Läufe, um schneller zu sein als der Felix.“
Ein Handicap allerdings hat die österreichische Mannschaft. Weil ihre für 30 Millionen Euro umgebaute Bahn in Innsbruck nicht abgenommen wurde, mussten sie für Trainingsfahrten erfinderisch sein. Kurz vor Olympia trainierten sie auf der Naturbahn in St. Moritz in der Schweiz. Dennoch scheint das Team bereit für den Angriff auf die Medaillen.
Die deutschen Rodler allerdings auch. „Es ist ja ganz klar: Das Ziel ist eine Medaille. Sonst brauche ich hier nicht anzutreten“, sagte Loch. Sein Kollege Langenhan ist deutlich zurückhaltender. Nach einer bislang mäßigen Saison sagte er zuletzt in Cortina: „Ich habe noch so viele Probleme überall. Also gilt es für mich, einfach ordentliche Läufe zu zeigen.“ (mit dpa)
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