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Marius Kusch
02.04.2021

Endlich wieder Wettkampf, endlich wieder Adrenalin

Nach einem Jahr Corona-Pause durfte Marius Kusch wieder einen Wettkampf auf der olympischen 50-Meter-Bahn bestreiten.
Foto: Ian Rutherford, dpa

In seinem zweiten Blog-Eintrag geht es für Marius Kusch um das lange vermisste Wettkampf-Gefühl: Den Adrenalinschub vor dem Start, das Kribbeln - all das kann man im Training nicht simulieren.

Zum ersten Mal seit fast genau einem Jahr bin ich wieder einen Wettkampf auf der 50-Meter-Bahn geschwommen. Das ist extrem wichtig, weil auch die olympischen Wettbewerbe auf der 50-Meter-Bahn ausgetragen werden. Wegen Corona finden momentan nur sehr wenige Wettkämpfe statt. Dieser jetzt war in Austin, Texas. Wir mussten mit einem negativen Coronatest anreisen, dann für zwei Tage auf dem Hotelzimmer bleiben und noch einen zweiten Test vor Ort machen. Erst dann durften wir schwimmen.

Im Training simulieren wir zwar ab und zu Rennen auf der langen Bahn, aber das ist trotzdem nicht das gleiche wie ein Wettkampf. Ich habe schon gemerkt, dass es eine Weile her war.

Fast die komplette Nationalmannschaft der USA war am Start

Der Wettkampf war sehr prominent besetzt. Von den Amerikanern war fast die komplette Nationalmannschaft da. Viele sind ja in der selben Situation, dass sie zuletzt nicht wirklich viele Wettkämpfe geschwommen sind. Wenn dann einer stattfindet, kommen alle und sammeln Wettkampfmeter. Vor allem wenn es Wettkämpfe sind, auf denen man gegen wirklich gute Leute antritt. Wir schwimmen oft innerhalb unserer Trainingsgruppe gegeneinander, was ich sehr gut finde. Aber jetzt in Austin, vor dem Finale über 100 Meter Schmetterling, habe ich plötzlich gemerkt: Okay, da kommt die Aufregung, die Freude. All das, warum man es eigentlich macht. Das lässt sich im Training nicht simulieren, dieses Kribbeln in einer Wettkampfsituation. Das Adrenalin.

Je mehr Wettkämpfe, desto besser

Für mich gilt eh: Je mehr Wettkämpfe ich schwimme, desto besser bin ich auf meinem Haupt-Event. Das habe ich in meiner College-Zeit gelernt. Und das versuchen wir jetzt auch wieder.

In Austin sind wir voll aus dem Training geschwommen. Wir haben den ganzen Februar hart trainiert und unser Trainer hat schon vorher gesagt, dass wir da nicht hinfahren, um uns besonders gut zu fühlen. Oder um extrem schnelle Zeiten zu schwimmen. Jeder Sportler hat technische Aufgaben bekommen, auf die wir geachtet haben. Die Zeiten waren eher sekundär und dann auch ganz normal für diesen Zeitpunkt der Saison. Nichts Spektakuläres, aber auch nichts, um enttäuscht zu sein. Ich habe gemerkt, dass ich sehr erschöpft war. Ich musste am Tag vor dem 100-Meter-Schmetterling-Finale noch 150 Meter Kraul voll schwimmen. Das hatte ich nicht erwartet. Da stelle ich mich aber auch nicht hin und fange an zu diskutieren. Das macht man dann halt. Unser Trainer legt großen Wert darauf, den Körper in eine Erschöpfung zu bringen und die Rennen trotzdem mit möglichst guter Technik zu schwimmen. Wenn man das dann schafft, fällt es einem im Hauptwettkampf natürlich viel leichter, wenn man voll erholt ist.

Vor dem Olympischen Spielen wird drei Wochen getapert

Vor einem wichtigen Wettkampf wie zum Beispiel Olympische Spiele dauert die Erholungsphase bis zu drei Wochen. Das ist aber bei jedem unterschiedlich. Je nachdem, wie man darauf reagiert. Ich habe Freunde, die tapern nur ein paar Tage, weil sie sonst das Gefühl haben, sie schwimmen durch Pudding. Bei mir ist es so: Je mehr Pause ich kriege, desto besser werde ich.

Wir fliegen jetzt dann erst einmal nach Teneriffa ins Trainingslager. Von da dann nach Stockholm auf einen Wettkampf und weiter nach Berlin, wo die letzten Olympiatickets vergeben werden.

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